Broadway-Musical kommt nach München

„Sister Act“ im Deutschen Theater: Frauen im Auftrag des Herrn ...

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Preiset den Herrn! Eine Szene aus dem „Sister-Act“-Musical.

München - Die Komödie „Sister Act – Eine himmlische Karriere“ war Anfang der 90er-Jahre ein Kassenschlager in den Kinos. Jetzt kommt das Musical ins Deutsche Theater nach München.

Nonnen halten zusammen, aber sie schminken sich nicht. Das Gleiche sollte auch für die Schauspielerinnen gelten. „Das Gestöhne war groß bei der Ansage: kein Make-Up!“, sagt Darstellerin Abla Alaoui (26), die wir in Berlin treffen. Die zierliche Brünette mimt im Musical Sister Act die schüchterne Nachwuchs-Nonne Mary Robert. Doch die Ansage sei richtig gewesen: Die Gesichter, die aus den Kutten herauslugen, kämen so besser zur Geltung.

Das Broadway-Musical Sister Act lief bis Februar ein halbes Jahr lang im Theater des Westens in Berlin, im Mai kommt es für zwei Monate nach München ins Deutsche Theater. Kein Make-Up und demütige Zurückhaltung – davon erzählt in gewisser Weise auch die Geschichte von Sister Act: Die exzentrische, aber erfolglose Barsängerin Deloris van Cartier (Aisata Blackman) verdingt sich nebenbei als Prostituierte. Bis sie eines Tages sieht, wie ihr Liebhaber Curtis einen Handlanger ermordet – und nun auch ihr nach dem Leben trachtet. Auf Anraten der Polizei versteckt sich die Prostituierte in einem katholischen Kloster. Dort mischt sie die Nonnen und den verstaubten Chor ordentlich auf.

Die Geschichte mag vielen bekannt vorkommen: Die Komödie Sister Act – Eine himmlische Karriere war Anfang der 90er-Jahre ein Kassenschlager in den Kinos. Auf ewig mit dem Film verbunden: Oscar-Preisträgerin Whoopi Goldberg in der Rolle der Deloris. Die mittlerweile 61-jährige Schauspielerin und Sängerin war denn auch Co-Produzentin des Musicals. In London, wo es 2009 Europapremiere feierte, stand sie zeitweise selbst auf der Bühne.

Wenn jeder die Deloris mit Weltstar Whoopi Goldberg verbindet – ist es dann eine Bürde, der Rolle gerecht zu werden? Musical-Darstellerin Aisata Blackman macht eine wegwerfende Handbewegung: „Ich habe den Film noch nie gesehen.“ Bei ihrer ersten Hauptrolle hat die aus der TV-Castingshow The Voice of Germany bekannte Sängerin mit etwas ganz anderem zu kämpfen gehabt: mit der deutschen Sprache. Im Musical werden die von Alan Menken komponierten Lieder gesungen, übersetzt ins Deutsche von Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder. Die neuen Songs haben keinen Bezug zur Filmmusik. Zeig mir den Himmel statt I will follow him. Blackman ist Holländerin mit karibischen Wurzeln. Sie sagt: „Es war nicht einfach, die deutschen Lieder zu lernen.“

Dass es ihr am Ende gelungen ist, hat sie in Berlin mehr als hundert Mal auf der Bühne gezeigt. In fast jeder Szene ist Blackman präsent, schmettert viele Lieder alleine. „Ich kann mich zwischendrin nicht ausruhen“, sagt sie und lacht. Wie man die Stimme bei bis zu acht Auftritten in der Woche fit hält? „Ich schlafe viel, trinke viel und gehe nicht Party machen.“

Hauptdarstellerin Blackman (v.l.), Reporterin Ventker, Darsteller Mansur, Alaoui und Hilpert.

Patzer gebe es selten, beteuern die Darsteller. Nur einmal, da sei einer Nonne die Haube vom Kopf gefallen, erzählt Abla Alaoui. „Und in einem dramatischen Moment am Ende bin ich Aisata einmal auf den Fuß getreten.“

Karim Ben Mansur ist einer der wenigen Männer, die bei Sister Act auf der Bühne stehen. Er spielt den Polizisten Eddie, der sich bei den Mordermittlungen in Deloris verliebt. „Ich find’s schön unter lauter Mädels“, sagt der 21-Jährige, der in jungen Jahren den Löwenjungen Simba im Musical König der Löwen in Hamburg verkörperte. „Das hier ist Frauen-Power.“

Doch die Darsteller schlagen auch nachdenkliche Töne an. „Es passieren so schlimme Sachen, auch hier in Berlin…“, sagt Ben Mansur und hält kurz inne. Nur 500 Meter vom Theater des Westens entfernt liegt der Breitscheidplatz, auf dem im Dezember ein Attentäter einen Lkw in den dortigen Weihnachtsmarkt steuerte. Zwölf Menschen starben. Ben Mansur setzt wieder an: „Umso mehr liebe ich die Message dieses Musicals: Lasst die Liebe rein!“ Seine Kollegin Abla Alaoui pflichtet ihm bei und berichtet von einer denkwürdigen Aufführung. „Letztens hat jemand aus dem Publikum gerufen: ,Das, was die Nonnen können, können wir auch.‘“ Die Schauspieler fanden den Zwischenruf erst unangebracht. „Aber dann hatten wir doch alle Gänsehaut…“

Janina Ventker

„Sister Act“, 19. Mai bis 9. Juli im Deutschen Theater. Karten gibt’s an der Theaterkasse, Schwanthalerstraße 13, und unter Telefon 089/55 23 44 44.

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