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„Frankenstein“ erobert das Deutsche Theater München

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Szene aus dem „Frankenstein“-Musical im Deutschen Theater mit Navina Heyne in der Rolle der Elizabeth.
„Frankenstein“ im Deutschen Theater: Navina Heyne beeindruckt als die nicht nur von Dr. Frankenstein begehrte Elizabeth. © Alexander Bornschlegl

Das Musical „Frankenstein“ erobert den Silbersaal des Deutschen Theaters in München. Unsere Premierenkritik:

Britischer geht es kaum – selbst wenn die Geschichte von Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman im bayerischen Ingolstadt angesiedelt ist. Und so ist der Jodler, der sich in die Musicalfassung von Regisseur Paul Stebbings und Komponist Christian Auer eingeschlichen hat, auch nur ein Farbtupfer an diesem wunderbar schwarzhumorigen Abend, der in bester Monty-Python-Manier die Lachmuskeln strapaziert.

„Frankenstein“: gepflegter Gruselspaß

Für Halloween kommt die Uraufführung im Silbersaal des Deutschen Theaters zwar knapp zu spät. Dem gepflegten Gruselspaß tut dies dennoch keinen Abbruch. Stebbings, der den Stoff zuvor bereits erfolgreich als Schauspiel adaptiert hat, gelingt es nämlich in seiner Inszenierung, die tragischen Aspekte herauszuarbeiten, diese aber immer wieder mit befreiendem Lachen zu brechen. Ganz so, wie es schon sein Landsmann William Shakespeare vorgemacht hat.

Die von Christian Auer neu komponierten Songs fügen sich meist nahtlos ein und unterstreichen mit ihrer stilistischen Bandbreite die alte englische Music-Hall-Tradition. Von elektro-lastigem Rock über eingängige Kinderlieder bis hin zur Parodie aufs klassische Opernpathos ist da fast alles vertreten und fügt sich am Ende zu einem überraschend stimmigen Gesamtbild.

Das Ensemble von „Frankenstein“ überzeugt

Rundum überzeugend ist ebenfalls das fünfköpfige Ensemble, das bis auf den Titelhelden gleich in mehreren Rollen gefordert ist und die raschen Wechsel grandios meistert. So etwa der sonst eher auf düstere Charaktere abonnierte Thomas Borchert, der hier nicht nur dem Monster menschliche Züge verleiht, sondern endlich auch einmal sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen kann. Das bringt auch Peter Lewys-Preston als Dr. Frankenstein mit. Er darf als Klischee des jugendlichen Liebhabers mit viel Selbstironie zarte Duette schmalzen, kann in den grotesk überzogenen Momenten aber auch in Sachen Grimassenschneiden durchaus mit seinem Faktotum Igor mithalten. Und das will durchaus etwas heißen bei der Gesichtsakrobatik, die Gareth Davies in seinen zahlreichen Rollen absolviert. Einzige Frau im Bunde ist Navina Heyne als nicht nur von Frankenstein begehrte Elizabeth. Sie darf mit klassisch geführtem Sopran vor sich hin zwitschern, weiß sich aber ebenso in der rauen Auseinandersetzung an Mary Shelleys Grab gegen ihre rockig aufdrehenden Kollegen zu behaupten.

Nach dem „Schuh des Manitu“ also ein weiterer Volltreffer an der Schwanthalerstraße, der mit seinem ganz eigenen Humor überzeugt und Musicalfans in der dunklen Jahreszeit wärmstens empfohlen sei.

Tobias Hell

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