Roncalli-Programm

"Primavera" im Gasteig: Gewagt, gewonnen

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Ein Clown, wie er sein muss: David Larible führte durchs Programm

München - Weitgehend konnte Roncallis "Primavera" die hohen Erwartungen erfüllen, die das Publikum in der Philharmonie an das verwegene Konzept hatte: nämlich Musik, Poesie, Artistik und Humor auf höchstem Niveau zu verbinden.

Gut, den esoterischen Fasching mit wallenden Fantasie-Gewändern hätte es nicht unbedingt gebraucht – obwohl zu befürchten steht, dass die pantomimischen Zwischenspiele die dramaturgische Klammer sein sollten. Aber abgesehen davon konnte Roncallis Primavera die hohen Erwartungen erfüllen, die das Publikum in der Philharmonie an dieses verwegene Konzept hatte: nämlich Musik, Poesie, Artistik und Humor auf höchstem Niveau zu verbinden.

Vier Mal ging die Show vom vergangenen Freitag bis zum gestrigen Sonntag über die Bühne. Wer schon nicht nach Italien kann in dieser wunderschönen Jahreszeit („Primavera“ ist der Frühling), der war zumindest hier am Ga­steig bestens bedient.

Roncalli-Chef Bernhard Paul hat wirklich sensationelle Artisten aus aller Welt gefunden, deren Darbietungen durch die Begleitung klassischer italienischer Musik eine ungeahnte Kraft entwickelten.

Für den lustvollen Live-Sound sorgten die Roncalli-erprobten Münchner Symphoniker unter Basil Coleman. Die bewusst elegische Handstandakrobatik von Oleg Izossimov etwa bekam durch die musikalische Untermalung eine kühle Grandezza, die das Ausmaß der Körperbeherrschung erst so richtig ersichtlich machte.

Höhepunkt ist der Auftritt der vogelwilden Ukrainer Crazy Flight, die Hochleistungsbodenturnen mit einer Art anarchischem Ausdruckstanz verbinden und damit triumphieren. Nie wirkt das alles wie eine beliebige Nummern-Revue ­– dank der Musik und des Clown-Veteranen David Larible als Show-Kitt. Larible gelingt es, uralte Gags taufrisch wirken zu lassen – das eigentliche Handwerk eines Clowns. Denn neue Gags gibt es nicht.

Als Gesangssolisten überzeugen Marianna Stass und vor allem Ricardo Marinello, der 2007 im Fernsehen zum Supertalent gewählt wurde und seitdem hörbar an seiner Stimme gearbeitet hat.

Am Ende viel Applaus und Begeisterung – zu Recht. Arrivederci, Roncalli!

Zoran Gojic

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