Die Konzertkritik

Neil Young in der Olympiahalle - Ein denkwürdiger Abend in München

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Neil Young hat in München überzeugt.

Neil Youngs Auftritt in der Olympiahalle war ein voller Erfolg. Die Konzertkritik aus München.

Es gibt eine neue Konstante in Neil Youngs Leben: die Band "Promise Of The Real" um Lukas und Micah Nelson, Söhne von Country-Legende Willie. Ein breiteres Kinopublikum kennt sie als Begleitband von Bradley Cooper und Lady Gaga aus dem Film "A Star Is Born", Young-Fans schätzen sie als den Haufen Jungspunde, der dem alten Grantler Beine macht.

Wer das Glück hat, Young und die Jungs am Samstag in der fast ausverkauften Olympiahalle zu erleben, wird dieses Konzert so schnell nicht vergessen. Den sentimentalen Folk-Onkel hat der 73-Jährige diesmal daheim gelassen. Nur einmal, bei der Edelschnulze "Harvest Moon" greift der Mann mit dem schwarzen Schlabber-Shirt und dem Kompotthut zur Akustischen und bläst in eine Mundharmonika. Ansonsten dominiert Zeus, der Blitz und Donner schickt.

Neil Young in der Olympiahalle: Er weigert sich, Rost anzusetzen

Wenn Neil Young die E-Gitarre bearbeitet, fühlt man sich stets wie in einer Gewitterwolke, genau zu dem Zeitpunkt, wenn sich zig Millionen Volt entladen: Ein Grollen, Heulen und Zucken quetscht und zerrt der Meister aus den Saiten, Lärm als existenzielle Erfahrung. Mit "Promise Of The Real" hat er nun Begleiter, die zusätzlich Druck geben. Besonders bei Punk-Nummern wie "Fuckin' Up" oder "Throw Your Hatred Down" zeigt sich, dass sie nicht nur Hilfskräfte sind, sondern Neil Erster unter Gleichen. Man grinst sich an, reagiert aufeinander. Lukas Nelson schüttelt den Kopf in bester Metal-Manier, Bruder Micah spielt seine Gitarre hinter dem Kopf: Die haben richtig Spaß zusammen. Auch die Gesangsharmonien zu Youngs rüstigem Tenor klangen selten süffiger.

Das Programm ist makellos: "Powderfinger", "Winterlong", "Cortez The Killer", selten gespielte Perlen wie "Change Your Mind". Am Ende, bei den frenetisch bejubelten Hits "Rocking In The Free World" und "Like A Hurricane", findet die Band buchstäblich kein Ende, fängt stets aufs Neue an zu spielen. Als das Saallicht nach gut zwei Stunden über der dampfenden Menge angeht, blickt man in lauter grinsende Gesichter. Die Gewissheit tut gut: Neil Young weigert sich einfach, Rost anzusetzen.

Johannes Löhr

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