Ägypten in München

Auf Pharaos Spuren an der Isar

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In München trifft man vielerorts auf Relikte der ägyptischen Kultur, wie hier am Prinzregententheater.

Das Großreich der Ägypter mag vor gut 2000 Jahren untergegangen sein, seine Spuren aber findet man noch heute. Auch in München verbergen sich Relikte der Hochkultur.

Eine Nachbildung der goldenen Maske des Tutanchamun wird bald in München zu bewundern sein.

 „Europa und das Abendland standen schon seit der Antike im Bann der ägyptischen Hochkultur“, erklärt der Münchner Ägyptologe Wolfgang Wettengel. Anlässlich der Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze, die morgen in der Kleinen Olympiahalle ihre Tore öffnet, stellt sich die Frage: Wie viel Ägypten steckt auch heute noch in München? „Bereits Reisende aus dem antiken Griechenland bewunderten die schon damals uralte Hochkultur am Nil“, sagt Wettengel. Und schon die Römer brachten Obelisken aus Ägypten in ihre Hauptstadt und ließen Pyramiden an ihren Gräbern in Rom errichten. „Im Mittelalter geriet das pharaonische Ägypten dann vorübergehend in Vergessenheit“, sagt Wettengel. Während der Renaissance erwachte das Interesse erneut. Über Ägypten erhoffte man sich Antworten auf die ungelösten Rätsel des Alten Testamentes. Wettengel: „Am Ende des 18. Jahrhunderts setzte eine regelrechte Ägyptomanie ein!“ Man sah in Ägypten den Ort uralter und geheimnisvoller Weisheit. Pyramiden, Sphingen und Obelisken hielten erneut Einzug in die abendländische Kultur. „Nach Napoleons Ägyptenfeldzug und der Entzifferung der Hieroglyphen durch den jungen Franzosen Champollion erreichte die Begeisterung für Ägypten im 19. Jahrhundert einen weiteren Höhepunkt“, so Wettengel.

Sphinx und Obelisken vor Ort

Ägyptischer Obelisk an der Gelbsattelbrücke.

Gleich zwei Mal Ägypten in der Au: 1901 wurden zwei Obelisken auf der Gebsattelbrücke errichtet. Das griechische Wort Obelisk bezeichnet einen Spieß. „Die alten Ägypter stellten bereits ab ca. 2400 v. Chr. in den Sonnenheiligtümern gewaltige Obelisken auf. Auf der Spitze lässt sich ein Benu-Vogel nieder: ein Reiher vergleichbar mit dem berühmten Phoenix, der sich aus der Asche erhebt“, sagt Ägyptologe Wettengel. Obelisken galten im alten Ägypten als Symbol des Sonnenaufgangs, da sich der Sonnengott laut Mythologie jeden Morgen wieder siegreich nach der Nacht auf der Spitze niederließ. Unser Foto zeigt den 29 Meter hohen Obelisk am Karolinenplatz zu Ehren der bei Napoleons Russlandfeldzug gefallenen Soldaten der Bayerischen Armee.

Warum findet man sie in München? Ägyptologe Wettengel: „Ägyptische Sphingen galten bei uns ab der frühen Neuzeit als ein Symbol des Geheimnisvollen, der Phantasie, des Geistes, ja sogar Unberechenbaren. Das passt auch zum Ort, wo sie angebracht sind: einem Theater.“

Zwei Sphingen blicken wissend auf die Besucher des Prinzregententheaters. „Im Alten Ägypten war der Sphinx (männlich!) ein Symbol der Sonne bzw. des unvergänglichen göttlich-sonnenhaften Königtums“, erklärt Ägyptologe Wettengel. „Der große Sphinx von Giza wurde daher als (der Gott) ‚Horus im Horizont‘ bezeichnet, da die Sonne jeden Morgen wieder neu im Horizont aufgeht.“ Warum findet man sie in München? Wettengel: „Ägyptische Sphingen galten bei uns ab der frühen Neuzeit als ein Symbol des Geheimnisvollen, der Phantasie, des Geistes, ja sogar Unberechenbaren. Das passt auch zum Ort, wo sie angebracht sind: einem Theater.“ In der griechischen Antike kam es später übrigens zu einem zweifachen Wandel: Weg vom Sonnensymbol hin zum Symbol für das Schicksal. Und der Sphinx wurde zu die Sphinx …

Ein Weltklasse-Museum in München

Informationen zur Ausstellung Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze: 

Die Ausstellung läuft ab morgen (3. April) bis zum 13. September in der Kleinen Olympiahalle. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, donnerstags 10 bis 21 Uhr. Karten (19 Euro für Erwachsene, 10 Euro für Kinder) im Netz unter www.tut-ausstellung.com. Telefon 089/32 98 90 50.

Wer sich für ägyptische Kunst und unschätzbar wertvolle Schmuckstücke interessiert, hat hier in München beste Voraussetzungen – dank des Ägyptischen Museums. „Hier erwarten einen äußerst erlesene Stücke, ein toller Querschnitt durch die ägyptische Geschichte“, schwärmt Wettengel. Auch die benachbarten Kulturen in Nubien, Assyrien und Babylonien werden beleuchtet. Neben den Sammlungen in Berlin und in Hildesheim gehört das Münchner Museum zu den bedeutendsten in Deutschland. Direktorin Sylvia Schoske sieht die Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze kritisch: „Es ist kein Geheimnis, dass ich keine Freundin dieser Replikenausstellung bin.“ Trotzdem kann sie der Schau etwas Gutes abgewinnen: „Allen, die hier ihre Freude an der faszinierenden Kultur des Alten Ägypten entdecken, möchte ich sagen: Besuchen Sie auch unser Museum, das eine der besten Sammlungen ägyptischer Kunst weltweit beherbergt.“ Sie wirbt damit, dass Besucher in ihrem Haus „auf Originalobjekte treffen“.

tz

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