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München: So wird die neue Lach und Schieß

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Von: Stefanie Thyssen

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Stefan Hanitzsch, der neue Chef der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, in seinem Schwabinger Laden.
Die Lach- und Schießgesellschaft in Schwabing: Stefan Hanitzsch ist der neue Geschäftsführer. © Marcus Merk

65 Jahre hat die Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf dem Buckel, turbulent ging es immer zu. Nach dem Rückzug von Till Hofmann hält nun Stefan Hanitzsch als geschäftsführender Gesellschafter die Fäden des legendären Schwabinger „Ladens“ in der Hand.

Am Sonntag, 16. Januar 2022, eröffnet die Lach und Schieß erstmals unter neuer Führung – pandemiebedingt allerdings „nur“ via Stream. Es tritt auf: der Kärntner Kabarettist Hosea Ratschiller. Wir sprachen mit Geschäftsführer Stefan Hanitzsch, dem die Kabarett-Legende Bruno Jonas sowie die Sängerin Laila Montana Nöth, Tochter des verstorbenen Ex-Gesellschafters Wolfgang Nöth, zur Seite stehen, über seine Pläne für die traditionsreiche Kleinkunstbühne.

Wie traurig sind Sie, dass die „neue“ Lach und Schieß, also die unter Ihrer Leitung, nicht mit einem tollen Live-Abend eröffnet werden kann? Oder überwiegt die Freude, dass Sie wenigstens streamen können?

Stefan Hanitzsch: Ich sehe immer das Positive. Immer. Immer. (Lacht.) Wenn ich eine Blume in der Wüste sehe, dann schau ich mir die Blume an und nicht die fünf Millionen Kubikmeter Sand drumrum.

Am Sonntag ist dann Hosea Ratschiller sozusagen die Blume in der kabarettistischen Corona-Wüste?

Stefan Hanitzsch: Ich sehe es so: Wir ziehen jetzt Corona-bedingt das vor, was wir sowieso im Lauf des Jahres 2022 starten wollten: die digitale Ära der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Denn die beginnt am Sonntag.

Das müssen Sie näher erklären, bitte.

Stefan Hanitzsch: Die Lach und Schieß möchte eigenständig erfolgreich sein. Auch wirtschaftlich, nicht nur inhaltlich. Und muss dafür einerseits alte Geschäftszweige wiederbeleben. Die Gastspiele in größeren Häusern zum Beispiel; die Fernsehproduktionen und Co-Produktionen wollen wir auch reaktivieren. Zum anderen steht eben die Digitalisierung an, die auch vor einem altehrwürdigen Theater nicht haltmachen sollte. Deswegen bauen wir gerade ein Tonstudio, in dem wir Hörbücher produzieren, auch die Kolumne von Bruno Jonas sowie eigene Podcasts. Wir wollen das Studio auch vermieten, um Einnahmen zu generieren. Und dann streamen wir natürlich aus dem „Laden“, auch wenn – hoffentlich bald – wieder Vollbesetzung möglich ist.

Dass Sie jetzt, wie es erlaubt wäre, mit 25 Prozent Publikums-Auslastung starten, war nie eine Überlegung?

Stefan Hanitzsch: Nein. Das rentiert sich überhaupt nicht. Je kleiner ein Theater ist, desto unrentabler wird diese Idee. Deswegen haben wir davon abgesehen.

Wollen Sie mit der Lach und Schieß auch wieder ins „echte“ Fernsehen, ins lineare?

Stefan Hanitzsch: Lineares Fernsehen, Streaming – wir hören uns alles an und sind offen. Guter Content ist ja immer gefragt, und dafür steht die Lach und Schieß.

Der natürliche Partner wäre doch der BR. Führen Sie da Gespräche?

Stefan Hanitzsch: Wir sind mit verschiedenen Partnern im Kontakt. Da herrscht momentan ein informeller Austausch. Wir sind allerdings kein monogames Theater. Irgendwelche Exklusiv-Verträge werden wir nicht abschließen.

Das klingt sehr selbstbewusst. Sind Sie wirklich in der Position, sich einen Partner aussuchen zu können?

Stefan Hanitzsch: Warum sollen wir nicht selbstbewusst auftreten? Wir sind doch kein Schullandheim, das einen Ball veranstaltet! Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft steht für eine große Tradition.

Das stimmt. Für was soll sie denn in Zukunft stehen – unter Ihrer Leitung?

Stefan Hanitzsch: Ich möchte gerne Klaus Peter Schreiner zitieren: „Von beiden Seiten will man uns baldmöglichst an den Kragen. Drum ist der Endzweck unseres Tuns, nach links und rechts zu schlagen.“

Und konkret: Was steht bei Ihnen in den kommenden Monaten auf dem Programm?

Stefan Hanitzsch: Am 24. Februar tritt erstmals unser Ensemble mit seinem Programm „Aufgestaut“ im Laden auf (Christl Sittenauer, Frank Klötgen und Sebastian Fritz; Anm. d. Red.). Das werden wir dann auch live und exklusiv streamen. Faltsch Wagoni kommen am 29. Januar. Bruno Jonas tritt im März mit seinem Programm „Meine Rede“ auf. Und die anderen Sachen sind noch im Fluss. Wir sind in Gesprächen mit Agenturen und Künstlern. Manche Kabarettisten wollen schlicht nicht durchs halbe Land reisen und dann vor 25 Leuten spielen. Ein Highlight im Mai kann ich Ihnen aber ankündigen.

Bitte.

Stefan Hanitzsch: Da feiern wir den 95. Geburtstag von Dieter Hildebrandt. Walter Sittler kommt und liest – er ist der Beste für Hildebrandt-Texte. Darauf freue ich mich schon sehr. Und den 100. von Georg Kreisler feiern wir im Oktober, mit seiner Tochter Sandra Kreisler und Jochem Hochstenbach am Flügel.

Haben Sie die Hoffnung, dass der Hildebrandt-Geburtstag im Mai vor Publikum gefeiert werden kann?

Stefan Hanitzsch: Ich hoffe, ja natürlich. Aber solange ich das griechische Alphabet noch nicht zu Ende gelernt habe – Stichwort Delta, Omikron –, plane ich diesbezüglich gar nichts.

Dass in der Gastronomie 2G gilt, in der Kultur 2G plus, finden Sie …

Stefan Hanitzsch: … überhaupt nicht zu verstehen! Genauso die Frage, warum eine Bühne mit Lokal nur 25 Prozent Auslastung haben darf, ein Lokal ohne Bühne aber 100 Prozent. Das verstehe, wer will. Politiker sind halt auch nur Menschen.

Die vielleicht lieber im Restaurant sitzen als im Theater?

Stefan Hanitzsch: Vielleicht. Vielleicht ist es auch die Rache an den sehr vielen Spießen, auf die sie vom Kabarett aufgespießt wurden. Aber das ist natürlich ein Witz (Lacht.) Es hat vermutlich mehr mit Lobbyarbeit zu tun.

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