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Stephen King: So gut ist sein Roman als Comic

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Von: Michael Schleicher

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Bestseller-Autor Stephen King im Porträt.
Stephen King: „Sleeping Beauties“ entstand zusammen mit seinem Sohn Owen. © Oliver Bodmer

Stephen King und sein Sohn Owen haben zusammen den Horror-Roman „Sleeping Beauties“ geschrieben. Nun hat Alison Sampson den Bestseller zu einem Comic umgearbeitet.

Bereits Hamlet ahnte etwas: „Sterben. Schlafen. Schlafen!“, lässt Shakespeare seinen Dänenprinzen zu Beginn des dritten Akts sinnieren. Und weiter: „Vielleicht auch träumen! Ja, da liegt’s: Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt, das zwingt uns still zu steh’n.“

Stephen King hat 2021 den Thriller „Billy Summers“ vorgelegt

Welche Macht haben unsere Träume? Jene Frauen, die in „Sleeping Beauties“, dem Roman von Stephen und Owen King, in einen (scheinbar?) ewigen Schlaf fallen, träumen sich selbst ganz real in eine Art Paradies, einen Garten Eden – derweil auf der Erde der Horror um sich greift. Das Buch erschien 2017 (auf Deutsch im Heyne-Verlag), der heute 73-jährige US-Schriftsteller, den manche Menschen – völlig unverständlich – nach wie vor zur Trivialliteratur zählen, hat es zusammen mit seinem jüngsten Sohn Owen geschrieben, der 1977 geboren wurde. Vor wenigen Monaten hat Stephen King seinen spannenden Roman „Billy Summers“ über einen Auftragskiller vorgelegt.

In „Sleeping Beauties“ erzählen die beiden Kings von einer mysteriösen Schlafkrankheit, die sich pandemisch rund um den Globus verbreitet; das Skript entstand lange vor der aktuellen Corona-Pandemie. Wer sich im Buch der Kings ansteckt, schläft ein und kann nicht mehr aufwachen, dessen Körper verpuppt sich mit klebrigen Spinnweben. Wer indes versucht, die Erkrankten aus ihren Kokons zu befreien, erlebt ein blutiges Inferno. Kliniken, Polizei, Politik stehen vor mehr als einem Rätsel, zumal die Krankheit tatsächlich eben nur Frauen zu quälen scheint. Gekonnt spielen Vater und Sohn King mit medizinischen Fragen, Gesundheitswahn, Massenhysterie, Übernatürlichem und dem ganz normalen menschlichen Wahnsinn.

Stephen King hat „Sleeping Beauties“ mit seinem Sohn Owen geschrieben

Wie es endet, sei hier nicht verraten. Doch die bildersatt geschriebene Geschichte hat auch die britische Künstlerin Alison Sampson fasziniert: Sie hat „Sleeping Beauties“ im vergangenen Jahr als Graphic Novel adaptiert – der erste von zwei Bänden ist soeben in der deutschen Übersetzung erschienen („Sleeping Beauties 1“. Splitter-Verlag, 128 Seiten; 19,80 Euro). Autor Rio Youers, spezialisiert auf so ziemlich alles, was sich spannend liest, hat den Roman der Kings beherzt gekürzt und für das Medium Comic aufbereitet. So bekommt die Erzählung ein höheres Tempo. Nochmals angezogen wird es durch Sampsons grafische Umsetzung. Zwar folgt die Britin auf den meisten Seiten der für das Medium klassischen Struktur: Sie setzt Panel nach Panel. Doch sind diese Einzelbilder hier regelmäßig angeschnitten, verweigern sich – manchmal nur knapp – dem rechten Winkel oder sind als Bild-im-Bild angeordnet. Das Schräge, das sich über alle Seiten zieht, passt herrlich zur Dramaturgie des Wahnsinns, der unter dem dünnen Firnis der Zivilisation geschlummert hat.

Triona Farrell hat für die Sampson-Zeichnungen ein stimmiges Farbkonzept entwickelt: Die irische Künstlerin hält die Szenen, die in der Realität spielen, in gedeckten Braun- und Grüntönen. Je mehr Frauen in den Schlaf fallen, desto trister wird die Kolorierung. Das Traumland dagegen schillert kräftig und vielfältig. Oder ist das nur eine optische Täuschung?

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