Starautor im Cuvilliés

Rushdies Risiko: Kaum Sicherheit beim Auftritt

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Empfindet Stolz für die Pariser: Bei Salman Rushdies Auftritt in München sind die Sicherheitsvorkehrungen nicht höher als gewöhnlich.

München - Salman Rushdie stellt im Cuvillièstheater sein neues Buch vor. Dabei spricht er auch über die Terroranschläge von Paris. Trotz der Vorgeschichte sind nur wenige Sicherheitskräfte anwesend.

Bevor Salman Rushdie (68) gewohnt anregend und wortmächtig auch nur einen Satz im Cuvilliéstheater gesagt hat, gibt’s Standing Ovations beim Literaturfest. Um ein „Zeichen des Respekts“ hatte der Münchner Autor Albert Ostermaier gebeten. Salman Rushdie winkt ob der tosenden Ehrerbietung nur ab.

Im Plauderinterview mit Literaturkritiker Denis Scheck erklärt Rushdie, warum er sich und seiner Generation die Schuld an der herrschenden Unvernunft gibt: „1968, in der Zeit von Sex, Drugs and Rock’-n’Roll, war ich 21 Jahre alt. Während wir das Leben in vollen Zügen genossen haben, haben die Uncoolen die Macht übernommen.“

1989 wurde der britisch-indische Schriftsteller zur Symbolfigur gegen Unvernunft und religiösen Fanatismus. Radikale Muslime hatten seinen Roman "Die satanischen Verse" als gotteslästerlich empfunden, der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini gab eine Fatwa heraus, die mit einem Kopfgeld für die Tötung Rushdies verbunden war. Mittlerweile sind es 3,3 Millionen Dollar.

Zwei Sicherheitsleute und zwei Polizisten anwesend

Salman Rushdie im Cuvillièstheater

Da verwundert es, dass nach den Ereignissen in Paris und Hannover nur zwei Sicherheitsmitarbeiter Besucher und Taschen durchsuchen. Taschenmesser haben einige dabei, auch Flüssigkeiten werden einbehalten. Zwei Polizisten beobachten träge das Geschehen.

Rushdie zeigt sich beeindruckt von eben jenen, die trotz Terror und Angst an ihrem freien Lebensstil festhalten. „Ich fühle Stolz für die Menschen in Paris. Sie verstecken sich nicht zu Hause, sondern gehen weiter aus.“

Der Starautor entwirft in seinem neuen Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" eine apokalyptische Welt, in der Krieg gegen den Terror mit Mitteln der Zauberei geführt wird. Wer zusammenrechnet, kommt auf Tausendundeine Nacht. Rushdie erklärt, er sehe sich als Erzähler in der Tradition der düsteren Grimm’schen Märchen. „Märchen drücken durch das Erfundene eine Wahrheit aus. Wir glauben an den Charakter, obwohl wir wissen, dass er erfunden ist“, sagt Rushdie. Rushdie-Leser sehen hinter seinen fantastischen Erzählungen wohl stets den Mann, der sein Leben dem Kampf für das freie Wort verschrieben hat.

Kommentar: Lasche Kontrollen

Salman Rushdie ist beeindruckt von jenen, die sich von Terroristen ihr freies Leben nicht nehmen lassen. Auch die Münchner kamen, um nicht die Angst siegen zu lassen. Doch nach der laschen Sicherheitskontrolle, beäugt von zwei Polizisten, bleibt ein mulmiges Gefühl während der Lesung. Die Polizei beruhigt und erklärt, dass es in München „keine besondere Sicherheitslage“ gebe und dass deshalb keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Anders als im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse, als nur Journalisten kommen durften, die vorab einer polizeilichen Zuverlässigkeitsüberprüfung zugestimmt hatten. Dass Rushdie live für sein Publikum liest, fühlt sich wie eine Bestätigung unserer freien Welt an. Dass die Polizei keine Gefährdung bei einer solchen Lesung sieht, fühlt sich falsch an.

Jasmin Menrad

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