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Pussy Riot in München: „Europa sponsert diesen Krieg“

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Von: Michael Schleicher

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Riot Days 2022 der russischen Punkgruppe Pussy Riot
Pussy Riot in München: Maria Aljochina (li.) und Diana Burkot vor ihrem Konzert in den Kammerspielen. © Matthias Balk/dpa

Pussy Riot sind in München: Vor ihrem Konzert in den Kammerspielen gaben Maria Aljochina und Diana Burkot eine Pressekonferenz. Rufe nach einem Kompromiss zur Beendigung des Ukraine-Krieges verstehen sie nicht. „Was würden diese Leute sagen, wenn Putin in Deutschland einmarschieren würde?“

Eine Sache, die Punkmusik auszeichnet, ist, dass sie schnell zur Sache kommt. Drei Akkorde, klare Kante, direkt auf die Zwölf. Das war’s. In Zeiten wie diesen, da Russland die Ukraine überfallen hat, ist Punk der Stil der Stunde. Maria Aljochina und Diana Burkot wissen das – und so brauchen die beiden russischen Aktivistinnen von Pussy Riot am Dienstagvormittag (17. Mai 2022) beim Pressegespräch in München nur ein paar Takte, um zum Kern vorzudringen: „Europa sponsert diesen Krieg durch den Kauf von Öl und Gas“, erklärt Aljochina. Für sie ist das völlig unverständlich, da im russischen Fernsehen quasi täglich zur Primetime darüber diskutiert werde, welche europäischen Städte Russland mit Atombomben angreifen könne. „Wie könnt ihr solche Leute bezahlen?“

Pussy Riot wurden 2012 durch das „Punk-Gebet“ in Moskau bekannt

Aljochina und Burkot sind seit vielen Jahren bei Pussy Riot – bekannt wurde das kremlkritische Kollektiv 2012 mit dem „Punk-Gebet“ in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Der gerade mal 41 Sekunden lange Auftritt machte die Gruppe weltweit zum Symbol für den innerrussischen Kampf gegen Putin und sein Herrschaftssystem. Als sie ihre zwei Jahre im Straflager abgesessen hatte, sei sie in „ein anderes Russland“ gekommen, erzählt Aljochina.

Konzert von Pussy Riot am 12. Mai 2022 in Berlin.
Tour-Auftakt in Berlin: Diana Burkot von Pussy Riot. © ADAM BERRY/AFP

Wie berichtet, sind Pussy Riot auf Einladung der Kammerspiele, der Friedrich-Naumann- sowie der Thomas-Dehler-Stiftung in München zu Gast: „Wir sind hier, um klar zu machen, dass der beste Teil Russlands derzeit in Gefängnissen sitzt – wegen des Protests gegen Putin und den Krieg in der Ukraine“, sagt die 33-jährige Aljochina, die ihre Heimat vor Kurzem verlassen konnte, nachdem die Polizei angekündigt hatte, ihren Hausarrest in Straflager umzuwandeln. Die elektronische Fußfessel trug sie bei der Pressekonferenz symbolisch, um klar zu machen, was in ihrer Heimat los sei.

Pussy Riot spenden die Einnahmen der Tour an ein Krankenhaus in Kiew

Doch wollen die beiden Frauen nicht nur jenen Russinnen und Russen eine Stimme geben, die Putin wegsperren ließ: Die Einnahmen ihrer Tour spenden sie einem Kinderkrankenhaus in Kiew; zudem wollen Pussy Riot gegen Gleichgültigkeit anspielen. „Stille unterstützt den Krieg“, sagt Burkot.

Pussy Riot - Protest-Auftritt in Erlöserkathedrale in Moskau
Pussy Riot bei ihrem Protest 2012 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. © Mitya Aleshkovsky/dpa

Die Aktivistinnen, die in einem ausrangierten Krankenwagen zum Gespräch am Rande des Olympiaparks kommen, zeichnen ein bitteres, erdrückendes Bild Russlands. Das Bild eines Landes, in dem der Slogan „No Fascism“ einen Menschen für Jahre hinter Gitter bringen kann, weil er damit die russische Truppe diskreditiere. Heftige Kritik üben die Künstlerinnen auch an Moskaus Patriarchen Kyrill I.: „Er hat die Armee gesegnet. Nicht nur die Soldaten, sondern Panzer und Flugzeuge, die Bomben bringen“, berichtet Burkot. „Kyrill sollte von der Welt nicht als Geistlicher wahrgenommen werden, sondern als Oligarch und Verbrecher“, ergänzt Aljochina.

Pussy Riot: Bislang keine Gespräche mit der Politik

Pussy Riot haben bislang keine Gespräche mit der Politik im Terminkalender – sie würden sich aber über die Möglichkeit freuen. Vor allem mit den Grünen würde sie gerne reden, sagt Burkot, „weil die eine Idee haben, um schnellstmöglich vom russischen Öl und Gas wegzukommen“. Für die Friedensbewegung und all jene, die glauben, ein Kompromiss in der Ukraine würde zu Frieden führen, haben Pussy Riot indes eine sehr klare Ansage: „Sie sollen das Geschichtsbuch aufschlagen und über Hitler und die Tschechoslowakei lesen. Was würden diese Leute sagen, wenn Putin in Deutschland einmarschieren würde? Gebt ihm Deutschland oder einen kleinen Teil?“

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