Premierenkritik

„Boybands forever“: Bubis für Teenies

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Sie ließen die Musik der Neunziger wieder aufleben: die von Moderator Thomas Hermanns gecasteten Boyband-Darsteller (v.li.) Robbie Culley, Hector Mitchell-Turner, David Lei Brandt, Christopher Haul und Josh Randal l.

Uraufführung der Musikshow „Boybands forever“ von Thomas Hermanns im Deutschen Theater München. 

Auf Partys lässt sich seit einigen Jahren ein Phänomen beobachten. Egal wie schnarchig die Stimmung, egal wie gelangweilt die Gäste: Legt der DJ einen dieser großen Hits aus den Neunzigern auf, rasten auf einmal alle aus. Besonders gut funktioniert das mit „Everybody“ („Yeaaaahhh! – Rock your Body! – Yeaaaahh!“) von den Backstreet Boys. Dass der Song auch einschlägt, wenn ihn nicht Howie, AJ, Nick, Brian und Kevin singen, zeigte sich am Mittwoch im Deutschen Theater. Dort wurde die Show „Boybands forever“ uraufgeführt – fünf eigens gecastete Bubis ließen die Musik der Neunziger aufleben. Und das Publikum? Imitierte das dazu passende Teenie-Gekreische perfekt.

Die Idee zu dieser Show stammt von Fernsehmoderator Thomas Hermanns („Quatsch Comedy Club“), bekennender Boyband-Fan und verantwortlich für Buch, Regie und künstlerische Leitung. Im Frühjahr stellte sich der 54-Jährige bei Castings seine eigene Band zusammen. Der Choreograf Marvin A. Smith, der schon neben Michael Jackson tanzte, brachte den fünf jungen Männern die passenden Schritte bei – schmachtender Blick und Griff in den Schritt inklusive.

Hermanns’ Boyband funktioniert nach Schema F. „Es gibt immer bestimmte Typen“, erklärt er: den Schwiegersohn, den Sportlichen, den Süßen, den Bad Boy – und den namenlosen Fünften. Hermanns’ Wahl fiel dabei auf die englischsprachigen Darsteller Josh Randall („Sunshine John“), Christopher Haul („Fitboy Rik“), Robbie Culley („Sweetheart Sascha“), David Lei Brandt („Bad Boy Lucian“) und Hector Mitchell-Turner („Der Fünfte“). Ähnlichkeiten zu lebenden Boyband-Mitgliedern sind dabei nicht rein zufällig. „Sunshine John“ Josh Randall etwa, normalerweise brünett, bekam eine Blondierung verpasst. Brian Littrell und Gary Barlow lassen grüßen. Im Deutschen Theater konnten Hermanns’ Five nun endlich zeigen, dass auch sie das Publikum zum Kreischen bringen können. Und es dafür nicht Robbie, Nick & Co. braucht. Auch wenn die freien Oberkörper das ein oder andere Mal vom Gesang ablenkten.

Aufgebaut ist die Show wie eine Zeitreise durch die Entwicklung einer beliebigen Boyband. Vom Vorsingen über das erste Konzert bis zur Auflösung nach Drogenexzessen. Nett die kleinen Schmunzler zwischendurch, etwa wenn sich Sascha total freut, in dieser Stadt zu sein – aber erst einmal auf seinen Arm schauen muss, um „München“ abzulesen. Mal gibt es ein Duett, mal eine Gruppen-Performance. Comedian Ole Lehmann führt als Moderator kurzweilig durch die gut zweieinhalbstündige Show – und stiehlt den Darstellern manchmal selbige. Allerdings hätten ein paar weniger schwule Anspielungen gereicht. Albern wird es, als Lehmann die Nummer „Quit playing Games (with my Heart)“ auf Herzilein Sascha münzt und ihn anschmachtet. Ebenso wenig will die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Sascha und Rik zünden.

Gelungen hingegen die Outfits: eng anliegende Shirts, viel Leder, viel Glitzer, abgestimmt auf den jeweiligen stereotypen Charakter. Am stimmungsvollsten sind die Nummern, bei denen alle fünf zusammen auf der Bühne stehen. Sie rekeln sich unter Duschen und tanzen auf einem Baugerüst. Spätestens wenn die Kracher „Relight my Fire“ und – na klar – „Everybody“ erklingen, haben sie auch den letzten Zuschauer für sich gewonnen. Daneben verblassen die drei Originale von Caught in the Act, die als Überraschungsgäste auftreten. Sie versuchen gerade ein Comeback.

Weitere Vorstellungen bis 15. Oktober; Telefon 089/ 55 234 444.

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