Münchens neuer Konzertsaal: Valery Gergiev und Yasuhisa Toyota stellen die Isarphilharmonie vor

Die neue Isarphilharmonie: eine Insel der Glückseligen

Blick in die Isarphilharmonie.
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Der Schwarz-Weiß-Kontrast bestimmt den Saal optisch, in dem kein Platz weiter als 33 Meter von der Bühne entfernt ist. „Ein Publikum, das gut sieht, hört auch gut“, ist Yasuhisa Toyota überzeugt.

München hat einen neuen Konzertsaal: Dirigent Valery Gergiev und Akustiker Yasuhisa Toyota stellen die Isarphilharmonie im Interims-Gasteig HP8 vor.

Eine Pressekonferenz ist keine Sinfonie. Und dennoch hat sie in diesem Fall mehr mit einem Konzert zu tun, als es zunächst scheinen mag. In der Isarphilharmonie, der neuen Heimat der Münchner Philharmoniker, wird am Freitagvormittag das Gespräch mit den Journalisten zum Härtetest für den neuen Saal. Knapp 40 Menschen sind auf der Bühne, Arbeiter und Techniker drumherum sorgen zusätzlich für Unruhe; die Dame sowie die Herren vorne haben weder Mikrofon noch artikulieren sie sonderlich laut. Und doch ist – etwa am Pult 12 der ersten Violinen – jedes Wort glasklar zu verstehen, ob nun Chefdirigent Valery Gergiev, Akustiker Yasuhisa Toyota, Solo-Klarinettistin Alexandra Gruber, Philharmoniker-Intendant Paul Müller oder Gasteig-Chef Max Wagner spricht. Wer auch immer also auf dieser Bühne künftig musizieren wird – die Künstlerinnen und Künstler dürfen sich auf eine phänomenale Akustik an ihren Arbeitsplätzen freuen. Das gilt dann hoffentlich auch für die Gäste auf den maximal 1956 Plätzen, von denen keiner weiter als 33 Meter von der Bühne entfernt ist.

Selfie auf der Bühne des neuen Saals: Akustiker Yasuhisa Toyota (li.) und Valery Gergiev, Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.

Am 8. Oktober eröffnet Gergiev mit seinem Orchester den Saal im Interims-Gasteig HP8 an der Hans-Preißinger-Straße 8, die ersten Proben seien toll gewesen, schwärmt der Russe: „Als wir angefangen haben zu spielen, waren die Musiker sehr glücklich.“ Jeder sei in den Gesamtklang eingebunden. Tatsächlich ist „sehr glücklich“ ein Gefühlszustand, den an diesem Vormittag in der Isarphilharmonie ziemlich viele Menschen teilen. Akustiker Toyota, der für das Klangbild verantwortlich ist, fordert die Journalisten recht offensiv auf: „Look at me. I’m smiling.“ Sein Ziel sei es gewesen, „dass alle in diesem Saal Teil des Geschehens sind – Orchester wie Publikum. Das ist voll gelungen, auch durch die Form des Raums und die Anordnung der Ränge. Ein Publikum, das gut sieht, hört auch gut.“ Gasteig-Chef Wagner schwärmt von einem „ganz besonderen Tag“, während bei Intendant Müller Erleichterung mitschwingt: „Wir sind so froh.“ Klarinettistin Gruber erzählt, wie es auf der Probe am Donnerstag mit einem Mal „richtig geschnackelt“ habe, dank des „warmen, transparenten“ Klangs sei das Orchester ab sofort „auf der Insel der Glückseligen“ zu finden.

Die Isarphilharmonie ist ein Vollholzsaal. Wer in den Schnürboden steigt, sieht die Aufhängung der Holzbauteile an der Stahlkonstruktion, die sie umgibt.

Diese Insel macht auch optisch einiges her. Das helle Zedernholz der Bühne steht im knackigen Kontrast zu den schwarzen Lamellen aus Fichte an den Wänden und den dunklen, sehr bequemen Sitzen. Die Isarphilharmonie – gebaut für rund 40 Millionen Euro in 18 Monaten – ist ein Vollholzsaal. Wer ihr aufs Dach, also in den Schnürboden, steigt, sieht, wie die bis zu 20 Zentimeter dicken Holzelemente in die sie umgebende Stahlkonstruktion eingehängt sind. Ein Haus im Haus, eine musikalische Matrjoschka, die spannende Abende verspricht.

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