Band-Wettbewerb-Gewinner

Lem Motlow: Vier Dachauer bei Rockavaria

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Die Dachauer Band Lem Motlow vor wenigen Tagen bei ihrer Generalprobe für Rockavaria (v. li.): Sänger Sebastian Schweyer, die Gitarristen Jakob Betke und Michi Wagner sowie Schlagzeuger Julian Schmitzberger.

München  - Für die Hardrock-Band Lem Motlow wird Rockavaria ein unvergessliches Wochenende. Die fünf Dachauer Musiker spielen an diesem Samstag zum ersten Mal in ihrer Karriere in der Münchner Olympiahalle. Ein Portrait.

Es wummert. Alles in diesem kleinen Proberaum wippt im Takt. Die schummrig leuchtende Girlande über den Marshall-Verstärkern. Die leeren Augustinerflaschen auf dem Kühlschrank. Sogar das Poster mit den barbusigen Damen an der Wand, die sich gegenseitig mit Wassereis füttern, vibriert. Es sind harte Rock-Riffs, die diese wenige Quadratmeter große Welt im Keller eines Dachauer Kindergartens zum Beben bringen.

Die fünf Verantwortlichen für dieses Hardrock-Spektakel sind bereit. Bereit für große Bühnen, für großes Publikum. Für den Auftritt, von dem sie sich noch vor einigen Monaten nur ganz vorsichtig getraut haben zu träumen. Die Band heißt Lem Motlow. Benannt nach Jack Daniels Neffen – und wie guter Whiskey schon einige Jahre gereift in Dachauer Proberäumen und auf kleineren Bühnen. Lem Motlow, das sind Michi Wagner, Jakob Betke (beide Gitarre), Erwin Kulinyak (Bass), Julian Schmitzberger (Schlagzeug) und Sebastian Schweyer (Gesang). Im Münchner Norden sind die fünf Hardrocker seit Jahren keine Unbekannten mehr. Das hat ihnen geholfen, sich gegen 500 andere Bands durchzusetzen. Aber sie verdanken es nicht nur dem Voting ihrer Fan-Gemeinde, dass sie an diesem Samstag Vorgruppe sein dürfen für Bands wie Kiss und Judas Priest. Lem Motlow haben den Circus Krone vor einigen Wochen derartig gerockt, dass sie den Band-Wettbewerb für Rockavaria gewonnen haben. Die Bühne in der Olympiahalle gehört an diesem Samstag für 20 Minuten ihnen.

Jeden Abend an der Setlist gefeilt

Fast jeden Abend haben sie in der zurückliegenden Woche im Proberaum an ihrer Setlist gefeilt – ohne große Nervosität, dafür mit hemmungsloser Vorfreude. Eins steht fest: Selbst wenn sie um 20 nach eins noch längst nicht so viele Zuhörer haben werden wie die Bands nach ihnen, werden sie das tun, was sie am allerbesten können: Rocken, als würde die ganze Welt zuhören. Es waren lange Abende im Proberaum. Sie haben an ihren Songs geschraubt, neue Variationen ausprobiert, Riffs kreiert, die „in ihrer Bescheuertheit total geil klingen“. Die fünf Musiker wissen, was sie tun an ihren Instrumenten, sie leben für die Musik. Michi Wagner, vor vier Jahren zum besten Nachwuchsgitarristen Deutschlands gewählt, ist ein Wahnsinniger an seiner E-Gitarre. Zusammen mit Jakob Betke und Sebastian Schweyer studiert er inzwischen an der Pop-Akademie in Mannheim. Die Musik ist für Lem Motlow längst mehr als ein Hobby.

Nur eine Probe vor dem Bandwettbewerb

Der Wettbewerb im Circus Krone war der erste Auftritt mit neuem Sänger. „Wir hatten vorher nur eine einzige Probe gemeinsam“, erzählt Jakob Betke. Es hat funktioniert, Sebastian Schweyer hat sich schnell eingenistet im vertrauten Hardrock-Geflecht des Lem-Motlow-Biotops. Zur Generalprobe haben die Burschen von Lem Motlow vor zwei Wochen ins Münchner Sunny Red geladen, einem kleinen Kellerclub. Die Wand ist voller Graffiti mit kotzenden Koalas und augenfressenden Einhörnern. Ein typische Untergrund-Rock-Absteige. Unterstützt von den Proberaumkollegen Dune Pilot und den Stoner-Rockern Black Voodoo Train füllt sich der kleine Raum schnell. Es dauert nicht lange, bis an der Kasse ein provisorischer Zettel hängt: „Sold out bitches!“

Das Volumen ist auf Anschlag, genau wie der Applaus

Als Lem Motlow die ebenerdige Bühne betreten, die man als solche eigentlich nur erkennt, weil da eben die Musiker und nicht das Publikum stehen, ist das Sunny Red voll mit angeheizten Hardrock-Fans. „Habt Ihr Bock auf Rock’n’Roll?“, fragt Michi Wagner. Eine rhetorische Frage, warum sonst haben sich so viele Leute in dem angenehm versifften Kellerloch versammelt. Auf die Antwort brauchen die Burschen nicht zu warten. Schlag auf Schlag gibt es den typischen Lem-Motlow-Sound auf die Ohren: feinsten Hardrock, vom Blues geprägt, irgendwo zwischen AC/DC und amerikanischem Southern Rock. Deftig und trotzdem voller Groove. Kein Kopf im Sunny Red kann sich gegen das Nicken wehren. Das Volumen ist auf Anschlag, genau wie der Applaus am Ende. Was bleibt, ist ein dumpfes Gefühl im Gehörgang. Und die stille Gewissheit: Ich will mehr davon.

Vielleicht liegt es an dieser gelungenen Generalprobe, dass die Musiker von Lem Motlow an diesem Wochenende so ungewöhnlich unnervös auf die Rockavaria-Bühne steigen. Sie sind eine herrlich sympathische Band – Hardrocker, die vor dem Probenraum fremde Zigarettenkippen einsammeln, damit sich die Nachbarn nicht beschweren. „Wenn man weiß, dass man eine gute Band im Rücken hat, wandelt sich Nervosität in positive Energie“, sagt Jakob Betke. Und aus positiver Energie wird bei Lem Motlow eigentlich immer mitreißender Hardrock.

Lem Motlow spielen am Samstag, 13.20 Uhr, in der Münchner Olympiahalle.

Katrin Woitsch und Dominik Göttler

 

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