Konzertkritik

Opeth in der Theaterfabrik: Auf der Rockwiese

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Jeder Beat sitzt wie die Frisur von Helene Fischer: Opeth aus Schweden.

München - Opeth zeigten in der Theaterfabrik, dass sie alles können: Vom Death Metal bis zu filigranem Prog Rock, der wie Yes klingt, ohne dass die sich vorher zugeraucht hätten.

„Neulich habe ich einen Song in die Finger gekriegt, da hat Yngwie Malmsteen Reggae gespielt. Ich glaube, das war das Schrecklichste, was ich je gehört habe“, erzählt Sänger Micael Akerfeldt, während er seine Gitarre stimmt (und er erzählt viel und sehr charmant). Möglicherweise würde sich Reggae von seiner Band Opeth absolut nicht schrecklich anhören. Denn die können alles: vom Death Metal bis zu filigranem Prog Rock, der wie Yes klingt, ohne dass die sich vorher zugeraucht hätten. Der Clou liegt in den Nuancen dieser Musik, die komplett durchkomponiert und einfach spannend ist. Über zwei Stunden ohne eine Minute Langeweile (Theaterfabrik, voll)

Opeth grasen voller Vergnügen die Rockwiese speziell der 70er ab. Und auch ihren eigenen Katalog. Die älteren Sachen aus der Death-Metal-Zeit sind umarrangiert, und Akerfeldt und seine Gang exzellenter Musiker machen das mit feiner Selbstironie. Da bricht schon mal der Werwolf ins Schäfchengehege ein, wenn nach lyrischem Beginn heftig gegrowlt wird.

Manchmal fragt man sich, wenn sie mal wieder zum 14. Mal im Song die Harmonien gewechselt haben: Wie finden die da je wieder in die Spur? Keine Angst: Das klappt bombensicher. Das sind Opeth sowieso: Jeder Ton, ­jeder Beat sitzt wie die Frisur von Helene Fischer. Das neue Album Pale Communion kommt natürlich auch zur Sprache. Das klingt dann manchmal wie Tschaikowsky in der Kashba und wirkt trotz orchestraler Harmonien-Opulenz nicht schwerfällig.

Die Schweden schaffen es tatsächlich, Metal ohne dummes Gehämmere und melancholischen Prog Rock ohne seierige Trivialharmonien und nerviges Tongefiesele zu spielen. Und sie scheinen nach wie vor einen immensen Spaß daran zu haben. Den hatten auch ganz eindeutig die begeisterten Konzertbesucher.

lux

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