Ehrlich und unverwüstlich

Peter Maffay in der Olympiahalle: Konzertkritik

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Peter Maffay begeisterte die Fans in der Olympiahalle.

München - So unvergleichlich die Bühne, so ungewöhnlich die ganze Freitagabend-Show von Deutschrocker Peter Maffay. Ungewöhnlich gut. Ehrlich. Unverwüstlich. Und krachend: die Konzert-Kritik.

Das Schlagzeug schwebt nach unten, der Videowürfel nach oben. Kleiner Mann auf großer Bühne: 30 Meter lang ist sie und hat die Form eines Gitarrenplektrums. Die über 10 000 Fans in der Münchner Olympiahalle sitzen rundherum, stehen zwischen den langen, blinkenden Stegen, feiern – und staunen.

So unvergleichlich die Bühne, so ungewöhnlich die ganze Freitagabend-Show von Deutschrocker Peter Maffay. Ungewöhnlich gut. Ehrlich. Unverwüstlich. Und krachend. Der 1,68 Meter große 65-Jährige zieht schon immer sein Ding durch – und hat Erfolg damit. Jetzt wieder. Wie mit seinem neuen Album (Ich mag es hart) will er auch auf der aktuellen Tour keine Erwartungshaltungen erfüllen. Er wagt es sogar, nur wenige seiner Klassiker zu spielen. Und die erst ganz am Schluss. Nach zwei von drei geplanten Stunden (bei Redaktionsschluss dieses Artikels) war noch keiner zu hören. Dafür arbeitete er am Anfang seine neue rockig-balladeske Platte Wenn das so ist ab – Lied für Lied –, um im zweiten Teil mit seinen Musikern lauter Cover ihrer Lieblingslieder zu präsentieren. Unplugged. Klare Struktur statt den üblichen Mischwarenkonzerten.

Die Fans – viele auf Mädelsabend – sind immer dabei. Höhepunkt des ersten Teils: die Biker-Hymne Gelobtes Land. Es folgen Angie von den Stones, Here comes the Sun von den Beatles. Heart of Gold von Neil Young, entspannt und teils mit deutschen Versatzstücken dargeboten. Ja, die Band ist härter und flexibler geworden. Der Sound Gitarren-dominiert, kernig, bluesig. Viele typisch in die Länge gezogene Songenden und endlich wieder ein fantastischer Saxofonist: Everette Harp. Und Maffay? Rockt. Rennt. Schüttelt Hände. Ein Kraftpaket in Lederweste.

Ebenso ungewöhnlich: Neben der Riesenbühne und dem klar strukturierten Programm verlost Maffay eine Gitarre, eine Fender Stratocaster. Und düst diesmal nicht standesgemäß mit einer Harley, vielmehr mit einem BMX-Rad über die Bühne. Selbstironie kann Maffay also auch.

Etwas Erwartbares gibt es dann doch: Ein klares Statement pro Toleranz und Demokratie kann sich der politisch und sozial viel engagierte Mann in diesen Zeiten natürlich nicht verkneifen: „Die Mehrheit respektiert die Menschen neben sich.“ Viel Applaus. Demonstratives Aufstehen. Und „Je suis Charlie“ auf der Videowand. Das ist genauso Rock’n’Roll ohne Schnörkel à la Maffay.

Oktober letzten Jahres hatte Peter Maffay voller Vorfreude das neue Bühnenkonzept für die anstehende Tour vorgestellt: ein Rundlauf, der einen Teil des Publikums umschließt und wiederum von Zuschauern umsäumt wird. An einem Modell wurden Abläufe trainiert. Die Trockenübungen waren höchst erfolgreich, wie am Freitag zu sehen und zu hören war.

Marco Mach 

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

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