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Münchner Kammerspiele: Kauf dich glücklich bei „Buy Hard“

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Von: Teresa Grenzmann

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Szene aus der Uraufführung „Buy Hard“ mit Gro Swantje Kohlhof und Bekim Latifi.
Münchner Kammerspiele: Gro Swantje Kohlhof und Bekim Latifi nutzen „Buy Hard“, um als Cherybel Mustang und Uwe van Tiger einen tiefironischen und doch enthusiastischen Liebesbrief an das Theater zu formulieren. © Nicole Wytyczak/Münchner Kammerspiele

Gro Swantje Kohlhof und ihr Schauspielkollege Bekim Latifi haben die Konsumsatire „Buy Hard“ in den Werkraum der Münchner Kammerspiele gebracht. Warum der Abend dringend wieder in den Spielplan sollte, erklärt unsere Kritikerin in ihrer Kritik zur Uraufführung:

Nur zweimal war Gro Swantje Kohlhofs Konsumsatire „Buy Hard“ (bislang) im Werkraum der Münchner Kammerspiele zu sehen – doch das lässt sich angesichts des schier endlos stürmischen Schlussapplauses vielleicht ja ändern. Denn dieser Abend ist ein kleiner, klamauk-triefender, tiefironischer und doch ehrlich enthusiastischer Liebesbrief an das unvergleichlich naiv verzaubernde Wesen des Theaters und all die Theaterwesen in ihm.

Münchner Kammerspiele: Der Abend erinnert an eine TV-Shoppingshow

„Buy Hard“ – das ist die Siebzigerjahre-Verkaufsfernsehshow des makellos oberflächlichen Föhnwellen-Duos Cherybel Mustang und Uwe van Tiger. Diesmal ist der „Ausverkauf der Kammerspiele“ an der Reihe: Die schier unerschöpfliche „Produktkiste der Woche“ trägt noch das Logo der Johan-Simons-Intendanz, und ist sie einmal ausgepackt, raubt der wahllose „Klimbim“ verstaubter Requisiten als „Stellvertreter des Theaterspirits“ selbst Cherybel und Uwe beinahe die Nerven.

„Buy Hard“ ist eine Nonsense-Comedy-Wild-Card

„Das ganze Konzept ist mir ein bisschen zu abstrakt“, traut sich einer zu sagen, als die Kameras aus sind, und stellt die alles entscheidende Frage: „Wer braucht das?“ Ja: „Wo wird so sinnlos produziert wie am Theater?“ Eine Nonsense-Comedy-Wild-Card für die Schauspieler Gro Swantje Kohlhof, die an den Kammerspielen etwa auch in „Jeeps“ zu sehen ist, und Bekim Latifi also. Aber eine optimal genutzte und durch das Zusammenspiel von Leonard Mandl (Bühne), Florian Buder, Mirjam Pleines (Kostüme) und Nicole Marianna Wytyczak (Video) auch ästhetisch ein spannender Wurf, dessen doppelbödige Abgründe nicht nur in den Ölteppich unter dem Jugendstilbau münden. Das „So tun als ob!“ ist hier zu gleichen Teilen das große Strahlen und die große Verzweiflung auf Cherybels und Uwes Show- und Privat-Gesichtern. Eben das Dilemma des Theaters zwischen Illusion und Marktwirtschaft, ganz unschuldig und dabei faustdick auf den Punkt gebracht. (Interesse an noch mehr Theater? Lesen Sie hier unsere Kritiken zu den Kammerspiele-Uraufführungen „Nightcore“ und „Wer immer hofft, stirbt singend“.)

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