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Münchner Volkstheater: ein schönes Schlamassel

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Von: Michael Schleicher

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Szene aus „Ernst ist das Leben (Bunbury)“ am Münchner Volkstheater
„Ernst ist das Leben (Bunbury)“ am Münchner Volkstheater mit (v.li.): Carolin Hartmann, Liv Stapelfeldt, Pascal Fligg, Nina Steils, Lukas Darnstädt. © Gabriela Neeb

Oscar Wilde am Münchner Volkstheater: Hausregisseur Philipp Arnold inszenierte „Ernst ist das Leben (Bunbury)“. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:

Zumindest der Sekt ist echt. Immerhin das. Spritzig perlt er am Ende in den Gläsern dieser ach so feinen britischen Gesellschaft, die zuvor knapp zwei Stunden lang mit Verlieben, Verloben, Verführen, Verwirren, Verzocken und – Pardon! – Verarschen beschäftigt war.

Münchner Volkstheater: „Ernst ist das Leben (Bunbury)“ spielt auf Bühne 2

Außer auf den Schaumwein kann man sich in der Tat auf wenig verlassen in Oscar Wildes 1895 uraufgeführter Komödie „Ernst ist das Leben (Bunbury)“, die Hausregisseur Philipp Arnold jetzt am Münchner Volkstheater inszeniert hat. Die Kulisse von Viktor Reim: gemalt. Einrichtungsgegenstände im Stadthaus und auf dem Landsitz der Hauptfigur: ebenfalls, bis auf wenige Ausnahmen, in der Malerwerkstatt entstanden. Die Namen der Charaktere: wechselhaft, wie es ihnen gefällt – und nützlich scheint. Ihr Geschlecht: nicht zwangsläufig so, wie es wiederum die Namen vermuten lassen. Sicher ist dagegen, dass am Freitag die Premiere der vogelwilden Posse im neuen Volkstheater auf der Bühne 2 war. Deren Boden, natürlich: spiegelglatt – wie das Parkett, auf das Wilde seine Typen schickt.

Algernon, genannt Algy, hat den kranken Freund Bunbury auf dem Land erfunden, der ihm als Ausrede dient, um aus London mit all seinen nervenden Verpflichtungen zu verduften. Sein Freund Jack wiederum, der eigentlich John heißt und auf den Algy obendrein ziemlich steht, schiebt einen flegelhaften Bruder Ernst vor, wenn er vom Land in die Stadt abhauen will, um einen draufzumachen. Als diverse Damenbekanntschaften, Verlobungen, echte Taufen, fingierte Todesfälle und versemmelte Heiratsanträge hinzukommen, sorgt das nicht nur bei den beiden Herren für ordentliches Chaos. Kurz: Oscar Wilde (1854-1900) richtet in diesen drei Akten ein ziemliches Schlamassel an – und sorgt für großen Spaß.

Volkstheater-Regisseur Philipp Arnold inszenierte zuletzt „Macbeth“

Philipp Arnold, der am Haus zuletzt Shakespeares „Macbeth“ einrichtete, hat keine Hemmung vor knalligem Boulevard. Da die Tür in der Kulisse nur gemalt ist (siehe oben), lässt er sein motiviertes Ensemble von den Seiten auf die Bühne springen. Klipp-Klapp-Theater ist’s dennoch. Und es funktioniert. Zwar hätte Arnold hin und wieder den Irrsinn noch weiter treiben und heftiger aufs Gaspedal treten dürfen. Aber auch so ist dieser Abend enorm unterhaltsam und komisch.

Szene aus „Ernst ist das Leben“ am Münchner Volkstheater.
Grelle Typen in künstlicher Kulisse am Volkstheater: Algernon Moncrieff (Lukas Darnstädt, li.) besucht Cecily (Nina Steils) auf dem Land. © Gabriela Neeb

Das liegt vor allem an den vier Schauspielerinnen und zwei Schauspielern, die mit grobem Strich hingebungsvoll ihre grellen Comicfiguren auf die Bühne stellen. Zwei seien hier besonders erwähnt: Nina Steils, die es als Jacks Mündel Cecily nicht nur faustdick hinter den Ohren hat, sondern ihre Ziele auch im hinreißenden Niederländisch zu verfolgen weiß. Ensemble-Neuzugang Liv Stapelfeldt unterstreicht in ihrer dritten Produktion, welch Gewinn sie fürs Haus ist. Ihre Gwendolen ist ein Energieblitz, der stets völlig überraschend einschlägt. Ihre Lust, im Wortsinn Theater zu machen, ist ebenso echt wie die ihrer Kolleginnen und Kollegen. Und genau das braucht’s auch in einem derart falschen Spiel. Darauf einen Sekt. Heftiger Applaus.

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