50 Geburtstag nach Wiedereröffnung

Nationaltheater: Eine Gala mit Festbier

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Blick am Sonntag auf die Bayerische Staatsoper

München - Roter Teppich bis weit vors Nationaltheater. „Suche Karte“-Flehende, mehr als bei einer Oper in Starbesetzung. Was ist da los am Sonntagmorgen? – Der Festakt "50 Jahre Wiedereröffnung des Nationaltheaters".

Auf der Bühne der Opernchor, viele Mitglieder des Hauses und – mit Freude wiedererkannt: Die Stars aus den vergangenen Jahren: Inge Borgk, Gwyneth Jones, Marjana Lipovsek, Reri Grist, Matti Salminen, René Kollo und viele andere. Mit der Don Givanni-Ouvertüre etablierte Kirill Petrenko, erstmals als GMD am Pult, schon seinen kernigen, entschiedenen Stil.

Die Begrüßung des Staatsopern-Intendanten Nikolaus Bachlers fiel klug, überlegt politisch und überhaupt nicht festrednerhaft aus. Der neue, nun auch für die Oper zuständige Kunst- und Kultusminister Ludwig Spaenle, stellte nachdrücklich den Satz „Bayern ist ein Kulturstaat“ heraus. Mögen sich alle immer, und gerade in mageren Zeiten, daran erinnern! Keinesfalls muss Spaenle den seinem Abgang folgenden Beginn von Nina Stemmes (aufregendes Abendkleid!) Marschallinnen-Szene aus dem Rosenkavalier („Da geht er hin, der aufgeblasne, schlechte Kerl“) auf sich beziehen.

Ob die Stemme gemerkt hat, wie genau sie bei der Szene inspiziert wurde? Direkt hinter ihr, in der ersten Reihe, saß Münchens (und Carlos Kleibers) geliebte, langjährige Marschallin Gwyneth Jones.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm ging es vor allem darum, dass Oper nicht mehr nur für eine gehobene Klasse sein dürfe, und freut sich über die Menschenmassen bei Oper für alle. Strahlende Blicke der wunderbaren (und im weißen Umhang auch wunderbar aussehenden) Inge Borgk beim locker-eleganten Auftritt des von ihr hoch geschätzten Jonas Kaufmann mit Wagners fast lyrischen Winterstürmen aus der Walküre.

Hochkarätig der Festredner: Péter Esterházy, der Dichter, der zu Oper an sich gar nicht so viel zusagen hat, schnell auf sein Feld, den Roman (Götterdämmerung), rekurrierte und eine witzige Reise durch 50 Jahre europäische Politik antrat – mit dem Mittelpunkt Bern 1954, Deutschland ist (Fußball-)Weltmeister. Darin sieht der Autor die eigentliche Gründung der BRD– samt der Spekulationen, wenn’s anders gekommen wäre.

Dass der Staatsopernchor ausgerechnet beim Zauberflöten-Schlusschor ins Schleudern kam, nimmt wunder – wurde aber beim Ausgang durch eine frühe Nikolaus(!)-Überraschung aufgefangen: Jeder bekam eine Tüte mit einer bayerischen Brotzeit – einem Bund Radieserl, einer Flasche Operator-Festbier, wie es auch bei der „Bürgerpremiere“ vor 50 Jahren zur Wiedereröffnung verschenkt wurde – und einem Jubiläums-Krug, der spätestens in 50 Jahren ein seltenes Sammlerstück sein dürfte.

Beate Kayser

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