Kritik zum Konzert in der Philharmonie

Roland Kaiser lässt Münchner Fans ab zweitem Song schon toben

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Was Roland ­Kaiser bietet, hat absolut nichts mit dem Schlager-­Einerlei zu tun. ­Jubel in der Philharmonie.

München - Roland Kaiser hat seine Münchner Fans beglückt - und zwar mit einem hochklassigen und stilvollen Musik-Abend in der Philharmonie. Die Kritik.

Es war ein Festtag für alle Kaisertreuen. Denn Roland Kaiser, mit bald 65 zum Grandseigneur gereift, lieferte in der Philharmonie am Gasteig ein grandioses Konzert ab. Fast drei Stunden lang bewies Kaiser, dass Adel eben doch verpflichtet – zu bester Unterhaltung. Ihn nur als „Schlagersänger“ zu bezeichnen und seine Musik mit heutigen Schlicht-Schlagern in einen Topf zu werfen, ist fast schon ehrabschneidend.

Was Roland Kaiser in München auf die Bühne brachte, war hochklassig von A bis Z. Das fängt beim Sänger an, der sieben Jahre nach seiner Lungentransplantation prächtig bei Stimme ist, und dem Einstecktuch und Krawatte einen Abend lang nicht einen Millimeter verrutschen. So stilvoll haben das einst auch die großen Chansonniers zelebriert, die Gilbert Bécauds dieser Welt.

Ebenso First Class: zwölf exquisite Musiker mit drei Bläsern, darunter die tolle Thüringerin Tina Tandler am Saxofon. Beim Kaiser besteht Blech halt noch aus Blech – und nicht aus einem Sample am Synthesizer.

Zum ersten Mal reißt der Berliner seine Fans gleich beim zweiten Song von den Sitzen. Für ihn ist das Kein Problem, denn so heißt eines der besten Stücke seines 2016er Gold-Albums Auf den Kopf gestellt.

Und überhaupt fällt auf: Aktuelle Hits wie Warum hast Du nicht Nein gesagt, bei dem Autorin Maite Kelly (ja, die von der Familie) beweist, wie charmant und gewitzt moderner deutscher Schlager sein kann, feiern die Fans am stürmischsten. Kein Wunder, dass Nein gesagt bei YouTube auf 38 Millionen Aufrufe kommt.

Die alten Feger, humm nana, hoha, müssen natürlich auch sein – kein Kaiser-Konzert ohne Santa Maria, über dessen schwülen Text er heute selbst lächeln muss. Überhaupt: Selbstironie ist eine seiner großen Stärken – herrlich, wie er bei der flirrenden Discoversion von Dich zu lieben ein paar Senioren-Tanzschritte einstreut.

Der Kaiser, dieser kluge Kopf, der sich nicht scheut, seinen Fans in Dresden in Sachen Pegida die Leviten zu lesen, ist einfach ein guter Typ. Und sein eigenes Musical, das vom 18. bis 22. Oktober im Deutschen Theater gastiert (Tickets und Infos gibt’s unter www.deutsches-theater.de), hat er sich längst verdient. Für einen Abend galt in München: Kaiser-Glanz statt Kaiser Franz. Jörg Heinrich

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