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Regisseurin Lisa Eder fordert: Lasst uns die Wälder retten!

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Von: Katja Kraft

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Die Regisseurin Lisa Eder beim Waldspaziergang
Die Regisseurin Lisa Eder kämpft dafür, dass mehr wilde Wälder in Deutschland zugelassen werden, in die der Mensch nicht eingreift. © Astrid Schmidhuber

Kaum noch unberührte Natur gibt es in Deutschland. Das will die Filmemacherin Lisa Eder ändern. Ihre Dokumentation „Der wilde Wald“ zeigt am Beispiel vom Nationalpark Bayerischer Wald, was zu tun ist, um die wilden Wälder zu retten. Ein Gespräch im Wald.

Klar könnten wir es auch machen wie die Menschen in Tokio. Die tapezieren sich die Wände grün. Waldbaden in der eigenen Wohnung – das ist natürlich eine Möglichkeit, das städtische Grau in Grau zu ertragen. Die schönere Variante: Wir sorgen jetzt dafür, die echten Wälder zu erhalten und ihnen wieder mehr Platz einzuräumen. Es grünt zu wenig Grün. Lisa Eder will das ändern. Nun startet ihr Dokumentarfilm „Der wilde Wald“ in den Kinos. Am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald zeigt Eder, die selbst in der Region aufgewachsen ist, warum die dort gelebte Philosophie „Natur Natur sein lassen“ langfristig betrachtet wirtschaftlicher ist als das Pflanzen von schnell wachsenden Monokulturen, die man flott abholzen und verwerten kann. „Die Fichte ist da ein gutes Beispiel: Die konventionelle Forstwirtschaft setzt auf eine Fichten-Monokultur, weil diese Bäume sehr schnell wachsen und sehr schnell Ertrag bringen. Doch in trockenen Sommern hat das zur Folge, dass riesengroße Flächen von Borkenkäfern kahl gefressen werden“, erklärt Eder. Statt daraus eine Lehre zu ziehen und die Waldstruktur dahingehend zu verändern, dass der Käfer sich nicht ausbreitet, würden Milliarden in eine „zum Teil völlig unsinnige Wiederaufforstung investiert. Da werden Bäume an Stellen gepflanzt, die da nicht hingehören. Einfach nur wegen der Hoffnung auf schnellen Gewinn.“

Was also tun? Lisa Eder stellt in ihrem Film unter anderem den Förster Peter Langhammer vor, der es anders macht: Er versucht, Holzwirtschaft und den Erhalt der Artenvielfalt unter einen Hut zu bringen. Indem er Totholz zulässt beispielsweise. Denn der Begriff führt ja völlig in die Irre: Abgestorbene Bäume sind in Wahrheit voller Leben. Vielen Tieren und Pflanzen dienen sie als Nist-, Nahrungs- oder Überwinterungsplatz. Für einen gesunden Wald mit Zukunft unverzichtbar.

„Peter Langhammer erwirtschaftet mittelfristig vielleicht nicht so viel Gewinn wie andere – aber er weiß, dass sein Wald langfristig stabiler und damit auch widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels ist“, betont Lisa Eder. „Wenn wir anfangen, unsere Wälder umzustellen, ist das ein Prozess – aber mit einem Ergebnis, von dem noch die Generationen nach uns profitieren werden.“

Regisseurin Lisa Eder und unsere Redakteurin Katja Kraft
Unsere Redakteurin Katja Kraft traf die Filmemacherin (li.) Lisa Eder zum Spaziergang an der Isar unweit des Tierparks Hellabrunn. © Astrid Schmidhuber

Eigentlich hatte man sich zu einem Spaziergang in einem wilden Wald treffen wollen. Doch den im Raum München zu finden, ist nicht leicht. „Wir müssen uns trauen, wieder mehr Wildnis zuzulassen“, findet Eder. Beim gemeinsamen Marsch durch die Isarauen deutet sie auf wunderschöne, kraftstrotzende Bäume mit dicken Stämmen. Die würde es in Wirtschaftswäldern gar nicht mehr geben, sie seien längst gefällt und zu Geld gemacht.

Auf ihrer Kinotour erlebt die Regisseurin in den Diskussionen mit Zuschauern eine große Sehnsucht nach Wald und Natur. Und viel Hilflosigkeit. Was kann der Einzelne denn schon tun, um dafür zu sorgen, dass etwa die Bundesregierung ihr erklärtes Ziel erfüllt, zehn Prozent der Staatsforste als unberührte Fläche auszuweisen? „Es geht damit los, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sich etwas verändern muss“, findet Eder. Und dann könne man durchaus auch im eigenen Umfeld etwas tun. Wohnt man in einer Stadt wie München und hat nur einen Mini-Balkon, na, dann wird eben zumindest dieser Mini-Balkon mit Blumen, die die Bienen mögen, bepflanzt.

Jeder kann seinen kleinen Beitrag leisten

„Oder ich engagiere mich in den vielen tollen Organisationen wie dem Bund Naturschutz“, empfiehlt die 55-Jährige. Solche Vereinigungen kaufen Waldstücke und entziehen sie der wirtschaftlichen Nutzung. Oder pflanzen Bäume, betreiben Artenschutz. „Das kommt einem vielleicht am Anfang so ein bisschen wenig vor. Aber das sind ja alles Multiplikatoren. Der Bund Naturschutz etwa hat mehr Mitglieder in Bayern als die CSU.“ Je mehr Leute mitmachen, desto eher tut sich was. Damit es künftig nur noch an der Fußgängerampel heißt: „Grüner wird’s nicht!“

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