Wolfgang Beltracchi

Originale vom Fälscher: Schau in München

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Vom Kunstfälscher zum Kunst-Star: Wolfgang Beltracchi (64) in München.

München - Als Meisterfälscher machte Wolfgang Beltracchi Millionen, wurde berühmt – und 2011 verurteilt. Mittlerweile ist er frei. Und jetzt präsentiert der 64-Jährige seine Werke erstmals in Deutschland.

Kein Meister war vor ihm sicher. Max Ernst, Campendonk, Pechstein, Matisse, Dürer, Botticelli und Rembrandt. „Ich kann alle malen“, sagt Wolfgang Beltracchi. Als Meisterfälscher machte er Millionen, wurde berühmt – und 2011 verurteilt. Beltracchi führte die Kunstwelt hinters Licht. Mittlerweile ist er frei. Und jetzt präsentiert der 64-Jährige seine Werke erstmals in Deutschland. Ab sofort sind sie in der Schwabinger Galerie art room9 unter Beltracchis eigenem Namen zu sehen – unter dem Titel Freiheit. Passt.

Schon vor der Vernissage war das erste Bild verkauft: Le Pont de Chatou, im Stil von Maurice de Vlaminck, für 39 900 Euro. Es gebe „enormes Interesse“, sagt Galerist Curtis Briggs vom art room9. „Es gibt eine große Anzahl von teilweise sogar wichtigen Sammlern, die sofort gekauft haben.“ Es geht bis 78 000 Euro. Briggs: „Die Preise haben sich im vergangenen Jahr verdoppelt und verdreifacht.“

Was sagt der Kunstfälscher-Künstler über seine Vielseitigkeit? „Ich denke, es ist ein genetischer Defekt“, witzelt er. „Es ist einfach eine Hochbegabung. Hochbegabt und hochkriminell. Das ist zusammengekommen. Jetzt haben wir das nicht mehr mit dem hochkriminell. Jetzt bleibt nur noch die Begabung.“

Dabei habe er die Bilder nie gefälscht, sondern nur den Namen darunter, betont er. Er habe keine Bilder kopiert, sondern dachte sich in den Künstler hinein. Bis 2010 der Schwindel aufflog: In dem Bild Rotes Bild mit Pferden wurde Titanweiß nachgewiesen, das es zu der angegebenen Entstehungszeit des vermeintlichen Campendonk noch nicht gab. Beltracchi gestand. Während der Haft arbeiteten er und seine Frau Helene im offenen Vollzug weiter. Gläubiger sind zu befriedigen. Und Sohn und Tochter studieren, brauchen Geld …

„Meine Handschrift ist nicht nur meine Handschrift, sondern die Handschrift all der Maler, mit denen ich mich beschäftigt habe“, erklärt Beltracchi. Seinen „eigenen“, festgefügten Stil finden – das ist für ihn kein Ziel. „Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn ich jetzt immer wieder das Gleiche machen sollte.“ Zudem: „Wir haben Dutzende Anfragen für Bestellungen. Die Leute rufen auch von weit weg an, New York, London.“ Auch aus München …

Die Wartezeit: mehrere Monate. Wer etwa ein Porträt will, muss um die 50 000 Euro hinblättern. Und bekommt sein Konterfei im Stil berühmter Meister.

Noch im Gefängnis erhielt der Meisterfälscher „unseriöse“ Angebote. Etwa habe ein Kunstfonds angeboten, er solle zwei Gemälde für einen zweistelligen Millionenbetrag fälschen – fast ohne Risiko: Die Bilder hätten fünf Jahre im Tresor gelegen, dann wäre die Tat verjährt gewesen. Aber: „Für kein Geld der Welt“ würde er das tun, sagt er. Die Anfrage habe er an das Bundeskriminalamt weitergeleitet.

Ob er sein früheres Leben zurückwünsche? „Natürlich. Früher hatte ich meine Ruhe und war reich. Jetzt bin ich weder reich, noch habe ich meine Ruhe.“

S. Dobel

Ausstellung: art room9, Hesseloherstr. 9, bis 23. Oktober, Info-Tel. 800 463 68.

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