Musical über Kaiserin Elisabeth

Sisis wahre Geschichte: Roberta Valentini im Interview

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Roberta Valentini als Kaiserin Elisabeth.

München - Roberta Valentini schlüpft für das Musical "Elisabeth" in die Rolle von Kaiserin Elisabeth. Die tz hat die 33-Jährige zum Interview getroffen.

Faszination Sisi: Mehr als zehn Millionen Menschen habe weltweit Michael Kunzes und Sylvester Levays Musical über die österreichische Kaiserin gesehen. Vom 26. März bis zum 7. Juni gastiert Elisabeth im Deutschen Theater. In der Hauptrolle: Roberta Valentini. Wir unterhielten uns mit der 33-jährigen Sängerin, die von 2002 bis 2006 an der Theaterakademi eAugust Everding in München studierte.

Wie war die Rückkehr nach München?

Roberta Valentini: Als ich heute mit dem Auto reingefahren bin, war das schon so ein komisches Gefühl. An der alten Wohnung vorbei. Ich war schon lange nicht mehr hier. Es hat sich irgendwie nicht ergeben.

Ist Ihr Job so atemlos?

Valentini: Es geht eigentlich. Im Stadttheater ist es so, dass man ein Monat woanders probt und dann spielst du zwei- dreimal im Monat. Den Rest ist man zu Hause. Dann kann ich mit meiner Band auftreten.

Welche Termine nehmen Sie mit Ihrer Band wahr?

Valentini: Ganz unterschiedlich. Viele italienische Feste natürlich, aber auch Hochzeiten, Parteiveranstaltungen. Wir spielen Cover, viele italienische Lieder von Celentano und so, aber auch I Will Survive und It’s Raining Men.

Ist das viel entspannter, Celentano zu singen, als Musicals zu interpretieren?

Valentini: Es ist auf jeden Fall ein Unterschied. Im Musical bist du halt eine Rolle, in der Band bist du du. Da kannst du dich gar nicht verstecken. Das ist schon ein kleiner Befreiungsschlag in der Band. Da bin ich halt ich. Da rotze ich halt rum und singe auch mal schief. Das ist mir dann egal. Beim Musical ist es natürlich härter. Wenn du mal einen Ton nicht so gut singst, hören es alle gleich.

Mit der Elisabeth assoziiert natürlich auch noch jeder etwas, von Romy Schneider bis Bully Herbig.

Valentini: (macht Bully nach) Sisi! Franz! Sisi! Klar, wenn jemand nur die Romy-Schneider-Filme kennt, dann erwartet er auch etwas Entsprechendes. Viele sind dann vielleicht enttäuscht. Aber die meisten wissen ohnehin, was Elisabeth eigentlich darstellt. Beim Musical wird halt die wahre Geschichte der Sisi gezeigt.

Dann haben Sie sich mit dem Leben der Sisi vermutlich viel auseinandergesetzt …

Valentini: Ich habe ich es ja schon einmal gespielt, da war ich aber noch zu jung und ein wenig naiv. Da hatte ich mich nicht genug informiert. Ich habe diesmal in Wien eine Zeit lang alleine mit den Darstellern von Tod und Franz Josef geprobt. Habe Zeit gehabt, zum Schloss Schönbrunn zu gehen, in den Hofgarten, in die Hofburg. Habe mir das Museum angeschaut und viel gelesen – ihr Tagebuch, den Gedichtsband, die Biografie.

Sie haben sich dann auch viel mit dem Tod auseinandergesetzt. Hatte das auch privat Auswirkungen?

Valentini: Ich versuche, das nicht mit ins Private zu nehmen. Der Tod auf der Bühne ist Sisis Innerstes. Wenn man labil ist, könnte man das vielleicht mit ins Private nehmen. Aber ich kann gut abschalten. Bühne ist Bühne, privat ist privat.

Was überwiegt bei Ihnen, Gesang oder Schauspiel?

Valentini: Ganz ehrlich: Ich lege mehr Wert aufs Spielen. Und wenn ich einen Ton versemmel, weil ich mit der Emotion mitgehe, dann ist mir das egal. Klar ist es ärgerlich, wenn es genau bei dem hohen Ton geschieht, den alle erwarten. Die Rolle ist schauspielerisch echt herausfordernd.

Bei so einem Gastspiel mit 20 Terminen, ist man da versucht, jeden Tag etwas anderes zu machen, damit es nicht langweilig für einen wird?

Valentini: Klar gibt es ein paar Sachen, die zur Routine werden. Wir spielen sechs- bis achtmal die Woche. Aber ich habe bisher noch keine Vorstellung erlebt, die wie die am Tag davor war. Es passiert immer etwas auf der Bühne, ob das Bett nun reingefahren kommt oder nicht. Wenn nicht, musst du improvisieren. Der Erste ist krank, der Zweite ist krank, dann kommt der Dritte, der nicht proben konnte. Wieder alles anders. Eine Kette fällt auf den Boden, ein Schirm … Es passieren immer Dinge, die man nicht voraussehen kann.

Empfiehlt es sich also, mindestens drei Vorstellungen anzuschauen, um die Unterschiede zu sehen?

Valentini: Wenn man mit Fans spricht, die können genau sagen, was da anders gelaufen ist. Ganz genau.

Kann das nervig sein?

Valentini: Manchmal schon. Vor allem wenn Sachen reininterpretiert werden, die nicht stimmen.

Sie waren mal in München im Metropoltheater beim Stück „Der Elefantenmensch“. Das ist ja recht anders. Auch ein wenig kleiner alles.

Valentini: Ich habe die letzten fünf Jahre in Bielefeld gespielt. Da passen gerade mal 55 Leute rein. Und das ist so interessant, so intim. Da singt man auch ohne Mikro. Das ist sehr intensiv, und man spürt die ganze Atmosphäre im Raum. Das war im Metropoltheater genauso. Das Minimalistische kann ich auch sehr genießen. Das ist schon cool.

Antonio Seidemann

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