Prinzessin Anna Netrebko konzertant als „Iolanta“

Salzburg - Opern-Star Anna Netrebko brillierte in Salzburg bei zwei selten gespielten Opern. Die Einnahmen der öffentlichen Generalprobe werden für den Wiederaufbau einer japanischen Oper verwendet.

Attraktiv, der Abend mit zwei konzertanten russischen Opern bei den Salzburger Festspielen: dem frühen Strawinsky Le Rossignol (Die Nachtigall, nach Andersens Märchen) und dem späten Tschaikowsky Iolanta, seiner letzten Oper, vom Bruder Modest nach dem Drama König Renés Tochter des dänischen Autors Henrik Hertz zum Libretto gestrickt unter nicht ganz gelungener Eliminierung allzu esoterischer Strömungen. Beide selten gespielt – Einakter sind nicht eben beliebt beim Publikum.

Hier aber sind sie, fürstlich besetzt und von Ivor Bolton geleitet, der sein gut präpariertes Mozarteumorchester ins Feld führt, zweimal ausverkauft wie fast alles andere in Salzburg und haben sogar mit einer öffentlichen Benefiz-Generalprobe zu mäßigen Preisen (30 bis 120 Euro) rund 160 000 Euro eingespielt für den Wiederaufbau der beim Erdbeben im März zerstörten Kawasaki Symphony Hall in Japan (Salzburgs Bürgermeister will diese Summe für die Partnerstadt noch auf 200 000 Euro aufstocken).

Standing Ovations also im Großen Festspielhaus, vor allem für die Sänger. Als Iolanta, eine blinde Prinzessin, die total abgeschirmt in einer Art Zaubergarten lebt und von ihrem Mangel nichts ahnt, rauscht Anna Netrebko in Weiß und Gold wie in einer doppelstöckigen Hochzeitstorte herein (grotesk unpassend für eine konzertante Aufführung). Sie singt prachtvoll, in jeder Sekunde Herrin über ihren inzwischen schon dramatischen Sopran. Keinerlei Makel an dem Gesang, aber er rührt nicht.

Ihr zur Seite der polnische Startenor Piotr Beczala als Liebhaber Vaudémont mit seinem warmen, jeder Gefühlsregung fähigen Stimmtimbre – man glaubt, die „Träne“ von Fritz Wunderlich zu hören. Sein Freund mit ganz anderem Temperament ist der aufbrausende, mitreißend gestaltende Bariton Alexey Markow als Robert. Zwei Bassbaritone, so klangvoll wie verschieden: John Releya als König René und Evgeny Nikitin als maurischer Arzt. Die junge Maria Radner fällt in beiden Opern als echter Alt auf.

Schon die Ouvertüre würde sich zur Quizfrage eignen. Ist das Tschaikowsky? Er suchte neue Wege, blieb zwar immer der Meister der feinen Instrumentierung, hat aber auch schon genau zugehört bei Wagner, und Ivor Bolton lässt diese Komponente mächtig aufrauschen. Wie viel lieber lässt man sich auf Strawinskys Nachtigall ein! Glasklar und voller Charme komponiert im Dunstkreis von Balanchines Ballets Russes (und später auch als Le Chant du Rossignol zum Ballett umgeformt).

In Salzburg allerdings war die Oper dran, von Ivor Bolton mit spürbarem Vergnügen zum Leuchten gebracht. Man bewundert, wie stimmig und wie jung hier besetzt wurde. Julia Novikova – eine Nachtigall mit blizsauberen Spitzentönen, deren Rolle man auch Julia Lezhnevas (21) Stimmklarheit zugetraut hätte (die Köchin). Antonio Poli, gerade noch beim Young Singers Project, hat nun in beiden Opern eine wichtige Tenorrolle, und seine Nachfolger von diesem Jahr klingen allesamt vielversprechend. Nachwuchspflege auf die nobelste Art. Auch das ist Salzburg.

Beate Kayser

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