Zum 85. Geburtstag

Sean Connery, der perfekte James Bond

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Sean Connery ist Schotte, er wurde in Edinburgh geboren.

Edinburgh - "Einfach schauderhaft" – das ist erst mal alles, was Ian Fleming, Erfinder von James Bond, zu Sean Connery einfällt. An diesem Dienstag wird der Schauspieler 85.

Die Produzenten Harry Saltzman und Albert Broccoli hatten den hochgewachsenen Charmebolzen und ehemaligen Bodybuilding-Meister für die Verfilmung von „Dr. No“ ausgesucht. Fleming sieht seinen Bond aber eher als smarten englischen Gentleman, ihm schweben Schauspieler wie Cary Grant, David Niven oder Rex Harrison vor. Sean Connery, der heute seinen 85. Geburtstag feiert, ist in Flemings Augen ein ungehobelter Prolet und zu allem Überfluss unüberhörbar auch noch Schotte. Doch Sean Connery wird trotz fehlender Schauspielausbildung und erkennbar lichter werdendem Haupthaar James Bond, und er wusste weshalb: „Die hatten gar nicht das Geld für solche Stars, also wurde ich es“.

Der Film wird ein weltweiter Sensationserfolg. Ausgerechnet das etwas Grobe von Sean Connery, die erkennbare Bereitschaft zur Härte, gepaart mit feiner Ironie und chauvinistischem Gebaren kommen an – insbesondere bei den Damen. Fleming muss nach den ersten Testvorführungen kleinlaut einräumen: Sean Connery ist der perfekte Bond. Er dichtet James Bond sogar noch eine schottische Herkunft an. Und so ist die Legende in der Welt vom Hilfsarbeiter Connery, der es über Nacht vom Sargpolierer und Möbelpacker zum Filmstar gebracht hat. Das ist natürlich Unfug.

Sean Connery: "Dr. No" macht ihn zum Weltstar

Sean Connery bricht zwar tatsächlich bereits mit 13 die Schule ab und hält sich mit Aushilfsjobs über Wasser. Aber als er für James Bonds „Dr. No“ besetzt wird, verdient er sein Geld schon als Schauspieler und bekommt für einige BBC-Produktionen sehr wohlwollende Kritiken. „Dr. No“ macht Sean Connery zum Weltstar und begründet die erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten. Insgesamt setzen die nun schon 23 James-Bond-Filme bislang über 14 Milliarden Dollar um – DVD-Verkäufe, TV-Rechte, Soundtracks und Fanartikel sind da gar nicht mit eingerechnet. Für alle Beteiligten also ein Glücksfall, wenn da nicht die Sache mit dem Geld wäre. Sean Connery weist nach dem überwältigenden Erfolg von „Dr. No“ selbstbewusst darauf hin, dass er mit 17.000 Dollar Gage keineswegs überbezahlt war.

Es stimmt: Gemessen daran, dass „Dr. No“ 60 Millionen Dollar eingespielt hat, ist das ein Witz. Die Produzenten unterstellen Sean Connery Gier, aber der bleibt unerbittlich und versteht nicht so recht, weshalb man sich über Geld streiten muss, wenn doch genug für alle da ist. Man einigt sich für die nächsten Filme auf eine Gewinnbeteiligung, was fair ist. Der Schauspieler stellt freilich eigene Buchhalter an, die genau ausrechnen, wie hoch der Umsatz ausfällt. Sean Connery, Sohn eines Lkw-Fahrers und einer Putzfrau, hat zwar nie die Schule abgeschlossen, aber ein Trottel ist er keineswegs. Er weiß, dass sich Produzenten bei solchen Vereinbarungen gerne zu Sozialfällen arm rechnen, um nichts abgeben zu müssen. Das Klima zwischen den James-Bond-Machern und ihrem Star wird zunehmend eisig. Der Künstler bringt es gewohnt unverblümt auf den Punkt: „Die würde ich nicht einmal anpinkeln, wenn sie in Flammen stehen.“ „Die“, das sind Broccoli und Saltzman. Abgesehen vom Geld langweilt Sean Connery die Rolle des Superagenten zunehmend, 1967 steigt er nach fünf Filmen aus – und lässt sich 1971 für die damals unfassbare Rekordgage von 1,3 Millionen Dollar und zusätzlich zwölf Prozent Umsatzbeteiligung zu einem weiteren Einsatz im Dienste ihrer Majestät überreden. Um den Produzenten zu zeigen, wie sehr er sie verachtet, nimmt Sean Connery das Geld gar nicht, sondern gründet damit eine Stiftung für begabte Kinder in Schottland.

