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Pop nach 8: Die Pet Shop Boys bringen die 80er-Disco in die Olympiahalle - einfach schön einfach

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Von: Armin Rösl

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Pet Shop Boys
Neil Tennant (vorne) und Chris Lowe. © Martin Hangen

Die Pet Shop Boys waren jetzt endlich in der Olympiahalle, nachdem der Auftritt zweimal wegen Corona verschoben werden musste. Kurz gesagt: Es war schön. Einfach und schön.

München - Was 40 Jahre lang funktioniert hat, wird bis in alle Ewigkeit funktionieren: Läuft ein Lied der Pet Shop Boys, reicht jene minimalistische Bewegung, mit denen in den Achtzigerjahren Discoprinzen und -prinzessinnen unterwegs waren. Linkes Bein zur Seite, Fuß aufsetzen, rechtes Bein nachziehen, rechten Fuß an den linken antippen, gleiche Bewegung zurück. Immer und immer wieder. Der Unterschied zu damals: Beim Konzert der Pet Shop Boys am Samstagabend in der fast vollen Olympiahalle wagen auch jene Männer diesen Move, die früher lässig am Rand der Tanzfläche gestanden sind. 40 Jahre später (ja, so lange gibt es die Pet Shop Boys schon) tanzen wirklich alle.

Nach zweimaligem Verschieben der „Dreamland“-Best-of-Tour wegen Corona haben Sänger Neil Tennant (67) und Keyboard-Mastermind Chris Lowe (62) für exakt zwei Stunden die original Achtziger-Disco zurückgeholt. Die Stühle, die in der Arena aufgestellt sind, hätte es gar nicht gebraucht: Schon beim ersten Song, „Suburbia“, stehen alle Ü40er (jüngere Besucher waren fast ausschließlich Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern mitgezogen worden sind), auch auf den Tribünen.

Die Pet Shop Boys sind Superstars des Synthie-Pops, der nicht wehtut und bis heute im Radio rauf und runter läuft. Laufen oder gar rumturnen auf der Bühne, das machen weder Tennant noch Lowe, taten sie noch nie. Sie liefern ab, wie weiland auf Schallplatte. Plus ein paar Interaktionen von Neil Tennant mit dem Publikum, während Chris Lowe den unantastbaren Maschinisten gibt. Dazu eine moderne digitale Lichter-Glitzershow – fertig ist die gelungene Transformation von Achtziger-Pop ins Jahr 2022. War am Samstagabend nicht auch ESC? Pah! In der Olympiahalle ist Pop nach 8!

Während der ersten Songs stehen Tennant und Lowe in weißen Mänteln und mit undefinierbaren Gesichtsmasken am vorderen Rand der Bühne, während die vierköpfige Begleitband zunächst unsichtbar dahinter agiert. Mit den legendären Drum-Synthesizern, die in den Achtzigern ein Muss waren. Später ziehen sich die beiden um und verschmelzen mit der nun sichtbaren Band.

„Suburbia“, „Rent“, „Domino Dancing“, „Heart“, „It’s a Sin“, „West End Girls“, „Go West“, „You are always on my Mind“ – inklusive Zugaben spielen die Pet Shop Boys 26 Stücke. Jedes für sich unsterblich. Und wer die Augen schließt oder sich auf das eine und andere alte Musikvideo der jungen Pet Shop Boys konzentriert, das auf der Leinwand läuft, denkt: „Hey, ich bin ja wieder in meiner Jugenddisco!“ So perfekt singt Tennant noch heute mit seiner unverwechselbaren Stimme. So perfekt liefern die Pet Shop Boys ab. Fuß zur Seite, tippen und zurück: Das Leben kann so einfach schön einfach sein.

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