Die Konkurrenz unter der Lupe

Mittelmeer-Shakira und Co.: Das sind unsere schärfsten ESC-Rivalen

+
Vertritt Deutschland heuer beim ESC: Michael Schulte (28) singt „You let me walk alone“.

Bei den Buchmachern kletterte unser deutscher ESC-Interpret Michael Schulte, der als Elfter singt, zuletzt sogar bis auf Platz sechs. Hier stellen wir seine zehn größten Konkurrenten vor.

Die beste Nachricht vom Eurovision Song Contest 2018 steht bereits fest: Vorjahressieger Salvador Sobral geht es nach seiner Herztransplantation wieder so gut, dass er am Samstagabend (So sehen Sie den Eurovision Song Contest live im TV und Live-Stream) beim großen Finale in seiner Heimatstadt Lissabon auf der Bühne stehen kann. Für die zweitbeste Nachricht könnte Michael Schulte sorgen - wenn unser deutscher Teilnehmer aus Buxtehude mit You let me walk alone besser abschneidet als seine drei Vorgängerinnen. Allzu schwer ist das nicht: Schon ein drittletzter Platz wäre das stärkste deutsche Ergebnis seit 2014. Hier die mutmaßlich ärgsten Konkurrenten bei dem Musikwettbewerb in der portugiesischen Hauptstadt:

Frankreich Bei den Buchmachern bis auf Platz drei gestiegen ist das französische Duo Madame Monsieur. Die Dame und der Herr sind das Ehepaar Émilie Satt und Jean-Karl Lucas. Ihr selbstgeschriebener Song Mercy klingt nach modernem Pop fürs Radio, hat aber einen bedrückenden Hintergrund. Es geht um das nigerianische Flüchtlingsmädchen Mercy, das auf einem Boot auf dem Mittelmeer geboren wird. 

Irland Für Michael Schulte ist die Ballade Together des Iren Ryan O’Shaughnessy sein Lieblingslied beim ESC 2018. Das sehen aber nicht alle so. Denn der Text und die Liebesgeschichte zweier männlicher Tänzer, die dabei zu sehen ist, sind eine arg plumpe Ranschmeiße an die Kernzielgruppe des ESC. Schwule Fans lieben und hassen den Beitrag gleichermaßen - und aus Russland kommen die üblichen Proteste. 

Für Michael Schulte ist die Ballade Together des Iren Ryan O’Shaughnessy sein Lieblingslied beim ESC 2018.

Tschechien Justin Timberlake kommt jetzt aus Prag. Der freche Mikolas Josef, ehemaliges Model und Straßenmusiker, war mit seinem ungestümen Lie to me eine der großen Überraschungen des ersten Semifinales. Rap, Trompeten, wilder Ausdruckstanz - der Mix des 22-Jährigen mit der Schulbubenverkleidung macht Spaß. Und seine Produzenten haben schon Felix Jaehn und Sam Smith zu Hits verholfen. 

Finnland Nach dem ersten Auftritt von Saara Aalto beim britischen X Factor war Simon Cowell, der Erfinder der Show, hin und weg: „Genau so macht man das!“ Am Ende der Staffel belegte die Finnin Platz zwei - und zog mit ihrer Lebensgefährtin Meri nach London, um dort Karriere zu machen. Ihr ESC-Song Monsters ist moderner Pop, hinter dem das Team des Schweden Måns Zelmerlöw steht, Sieger im Jahr 2015.

Israel Wenn es nach Youtube geht, ist Netta Barzilai unschlagbar. Mit 22 Millionen Klicks ist ihr Beitrag „Toy“ schon jetzt ein Mega-Hit. Die 25-Jährige liefert ein Riesenspektakel mit Ententanz, schrillen Farben und Hip Hop. „Ich bin nicht Dein Spielzeug, dummer Junge“, heißt es in ihrem Song, der perfekt zur #MeToo-Debatte passt. Die Beth Ditto des Nahen Ostens liegt bei den Wetten auf Platz zwei.  

Mittelmeer-Shakira und der Junge mit der Geige

Zypern Mittelmeer-Shakira oder die Beyoncé der Ägäis? Eleni Foureira, absolute Wett-Favoritin, überzeugt optisch. Der Mix der 31-Jährigen ist kompliziert: Die Albanerin ist in Griechenland ein Star, und startet für Zypern mit dem spanischsprachigen Titel Fuego, der aus einer schwedischen Hitfabrik stammt, in der auch J. Lo und Enrique Iglesias komponieren lassen. Für die Augen schöner als für die Ohren.

Mittelmeer-Shakira oder die Beyoncé der Ägäis? Eleni Foureira, absolute Wett-Favoritin, überzeugt optisch.

Italien Deutschland denkt bei Italo-Pop immer noch an Eros Ramazzotti und Gianna Nannini. Doch die Italiener hören längst neuen Stars zu - zum Beispiel Ermal Meta und Fabrizio Moro. Vor allem Liedermacher Meta (37) kann seine Platin-Platten kaum mehr zählen. Der ESC-Beitrag des Duos ist feinster italienischer Pop mit Botschaft: Non mi avete fatto niente - wir lassen uns vom Terror nicht unterkriegen.  

Michael Schulte: „Mich kann natürlich das gleiche Schicksal ereilen“

Ukraine Wenn’s gut läuft für Mélovin, singt am Samstagabend ganz Europa „Oh oh yeah“. Denn so geht der simple Refrain seines Songs Under the Ladder, einem der radiotauglichsten Ohrwürmer des ESC 2018. In der Ukraine und in ganz Osteuropa ist der 21-Jährige, der auf der Bühne im Vampir-Look einer Gruft entsteigt, dermaßen beliebt, dass bald sein eigenes Parfum auf den Markt kommt. Das riecht nach Top 5. 

Litauen Heute schon an morgen denken - das ist das Motto von Ieva Zasimauskaite. Die 24-Jährige verspricht in When we’re old ihrem Mann Marius, dass sie ihn auch noch lieben wird, wenn sie alt sind. Inspiriert ist die Ballade von Litauens Ex-Präsident Valdas Adamkus, der auch mit 91 noch öffentlich mit seiner Frau Alma turtelt. Und am Ende kommt Marius zum Kuss auf die Bühne. Schluchz! So schön! 

Norwegen Der Junge mit der Geige ist zurück. Alexander Rybak, der 2009 mit seinem Siegerlied Fairytale einen Riesenhit landete, versucht es noch einmal, und zählt zu den Favoriten. Diesmal gibt er Musikunterricht und erklärt mit dem funkigen Ohrwurm That’s how you write a Song, wie man ein erfolgreiches Lied schreibt. Rybak könnte als Sieger gleich doppelt feiern - er wird am Sonntag 32 Jahre alt. 

ESC 2018 in Lissabon: Und so wird abgestimmt 

Alle 43 Teilnehmerländer vergeben Punkte. Zuschauer stimmen per Telefon, SMS und App ab. Zuvor haben bereits nationale Fachjurys entschieden. Deren Wertungen werden zuerst verkündet. Das beste Land bekommt zwölf, dann geht es weiter mit zehn, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei und einem Punkt. Anschließend werden nach dem gleichen Prinzip die Publikumspunkte vergeben. Es siegt das Land mit den meisten Punkten.

Auch interessant

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.