Er kämpft für Missbrauchsopfer

Mundart-Sänger mit bewegter Geschichte tritt im Krone auf

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Das Jodeln zieht den Menschen blank, findet Alfons Hasenknopf. Der Liedermacher gibt Jodel-Kurse in den Bergen.

München - Als Kind missbraucht, in jungem Alter einen Schlaganfall erlitten: Der bayerische Liedermacher Alfons Hasenknopf (53) musste in seinem Leben mit tiefen Einschnitten klar kommen. Nun erfüllt er sich seinen Lebenstraum.

Der Mann im langen, dunklen Mantel hat sich in Alfons Hasenknopfs (53) Gehirn gefressen. Der Mundart-Sänger ist gerade mal sieben Jahre alt, als ihn ein Unbekannter auf einem Gaufest missbraucht. Ein Erlebnis, das ihn lange verfolgt.

Es bleibt nicht das einzige einschneidende Erlebnis im Leben des Liedermachers aus Marktl am Inn (Lkr. Altötting). Doch Alfons Hasenknopf kämpft sich immer wieder zurück. Und erfüllt sich nun seinen Lebenstraum: Er spielt am 30. April mit seiner Band und einem Passauer Orchester im Circus Krone (Beginn 17 Uhr). 

Den Auftritt hat er selbst organisiert, ist in Vorschuss gegangen. Klar, das sei ein Risiko bei 2000 zu besetzenden Plätzen, sagt Hasenknopf. „Dua des, wos di glücklich macht“, heißt eines seiner Lieder. Es handelt davon, dass es irgendwann zu spät sein kann, seine Träume wahr werden zu lassen. Auch aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrisebesingt Hasenknopf im Dialekt. 

Dass er sich auf Bairisch ausdrückt, schätzen seine Fans schätzen besonders an ihm. „Mundart hat etwas Erdiges, eine spezielle Kraft“, sagt Hasenknopf. Die schönsten Worte finde doch jeder in der Sprache, in der er aufgewachsen sei.

Bayerische Tradition hat schon immer zum Leben des Sängers gehört. Sieben Geschwister waren die Hasenknopfs. Der Vater wollte immer eine Art bayerische Trapp-Familie gründen. Hasenknopf lapidar: „Ich hab wahrscheinlich schon gjodelt, als ich rausgekommen bin aus dem Bauch.“ 

Der kleine Alfons schuhplattelte und jodelte im berühmten Platzl. Rechts an der Gitarre seine ältere Schwester Karolin Weidner, bekannt als Bräurosl.

Alfons’ große Schwester Karolin Weidner ist heute als Bräurosl auf der Wiesn bekannt. Als junge Frau holte sie den Buben zu sich ins Platzl beim Hofbräuhaus. Dort jodelte, schuhplattelte und schauspielerte Alfons Hasenknopf, traf Größen wie Franzl Lang.

Auch nach dem Missbrauch fuhr der Bub von seinem Wohnort Altötting alleine mit dem Zug nach München zu den Auftritten. Seinen Eltern hat er nichts von den Geschehnissen auf dem Gaufest erzählt. Doch sein Trauma holte den Liedermacher immer wieder ein. 

Ängste, Depressionen. Ohnmacht nennt Hasenknopf den Zustand. „Dieser Mann hat mir mein Lebensfeuer genommen.“ Bis Hasenknopf drei Jahre nach der Geburt seiner Tochter Mariana (heute 16) erstmals über das Erlebte spricht, eine Therapie beginnt. Und  einen Verein für sexuell misshandelte und missbrauchte Kinder gründet (Suibamoond).

Im Platzl hatte Hasenknopf aufgehört, als er in den Stimmbruch gekommen war. Als Teenager singt er englisch, erst später entdeckt er bairische Musik wieder. Seine Frau überzeugt den gelernten Heizungsinstallateur, sich mit 34 Jahren ganz seiner Leidenschaft zu widmen. 

Die Unbeschwertheit währt nicht lange: 2011 erleidet Hasenknopf einen Schlaganfall, kann nicht mehr singen. 

Doch er kommt zurück. Und gibt heute wieder Jodelkurse. Das Jodeln kommt so nah an den Menschen ran wie kaum etwas anderes, ist er sich sicher. „Es zieht einen blank.“ 

Kraft schöpft Alfons Hasenknopf auch aus seinem kleinen persönlichen Paradies: Mit Frau Monika (53) und Tochter Mariana lebt er auf einem Hof – mit Hühnern und 23 Pferden, vier großen und 19 Mini-Shettys. „Unfassbar liebe Wesen“ seien das. 

Wer der Mann auf dem Gaufest war, hat Alfons Hasenknopf nie erfahren. Dass der Fremde noch mehr Taten begangen haben könnte, wurde ihm erst vor Kurzem klar. Nach einer BR-Lebenslinien-Sendung über Hasenknopf meldete sich eine Frau bei ihm. Auch sie wurde auf einem Volksfest von einem ähnlich aussehenden Mann missbraucht – ganz in der Nähe. 

Ramona Weise

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