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Show-Spektakel „Equila“: Aufs richtige Pferd gesetzt

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Vorhang auf für die Weltpremiere von „Equila“.

Rösser, Reiter und Artisten verzaubern die Besucher der „Equila“, dem Show-Spektakel draußen in Freimann. Schon der Bau lässt die Allianz Arena alt aussehen - das Programm erst recht.

München - Für Spektakel und Drama draußen in Fröttmaning war bisher ausschließlich der FC Bayern zuständig. Die prächtigen Choreografien unter Pep Guardiola, das „Mamma mia“ unter  Carlo Ancelotti, die fulminante Wiedergeburt unter Jupp Heynckes – an der A9, neben dem Windradl, regieren die Bayern in Sachen Entertainment bisher unangefochten. Doch damit ist es nun vorbei. Denn in Sichtweite der Allianz Arena steht jetzt der Apassionata-Palast, in dem am Wochenende die Pferdeshow „Equila“ Premiere feierte.

400 000 Besucher sollen die Vierbeiner-Sause und den umgebenden Themenpark, der 2018 eröffnet, künftig pro Jahr erleben. München bekommt damit quasi seinen eigenen „König der Löwen“, nur mit Hufen. Der Aufwand ist gewaltig, mit 55 Millionen Euro Baukosten. Bleibt die Frage: Wie gut ist die Show – ein Abend mit Pferdefuß? Oder genau aufs richtige Pferd gesetzt?

Das Staunen beginnt bei „Equila“ jedenfalls schon vor der Tür. Denn das Berliner Architektenbüro Graft hat ein Bauwerk geschaffen, das sich sogar im Umfeld der Allianz Arena sehen lassen kann. Eine Fassade aus Lärchenholz, die an die wehenden Mähnen wilder Pferde erinnert, spektakulär beleuchtet – wer für „Equila“ 30 bis 130 Euro Eintritt bezahlt, sollte früh kommen, um alles in Ruhe begutachten zu können. Kein Wunder: Hinter „Apassionata“ steht ein Immobilienentwickler aus Hongkong. Und die Chinesen wissen schon, wie man aufsehenerregend baut.

Aber jetzt, rin in die Bude! Durch ein etwas kühles Foyer mit Bewirtung und Verkaufsstand geht’s rein ins eigentliche Theater, in dem man über zwei Stunden lang gern und vor allem komfortabel sitzt. Eine riesige Arena mit 1200 Quadratmetern Bühnenfläche wird umrahmt von 1700 Sitzplätzen, die alle beste Sicht bieten. Wer früh kommt, sieht schon vor Showbeginn hinter dem Vorhang die Hufschmiede werkeln, es wird gestriegelt, geputzt und gewiehert. Selbst beim Toilettengang reißt einen das Wiehern aus der Konzentration – aber natürlich nur aus dem Lautsprecher.

Das ist „Equila“: Viel Liebe zum Detail, aber auch ein wenig künstlich. Motto der Show: „Wieher the Champions!“ Als es dann losgeht – hüa! – wird schnell klar: Der Star sind nicht die Darsteller, und auch nicht die 65 Pferde – hier begeistert vor allem die spektakuläre Inszenierung. Zum Zuschauen muss man nicht einmal Pferdefan sein. Die Bühne wird umrahmt von riesigen LED-Wänden, auf denen ständig neue Welten entstehen. Mal spielt die Show in einer mittelalterlichen Arena, mal an einem Vulkan, mal in einer Art Aquarium. Das ist tolles Augenfutter. Und alles läuft sogar in 4D – also das gewohnte 3D, plus Pferdegeruch. Selbst der Boden ist animiert: Aus dem Sand, der mit einer Ebbe-Flut-Anlage permanent befeuchtet wird (sie denken an alles, diese Chinesen!) wird eine Landkarte, ein Getreidefeld oder der steile Weg auf einen Berggipfel.

Die Handlung, um es mal so auszudrücken, ist kindgerecht, die Kleinen sind happy. Im fernen Land Equila findet alljährlich ein großer Wettbewerb zwischen den Stämmen der Freireiter und der Siedler statt, ein Pferde-ESC, nur ohne Singen. Der junge Phero träumt davon, das Turnier zu gewinnen, muss mit seinem Schimmel Arkadash aber erst einmal aufbrechen in die weite Welt. So will es Pheros mächtiger Vater, quasi der Horse Seehofer von Equila. Phero kommt mehrfach das Tier abhanden. Sie finden aber immer wieder zusammen, so wie einst Winnetou und sein Iltschi. Unterwegs verliebt sich der Held in die schöne Amara, die aber vom feindlichen Stamm stammt. Doch alles wird gut, Phero kehrt rechtzeitig zurück und gewinnt das Turnier.

Nun gut, es ist nicht „Krieg und Frieden“. Und die Darsteller, die auch nicht live sprechen, bleiben so anonym, dass die Besetzung nicht einmal genannt wird. Aber bei so viel Spektakel ist das zweitrangig. Die Riesen-Arena ermöglicht wilde Ritte, Phero schwebt einmal sogar Helene-Fischer-mäßig an einer Drahtseilbahn über dem Publikum. Wahrscheinlich ist „Equila“ tatsächlich eine Art Helene-Konzert mit Pferden – Riesenshow, viel zu sehen, zu hören, zu staunen. Wer achtet da schon auf die Texte?

Jörg Heinrich

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