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Münchner Galerie Thomas feiert Maria Marcs Kunst: Die Blaue Reiterin

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Von: Katja Kraft

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Maria und Franz Marc 1908 in Lenggries
Große Liebe: Maria und Franz Marc 1908 in Lenggries. © Deutsches Kunstarchiv

Maria Marc, die Ehefrau von Franz Marc, war selbst eine große Künstlerin. Höchste Zeit, sie zu feiern. Dies tut die Galerie Thomas in München nun mit einer Ausstellung. Zu sehen bis 26. März 2022.

Dieser verdammte Krieg! Man stelle sich vor, 1914 wäre nicht zu den Waffen gegriffen worden – wie hätte das die Welt verändert. Im Kleinen wie im Großen. Das Künstlerpaar Maria und Franz Marc steht exemplarisch dafür, mit welcher Wucht die Schlachten der Jahrhunderte ganze Generationen geprägt haben. Sehr wahrscheinlich hätte Maria Marc (1876-1955) ohne den Weltenbrand ein größeres Werk geschaffen. Denn als ihr Lebensmensch Franz am 4. März 1916 fiel, da hörte Maria auf zu malen. Eine kreative Zäsur.

Als er an die französische Front verlegt wurde, ahnte Franz Marc, dass das sein Ende bedeuten würde. Und so wirkte er, ohne diese Sorge direkt auszudrücken, in Briefen auf Maria ein, zur Freundin Elisabeth Erdmann-Macke, Gattin von August, zu reisen. Er wollte, dass sie nicht allein ist, wenn sie die Nachricht seines Todes erreicht.

Die Kunsthistoriker Annegret Hoberg und Ralph Melcher vor Maria Marcs „Weihnachtsengel mit Bethlehemszene“ in der Münchner Galerie Thomas
Farbenprächtig: Die Kunsthistoriker Annegret Hoberg und Ralph Melcher vor Maria Marcs „Weihnachtsengel mit Bethlehemszene“ in der Galerie Thomas. © Schlaf

Es sind die Geschichten hinter den Bildern, die die Kunst oft noch beeindruckender leuchten lassen. Deshalb ist es doppelt schade, dass die Galerie Thomas, die nun zu einer nicht kommerziellen Ausstellung über das Werk von Maria Marc lädt, keine Führungen anbieten kann. In diesen Tagen seien die Besucherregelungen so vage, dass die Planung schlicht zu unsicher war, bedauert Silke Thomas. Doch wer mehr erfahren möchte über Maria Marc, die entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Werke ihres Mannes nach dessen Tod in der Welt gesehen werden, der kann die Mitarbeiter der Galerie mit Fragen löchern. Weil das Haus unter die Kategorie Einzelhandel fällt, gibt es keine Corona-Einschränkungen für einen Besuch.

Maria Marc wirkte selbstverständlich im Künstlerkreis des Blauen Reiter

Maria, die Frau von... Eine Frau im Schatten also? „Das ist eine Frage der Rezeption“, sagt Blaue-Reiter-Expertin Annegret Hoberg. Es stimme schon, dass Maria Marcs Werk erst in den vergangenen Jahren entdeckt, besser: wiederentdeckt wurde. „Aber damals im Künstlerkreis der sich bildenden Blauen Reiter war sie nicht im Schatten. Da hat sie ganz selbstverständlich als Produzentin mitgewirkt.“ Die Werke, die sie schuf, sollen jetzt verstärkt ans Licht geholt werden. Erstmals ausgestellt wurde ihre Mal-, Web- und Stickkunst 1995 im Lenbachhaus, kuratiert von Annegret Hoberg, dann 2004 im Schlossmuseum in Murnau – und nun in der Galerie Thomas. Komprimiert für ein breites Publikum, so war es schon seit Langem der Wunsch von Silke Thomas. „Die Frauen haben ja endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben, das wollen wir unterstützen.“

Blick in die Schau mit Werken von Maria Marc in der Münchner Galerie Thomas
Blick in die Schau mit Werken von Maria Marc in der Münchner Galerie Thomas. © Galerie Thomas

Wer durch den Ausstellungsraum geht, der erlebt mit jedem Schritt von Bild zu Bild die künstlerische Entwicklung der Maria Marc nach. Von der Münchner Malerschule, wo sie im Umkreis der Scholle gearbeitet hat – Freiluftmalerei mit federleichten Licht- und Schattenspielen – bis in die Jahre mit Franz Marc. Kaum elf gemeinsame waren dem Paar vergönnt. Doch wie groß die Wirkung aufeinander und auf ihre jeweilige Kunst. Wie bei Franz’ erlebt man auch in Marias Bildern, wie sie sich vom Naturalismus immer weiter loslöst, abstrakter wird. Mehr Mut zur Farbigkeit. Ihre „Zwei Kinder zwischen Blumen“ (1912) etwa: changierend zwischen hell und dunkel. „Und wie sie den Mut hat, die korrekten Formen aufzugeben, dieses G’schlamperte zulässt, großzügiger wird in der Malhaltung“, schwärmt Thomas.

Kinder haben die Künstlerin immer fasziniert. Umso trauriger, dass ihre Ehe kinderlos blieb. Maria und Franz haben es beide bedauert. In der Schau finden sich weitere Kinderbilder, die sie 1908 geschaffen hat. Darauf zum Beispiel Schweinchen, die an Spielzeugen orientiert sind. Aus derselben Reihe gibt es ein Bild mit tanzenden Schafen. Wer sie sehen möchte, der flaniert nach dem Besuch der Galerie einfach weiter ins Münchner Lenbachhaus. Dort hängen sie und tanzen noch immer. Allen Gräueln dieser Welt zum Trotz.

Bis 26. März in der Münchner Galerie Thomas, Türkenstraße 16 München, Mo.-Fr. 9-18, Sa. 10-18 Uhr; Telefon: 089/290 00 80. Alle weiteren Infos hier

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