Videos vom Feuerwerk

"Sommernachtstraum": So waren Scooter, Heino, Nena

München - Die Atmosphäre erinnert ein wenig an den berühmt-berüchtigten Ballermann, nur ohne Mittelmeer und Sangria aus Plastikeimern: sengende Hitze, sogenannte Partymusik an jeder Ecke und angestrengt gute Laune allerorten.

Das ist der „Sommernachtstraum“ im Münchner Olympiapark – eine herrlich willkürliche Mixtur aus Musikfestival, Provinz-Kirmes und Feuerwerk. Das Feuerwerk selbst ist tatsächlich sehr hübsch anzusehen, doch bis man das um kurz nach zehn Uhr abends erblicken darf, stehen noch einige Mutproben an.

Zunächst Scooter, die, um da keine Verklärung oder Geschichtsklitterung aufkommen zu lassen, immer noch die trostloseste, entseelteste, hässlichste Musik machen, die vernunftbegabte Wesen je ersonnen haben. Die Geräuschkulisse, die da erzeugt wird, könnte man ohne weiteres als Angriff auf den gesunden Menschenverstand und die seelische Gesundheit bezeichnen. Aber das ist nicht weiter tragisch, weil der Auftritt kurz ist und sich im Olympiastadion zu diesem Zeitpunkt vergleichsweise wenige Feierbiester verlieren, denen die Musik zu der sie Spaß haben, ziemlich egal ist.

Weitere Videos:

Sommernachtstraum - Video 1

Sommernachtstraum - Video 2

Von der Sonne geschwächt und von Scooter sturmreif geschossen, muss man dann die größte Herausforderung dieses Abends meistern. Heino entert mit einem dröhnenden „Hi, Fans“ die Bühne und versucht sich als deutscher Johnny Cash. Mit einer erstaunlich guten Band im Rücken scheitert er damit grandios. Hölzerne Ansagen („Das Schönste an einem Mann ist die Frau an seiner Seite.“), steife Posen und eine Uncoolness, die regelrecht körperliches Unwohlsein verursacht. Und dann dieser Gesang. Wenn Heino ein Lied wie „Haus am See“ von Peter Fox (um nur ein Beispiel zu nennen) völlig frei von Empathie oder jeden Anflug von echtem Gefühl singt, lässt einen das frösteln, trotz der brüllenden Hitze.

Nach dieser tragikomischen Travestieshow des Rock hat Nena leichtes Spiel. Auch mit 53 ist sie ein verspieltes Bühnentier, das selbst bei grauenhafter Akustik – sehr viel billiger kann man das Olympiastadion nicht beschallen, es sei denn man benutzt die Stadion- Lautsprecher – für Stimmung sorgt. Dass sie ihre alten Hits mit modernistischem Kokolores aufmotzt und so tut, als wäre ihr Kuschelpop jetzt eine ganz wilde Sache, nimmt ihr niemand übel. Das Lied zählt, und Nena hat ein paar Lieder, die so ziemlich jeder kennt und mag.

So geht ein langer Abend zu Ende, an dem man sich zwischendrin schon fragt, ob das alles wirklich hat sein müssen. Nächstes Mal vielleicht einfach nur Feuerwerk. Ginge auch.

Zoran Gojic

Rubriklistenbild: © dpa

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