Nach über einem Jahr Auszeit ist er zurück

Pelzig alias Barwasser spricht: Mein neues Leben

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Frank-Markus Barwasser (57).

Weg von hier ist der Titel seines neuen Soloprogramms – und weg war Frank-Markus ­Barwasser (57) tatsächlich. Über ein Jahr hat er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun schickt der Kabarettist sein Alter Ego Erwin Pelzig wieder auf die Bühne.

Am Montag widmet der BR ihm zudem ein Lebenslinien-Porträt (22 Uhr). Mit uns spricht der Franke über die vergangenen Monate, in denen sich in seinem Leben einiges verändert hat.

Herr Barwasser, worum geht’s in Ihrem neuen Programm?

Frank-Markus Barwasser: Es geht letztendlich um viele ­Arten der Flucht, also nicht nur um die Flucht der Menschen aus Kriegsgebieten. Es geht auch um unsere Fluchten. In gefühlte Wirklichkeiten zum Beispiel. In Esoterik oder Verschwörungstheorien. Das birgt viel komisches Potenzial, wenn der Mensch der Realität entkommen oder sie zurechtbiegen will.

Wann und wovor waren Sie zuletzt auf der Flucht?

Barwasser: Ich bin kein fliehender Mensch. Wenn ich eine Flucht antrete, dann vor allem die vor meinem unaufgeräumten Schreibtisch. Sonst ist das ja in meinem Berufsbild enthalten, dass ich mich der Realität konsequent stellen muss. Ich bin zwar aus München weggegangen, aber das war keine Flucht.

Mittlerweile leben Sie in Mainz und haben seit Ihrem Abschied vom Fernsehen ein gutes Jahr lang pausiert. Eine kreative Auszeit?

Barwasser: Es war eine sehr kreative Pause, weil ich in der Zeit erstmals Vater geworden bin. Ich wollte für meinen Sohn Zeit haben. Das hat meine Entscheidung, die Sendung Pelzig hält sich im ZDF aufzugeben, durchaus beeinflusst. Ich spürte, dass jetzt der Moment ist, um einige Prioritäten neu zu setzen.

Ihr neues Programm ist also zwischen Windeln wechseln und schlaflosen Nächten entstanden?

Barwasser: Och, wir haben fast immer gut geschlafen. Er hat’s uns leicht gemacht. So ein halbes Jahr nach der Geburt habe ich dann mit dem Schreiben des neuen Bühnenprogramms angefangen.

Hat sich die Arbeit durchs Vater sein verändert?

Barwasser: Nicht in der Auswahl der Themen. Aber es ist durchaus eine veränderte Art des Schreibens. Ich tauche ja sehr tief in die Themen ein, recherchiere und lese mich fest, um dann leider immer wieder feststellen zu müssen, dass bei vielen Problemen wenig Anlass zum Optimismus besteht. Da kann es einem bei der Vorbereitung eines Kabarettprogramms schon vergehen. Und dann steige ich das Stockwerk runter, sehe meinen Sohn im Stuhl sitzen, und der verpflichtet mich dann doch wieder zu einer Art von Zuversicht.

Mit neuem Soloprogramm zurück: Erwin Pelzig.

Also hat sich die Perspektive verändert?

Barwasser: Ich hatte auch vorher nicht die Haltung „Nach mir die Sintflut“. Aber tatsächlich, in manchen Fragen wirst du empfindsamer, weicher. Und den Ego-Trip kannst du dir auch abschminken.

Sie sind spät Vater geworden. Ist das ein Vorteil?

Barwasser: In mancher Hinsicht schon. Ich bringe eine gewisse Grundentspannung mit.

Ist Erwin Pelzig denn mit Ihnen Papa geworden?

Barwasser: Nee, der bleibt ein einsamer Wolf. Die Herausforderung bei ihm besteht darin, immer wieder auszuloten, was du so einer Figur zutrauen kannst an Gedanken und Einsichten. Da gehe ich ständig an Grenzen. Aber mein Eindruck ist, dass das Publikum auch damit rechnet – bei mir und bei Pelzig.

Schön wäre sein Comeback im TV. Gerade im Wahljahr hätten wir Pelzig gebrauchen können. Er ist ja einer, der Politikern auf seine unverwechselbare Art auf den Zahn fühlt.

Barwasser: Ich bin mit dem ZDF immer wieder in gutem Kontakt. Aber im Augenblick gibt es noch keine konkreten Pläne. Wenn ich wieder Fernsehen mache, sollte es ein journalistisches, aufklärerisches Format sein.

Immerhin gibt es eine (einmalige) Rückkehr in die „Anstalt“ – am 17. Oktober sind Sie mit Urban ­Priol und Georg Schramm zu Gast bei Max Uthoff und Claus von Wagner.

Barwasser: Ja, darauf freue ich mich sehr. Das wird ein großes Familientreffen.

Es informieren sich immer mehr Menschen in kabarettistischen Formaten übers Tagesgeschehen. Ist der ­Kabarettist am Ende der bessere Welterklärer?

Barwasser: Nein, aber er hat den Vorteil, dass er Inhalte in entspannterer und unterhaltenderer Form präsentieren kann als ein klassisches Politik-Magazin.

Sie sind gerade quer durch Deutschland unterwegs. Lieben Sie das Tourneeleben?

Barwasser: Sehr. Und jeder Abend ist ein Unikat. Die Bühne ist einfach großartig, und mein Tourneeplan ist so human gestrickt, dass ich auch noch genügend Zeit für die Familie habe.

Am 24. und 25. Oktober tritt Barwasser im Lustspielhaus auf.

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