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Münchner Residenztheater: Einladung zum Gruppenkuscheln

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Von: Michael Schleicher

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Der Intendant und sein künstlerisches Leitungsteam: Andreas Beck (3. v. li.), seine Stellvertreterinnen Ingrid Trobitz (li.) und Almut Wagner (re.) sowie die Hausregisseurinnen Nora Schlocker (2. v. li.), Elsa-Sophie Jach (2. v. re.) und deren Kollege Thom Luz.
Der Resi-Intendant und sein künstlerisches Leitungsteam: Andreas Beck (3. v. li.), seine Stellvertreterinnen Ingrid Trobitz (li.) und Almut Wagner (re.) sowie die Hausregisseurinnen Nora Schlocker (2. v. li.), Elsa-Sophie Jach (2. v. re.) und deren Kollege Thom Luz. © Adrienne Meister

Andreas Beck hat die Spielzeit 2022/23 am Bayerischen Staatsschauspiel vorgestellt. Der Intendant des Münchner Residenztheaters und sein Team planen in der kommenden Saison 16 Neuproduktionen, die alle die Frage nach der „Freiheit“ aufwerfen.

Gekuschelt wird dann doch nicht. Obwohl Andreas Beck ausdrücklich dazu einlädt, einander näherzukommen auf dem inzwischen etwas mürbe gewordenen Flokati im Münchner Residenztheater. Der gehört zum Bühnenbild der Inszenierung „Bitches“. Was der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels mit seinem Hinweis „Wir beißen nicht“ bei der Vorstellung der kommenden Saison letztlich sagen will: Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig „der menschliche Kontakt, das Miteinander, ein Zusammengehörigkeitsgefühl“ sind. Im Theater ist all das zu erleben – auf und vor der Bühne.

Es ist Becks vierte Spielzeit als Resi-Chef

Mit 16 Neuproduktionen, darunter sechs Uraufführungen, startet Beck im September in seine vierte Münchner Spielzeit als Intendant. Völlig im Zeichen des „neuen Normal“ ist für den 57-Jährigen die „Freiheit der rote Faden, der all diese Stücke miteinander verbindet“. So geht es etwa bei der ersten Uraufführung, dem Dokumentarstück „Die Spiele müssen weitergehen – München 1972“, um die gesellschaftliche Befreiung durch die olympischen Wettkämpfe vor 50 Jahren. Die deutsch-thailändische Koproduktion „I don’t care“ dreht sich dagegen um individuelle (Un-)Freiheitserfahrungen: Dieser ebenfalls dokumentarische Abend fußt auf Gesprächen, die Jürgen Berger mit Trans-Personen in Deutschland und Thailand geführt hat.

Hugo von Hofmannsthals „Der Turm“ hat im Oktober Premiere am Resi

Die erste Neuproduktion im Residenztheater rückt ein Werk aus der späten Schaffensphase Hugo von Hofmannsthals (1874-1929) in den Mittelpunkt: „Der Turm“ erzählt von einem Vater, der seinen Sohn von Kindertagen an in selbigen sperrt, da ihm prophezeit wurde, dieser werde ihn eines Tages ermorden. „Für mich ist das Stück eine Ausgrabung“, sagt Hausregisseurin Nora Schlocker, die das Drama inszenieren wird, das 1928 im Münchner Prinzregententheater uraufgeführt wurde.

Elsa-Sophie Jach ist neue Resi-Hausregisseurin

Schlocker und ihr Kollege Thom Luz, der etwa „Unvollständige Partitur für ein mechanisches Klavier“ nach dem Drehbuch von Nikita Michalkows Tschechow-Verfilmung von 1976 einrichten wird, bekommen künftig eine weitere Kollegin. Elsa-Sophie Jach wird in der nächsten Spielzeit ebenfalls Hausregisseurin. Sie hat hier bereits die Produktionen „Herz aus Glas“ und „Die Unerhörten“ erarbeitet. Und am Mittwochabend, 22. Juni 2022, hat Jachs dritte Münchner Inszenierung, „Werther“ nach Goethe und mit Texten von Karoline von Günderrode, im Residenztheater Premiere. In der Spielzeit 2022/23 wird sie Kleists „Käthchen“ sowie die Uraufführung des Auftragswerks „Archiv der Tränen“ von Magdalena Schrefel auf die Bühne bringen.

Karl Valentin steht im Zentrum einer „Valentiniade“

Claudia Bauer, deren Ernst-Jandl-Abend „humanistää!“ am Wiener Volkstheater gerade beim Berliner Theatertreffen gefeiert wurde, erarbeitet in der kommenden Saison fürs Staatsschauspiel eine „Valentiniade“ – ein „sportliches Singspiel mit allen Mitteln“, wie es im Untertitel heißt, vor allem aber mit Texten von Karl Valentin (1882-1948). Diese ergänzt sie um Arbeiten von Michel Decar. Und dass dieser Augsburger Autor einen ganz eigenen, herrlich verschrobenen Humor hat, hat er am Residenztheater bereits vor fünf Jahren gezeigt: mit der Uraufführung seines saukomischen Stücks „Philipp Lahm“. (Noch mehr Theater? Lesen Sie hier, was die Münchner Kammerspiele in der Spielzeit 2022/23 planen.)

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