Sean Connery - ein keltischer Sturkopf

Der keltische Sturkopf Sean Connery bringt einige in der Filmbranche gegen sich auf, aber das scheint ihm herzlich egal zu sein. „Connery ist unkompliziert, aber nicht einfach“, so erklärt das wunderbar doppelbödig James-Bond-Regisseur Terence Young. Der Schauspieler selbst ist da nicht ganz so subtil: „Ich habe nie Probleme mit Kollegen – es sei denn, sie sind Arschlöcher.“ Und der Star hat öfter mal Probleme mit Kollegen. Dennoch gelingt ihm etwas Erstaunliches: Obwohl Sean Connery sich nie anbiedert, wird er nach seiner James-Bond-Ära ein begehrter Schauspieler, der sich vom 007-Image emanzipiert. Nicht zuletzt, weil er den Mut hat, in ambitionierten Filmen mitzuspielen, die oft erfolglos bleiben, ihm aber die Chance bieten, sein Können zu zeigen.

Beharrlich erarbeitet Sean Connery sich so eine zweite Karriere und schließlich auch diesen Erfolg: Für „The Untouchables“ holt er sich 1988 einen Oscar ab und wird auf seine alten Tage einer der bestbezahlten Stars der Traumfabrik. Aber er bleibt unberechenbar und meinungsfreudig. 2000 lehnt er die Rolle des Gandalf in der „Herr der Ringe“-Trilogie ab, obwohl ihm 30 Millionen Dollar Gage und 15 Prozent Umsatzbeteiligung winken. Unbegreiflich für viele, aber Sean Connery kann das verdammt gut erklären: „Ich habe es nie verstanden. Ich las das Buch. Ich las das Drehbuch. Ich sah den Film. Und ich verstehe immer noch nichts.“

Sean Connery: "Möglich, dass ich kein guter Schauspieler bin"

2003 verabschiedet sich Sean Connery endgültig von der Leinwand, weil er keine Lust mehr auf die Querelen hinter den Kulissen hat. „Ich musste zuletzt sehr viel Energie aufwenden, um nicht wegen Totschlags ins Gefängnis zu kommen, darauf habe ich keine Lust mehr“, lässt er wissen. Seitdem führt er ein sehr entspanntes Leben auf den Bahamas. Mutmaßlich wird er auch an seinem 85. Geburtstag tun, was er nach eigenem Bekunden jeden Tag tut: morgens Zeitung lesen, dann im Internet sehen, was es Neues in der schottischen Heimat gibt, und vielleicht noch eine Runde Golf spielen. Man darf sich Sean Connery als zufriedenen Rentner vorstellen – obwohl es viele Gerüchte um seinen Gesundheitszustand gibt –, der weiß, dass er viel Glück hatte, weil er diesem James Bond sein Gesicht geliehen hat.

„Möglich, dass ich kein guter Schauspieler bin, aber in jedem anderen Beruf wäre ich noch schlechter gewesen“, hat Sean Connery einmal gescherzt. Grober Unfug natürlich. Diese Präsenz, das makellose Timing, die Eleganz vor der Kamera – das sieht man nicht so oft. Sean Connery ist ein verdammt guter Schauspieler.

Zoran Gojic

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