Pikante Pressekonferenz

So wird Klassik am Odeonsplatz

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Am 5. Juli spielt Lang Lang bei Klassik am Odeonsplatz.

München - Am Mittwoch zeigte sich Klassik-Star Lang Lang bei der Pressekonferenz zu Klassik am Odeonsplatz. Mehrere Dinge waren pikant daran.

Eine bessere Werbung kann sich die chinesische Führung gar nicht wünschen als Lang Lang. Der Mann aus dem Land des Lächelns hat so viel Sonne in sich, dass er locker für die Stromversorgung einer der über 200 Millionenstädte seines Heimatlandes sorgen könnte. So auch auf der Pressekonferenz am Mittwoch in der Bayern LB zum Thema Klassik am Odeonsplatz, wo Lang Lang mit den Münchner Philharmonikern vor 8000 Zuhörern auftreten wird.

BayernLB – war da was? Nun gut, aber die Mercedes-Filiale am Odeonsplatz konnte man nicht benutzen, wiewohl der gute Stern aus Deutschlands Straßen auch heuer wieder Sponsor des Events unter freiem Himmel ist. Denn Lang Lang macht Werbung für die Konkurrenz von VW …

Und noch eine Pikanterie: Sehr wohl war eine Abordnung der BR-Symphoniker da, allerdings nicht von den Philharmonikern. Denen ist wohl Gergievs Putin-Harmonie auf die Saiten geschlagen.

Apropos Russland: Mit den BR-Symphonikern unter ihrem Chef Mariss Jansons gastiert am 6. Juli das russische Terem-Quartet. Die haben zwar keinen so großen Namen wie Lang Lang, konnten aber mit einer musikalischen Kostprobe die Journaille am Mittwoch ordentlich in Stimmung bringen. Maestro Jansons übrigens schon vor zehn Jahren, seitdem ist der Pultstar Fan des Qualitäts-Quartetts.

Die Daten:

Die Münchner Philharmoniker spielen am 5. Juli ab 20 Uhr auf dem Odeonsplatz unter Alan Gilbert Mahlers Erste und Prokofjews drittes Klavierkonzert mit Lang Lang. Der betont, dass dieses Werk sehr gut geeignet sei für Hörerschichten, die mit Klassik bisher nichts am Hut haben. „Es ist sehr modern.“ Ein paar launige Bemerkungen übers bisher miese Wetter, wenn er spielte, hatte der Tasten-Titan auch noch parat. Und wenn er nicht spricht, dann trommelt er geistesabwesend mit seinen schlanken Fingern auf der Tischplatte. Hat Mozart auch schon gemacht.

Die BR-Symphoniker folgen am 6. Juli ab 20 Uhr mit einem rein russischen Programm. Darunter Tschaikowsky, Schostakowitsch und Glasunow. Viele klangprächtige Preziosen, gewürzt eben mit dem Terem-Balalaika-Ensemble.

Übrigens: Bevor Sie später Ärger mit Ihrer Frau bekommen, weil Sie die Termine der Fußball-WM nicht im Kopf haben: Am 5. Juli ist eine Viertelfinal-Partie. Die beginnt um

18 Uhr und könnte Jogis Jungs zeigen. Nur als kleiner Tipp …

Matthias Bieber

Karten für Klassik am Odeonsplatz von 19 bis 74 Euro erhalten Sie unter Tel. 54 81 81 81.

Bravo!

Die Philharmonie ist lang vorher ausverkauft, wenn Lang Lang kommt. Chinas 32-jähriger Piano-Export Nr. 1 hat seinen Platz in der Welt­spitze. Drei Mozart-Sonaten und die Chopin-Balladen hat der tz-Rosenstrauß-Preisträger 2006 dabei. Im Mozart taucht Lang Lang tief in Details ein, hebt einen Triller aufs Schild, den man in Interpretationen anderer Solisten als hübsche Verzierung wahrnehmen würde. Oftmals spielt er einzelne Töne der linken Hand bedeutungsvoll laut – sie markieren Intervalle und schaffen in der abgestimmten Ausarbeitung der rechten Hand frische Perspektiven und neue Bezüge.

Die Chopinwerke erklingen so, wie sie gemeint sind: Sie erzählen Geschichten voller Melancholie und Manie, jedoch stets mit unerschütterlicher Eleganz. Selbst in pfeilschnellen, hochvirtuose Passagen schafft er durch die Betonung von Einzeltönen neue Bedeutungsebenen. Bravo!

C.F.

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