Moses siegt in Oberammergau

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Szene aus Christian Stückls „Moses“-Inszenierung

Oberammergau – Das Passions-Theater lockt in den Sommertagen nicht nur mit fetzigen Konzerten aus bairischen Kreativ-Quellen. Es bietet mit "Moses" genauso Dramatisches, das zum Nachdenken anregt.

400 Oberammergauer auf, hinter und unter der Bühne sind in Christian Stückls Moses-Uraufführung am Werk. Ein auch für Profis schwieriges Stück, das Feridun Zaimoglu und Günter Senkel fürs Passions-Theater da verfasst haben.

Die Autoren stellen sofort die Ausgangssituation ihres „Helden“ klar: Da hat einer überall und immer eine Zwischen-Position. Moses möchte sein Fremdsein auflösen im unbedingten Glauben an den „Einen Heiligsten“. Der indes fordert noch mehr: Moses soll Prophet sein. Wie seine biblischen Kollegen sträubt er sich in Angst und Zweifel. Der Aufschrei „Lass mich!“ erstickt im hohen Flammenkreis, der aus dem Boden schießt. Gott im brennenden Dornbusch lässt dem Mann keine Ausflucht.

Das Inszenierungsteam und die Musik von Markus Zwink malen ein imposantes Riesenformat. Da gibt es kräftige Pinselstriche und komplexe Feinzeichnungen: vertrackte Argumentationsketten über Gewalt und Religion, Nationen-Werdung, Neid, Treue. Über allem steht das Thema Glaube. Ihrem Glauben an Jahwe hängen Moses und sein Bruder Aaron radikal-konsequent an, und die Stämme Juda müssen irgendwie mit.

Die beiden Dramatiker tippen alle Moses-Ereignisse von den Plagen, die Ägypten fast vernichten, über das Manna bis zum Goldenen Kalb an; wichtiger ist ihnen jedoch, die endlose Durststrecke zu schildern, die die Israeliten ertragen.

Eine extreme Herausforderung fürs Theater und noch mehr für ein Laien-Ensemble. Aber Prophet Christian Stückl hat es gewollt, und seine Oberammergauer folgen eisern. Und sie haben gewonnen! Man gibt mit sinnlichen Effekten dem Theater, was des Theaters ist, und bleibt gleichzeitig intellektuell messerscharf.

Die übergroße Last der Figur Moses muss Carsten Lück schultern. Mit schönem Ernst erzählt er in seinem Spiel vom Propheten wider Willen. Ehrlich und sicher steht Lück diesen Mann – und bewältigt erstaunenswert einen sehr schweren Text.

SiDa

Noch sechsmal ab 19. Juli, Karten unter Tel. 54 81 81 81.

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