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München: Florian Illies liest im Literaturhaus unglaubliche Geschichten!

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Von: Katja Kraft

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Florian Illies bei seiner Lesung aus seinem Buch „Liebe in Zeiten des Hasses“ im Literaturhaus München
Florian Illies las im Literaturhaus München aus seinem Buch „Liebe in Zeiten des Hasses“. © kjk

Mit „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ gelang dem Autor Florian Illies ein Welterfolg. Nun ist bei S. Fischer von ihm „Liebe in Zeiten des Hasses“ erschienen. Im Rahmen des Literaturfest München hat Florian Illies sein Buch nun im Literaturhaus München vorgestellt.

Unter Kulturwissenschaftlern wird gern betont, man müsse ein Werk getrennt von seinem Erschaffer betrachten. So wie’s Harry (Justus von Dohnányi) in Helmut Dietls wohl unterschätztestem Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ klipp und klar formuliert: „Das ist einfach ’n Text, den ’n Texter halt so hintextet. Da muss er ja nicht groß was erlebt haben. Wenn einer ,Yellow Submarine‘ schreibt, muss er ja auch nicht vorher U-Boot gefahren sein.“

Und dann kommt Florian Illies daher und erzählt uns in seinem neuen Roman „Liebe in Zeiten des Hasses“ in fantastischem Collagestil aus dem Liebesleben von 30, 40 Literaten, Künstlern, Musikern der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Springt von einem Drama zum nächsten. Verwebt, was die Damen und Herren außerhalb des Schlafzimmers getrieben haben: welche Bücher, Bilder, Balladen entstanden. Wenn man das liest oder hört, welche Anekdoten Illies daraus beim Besuch am 24. November 2021 im Literaturhaus München im Gespräch mit Knut Cordsen (BR) launig erzählt, wird deutlich, dass das mit dem Trennen von Werk und Künstlerleben so nicht ganz stimmen kann. „Als würde Kulturgeschichte ohne Zutun von Hormonen und Emotionen geschrieben“, kommentiert Illies kritisch die Doktrin der schlichten Werk-Betrachtung.

Florian Illies im Gespräch mit BR-Redakteur Knut Cordsen im Literaturhaus München
Florian Illies im Gespräch mit BR-Redakteur Knut Cordsen im Literaturhaus München © kjk

Eineinhalb Jahre lang hat er an dem Buch geschrieben. Hat die Musik aus dieser Zeit gehört, die Zeitschriften gelesen, sich Bilder und Skulpturen von damals angeschaut. „Ich bin in die Vergangenheit abgetaucht. Für andere sind die Zwanziger und Dreißiger schwarz-weiß. Für mich sind sie voller Farben. Denn so waren sie. Ein Buntfilm!“, unterstreicht er. „Die ungeheure Atemlosigkeit der Zeit wollte ich eins zu eins in mein Buch übertragen.“ Die Leser sollten fühlen: Oh, ich bin plötzlich mittendrin. Ist ihm geglückt. Ein Geschenkt – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Das Literaturfest München läuft noch bis zum 5. Dezember 2021, auch digital. Das gesamte Programm und Tickets gibt es hier

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