Süden-Autor Ani: Warum ihn Straßennamen inspirieren

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Friedrich Ani mit seinem neuen Roman

München - Kommissar Tabor Süden ermittelt zum 15. Mal. Im tz-Interview erklärt Autor Friedrich Ani, warum ihn Straßennamen inspirieren.

Er war und ist seine Lieblingsfigur. Trotzdem hat der preisgekrönte Münchner Schriftsteller Friedrich Ani sechs Jahre Pause gemacht mit Tabor Süden. Jetzt lässt er den Eigenbrötler und kuriosen Ex-Kommissar aus Giesing wieder Vermisste suchen, und das zum 15. Mal. „Ich habe Süden vermisst und zurückkommen lassen, weil ziemlich viel Ani in ihm steckt“, sagt der 52-Jährige zur tz. Zum Schluss des 14. Romans floh Süden aus München und fand vorübergehend Zuflucht in Köln. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit wieder ein, der Anruf des verschollenen Vaters lockt ihn nach München. Dort landet er dann in der Kuhfluchtstraße. Warum, erklärt Friedrich Ani im tz-Interview.

Kuhfluchtstraße, Salzmesserstraße, Scharfreiterstraße — im neuen Tabor-Süden-Roman spielen kuriose Münchner Straßennamen eine große Rolle. Ist das Ihr neuer Dreh?

Friedrich Ani: Ja, das ist eine neue Spielerei: ein Roman rund um klangvolle Straßennamen, die Bilder erzeugen und für sich stehen. Ein Konzept, das ich weiterentwickeln werde. Es gibt ja noch mehr Straßennamen, die eine Geschichte beinahe schon mitbringen.

Bestimmt. Kennen Sie die Straße „Bessere Zukunft“ in Gräfelfing?

Ani: Nein. Das klingt ja beinahe ein bisserl dick aufgetragen, aber auch interessant. Man müsste nachforschen, warum die Straße so heißt. Es könnte eine gute Geschichte dahinterstecken.

Sie sind also wieder voller Lust auf Süden. Ist er Ihre Lieblingsfigur?

Ani: Ich habe ihn vermisst als Mittelsmann für meine Geschichten. Er hat die optimale Art, sich in den Milieus herumzutreiben, die mich interessieren, und entdeckt dort die Personen, die da seltsam verschattet und verloren in der Gegend herumstehen. Die Eigenbrötler sind viel spannender als diejenigen, die im Scheinwerferlicht stehen.

Wie viel Süden steckt in Ihnen?

Ani: Viel. Aber es ist auch noch Platz für andere. Ich halte mir meine Romanfigur sozusagen auf einer gesunden Distanz.

Gibt es Parallelen zwischen Ihren Lebensgeschichten?

Ani: Unsere Biografien sind verschieden, meine Vergangenheit war anders schwer als die von Süden. Seine Geschichte hat trotzdem viel mit meinen Wunden zu tun.

Sind Sie auch ein Einzelgänger?

Ani: Ja, ich bin auch ein Eigenbrötler, und mit dem Alter wird das nicht besser. Aber es muss möglich sein, nicht mit dem Strom zu schwimmen und bei Rot über die Ampel zu gehen. Auch bei meinen Jugendbüchern gilt das Motto: Allein sein ist erlaubt.

Der schweigende Mann an der Bar?

Ani: Ja, so einer bin ich, für meine Partnerin ist das sicher nicht immer einfach. Aber diese Männer sterben aus. Heute quatscht man entweder ins Handy oder den Barkeeper voll. Aber dass jemand einfach nur schweigt, das gibt es immer seltener.

Apropos Alleinsein: Sind Sie bei Face­book – und wenn ja, haben Sie dort viele Freunde?

Ani: Ja, seit einem Jahr, und ich habe zugegebenermaßen dort Hunderte von Freunden. Obwohl es eine vollkommene Pervertierung des Begriffs ist, dass man die Kontakte dort Freunde nennt. Ein existenzieller Witz. Dass ich bei ­Facebook bin, wenn auch nicht sehr aktiv, das unterscheidet mich von Süden. Der wäre niemals bei Facebook. Selbst das Handy nimmt er nur seiner Chefin zuliebe.

Interview: Susanne Sasse

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So ist Anis neuer Roman

Etwas derangiert steht Tabor Süden zu Romanbeginn in München herum. Er hat zugenommen, bei der Polizei gekündigt und gekellnert. In Köln am Eigelstein. „Das ist das Giesing von Köln“, erklärt der Autor. Weg ist Süden aus München, weil er niemanden mehr suchen wollte. Aber zum Glück ist er nun endlich wieder zurück. Süden nimmt den Leser mit, wenn er eintaucht in die Welt der Münchner Kneipen. In diese Welt, wo Süden so lange und beredt schweigt, bis ihm alle ihre Lebens­lügen und Sehnsüchte gestehen.

Im Vordergrund stehen die Suche nach dem verlorenen Vater und einem verschwundenen Wirt, aber eigentlich geht es um die Sehnsucht nach Menschen, die man irgendwann verloren hat – sind sie nun verschwunden oder nicht. Die Spuren führen nach Sylt. Dorthin, wo auch Friedrich Ani mit seiner Freundin Ina Jung am liebsten Urlaub macht. Allerdings gerne im Winter und eingedeckt mit Büchern. „Die Nordsee ist mein Sehnsuchtsmeer“, sagt Ani. Wer Friedrich Ani live erleben will, kann dies beim Münchner Krimifestival. Zwar ist die Lesung am heutigen Dienstag im Substanz schon ausverkauft, aber es gibt eine zweite Tabor-Süden-Nacht: Friedrich Ani liest am 5. Mai um 20 Uhr im Interim (Am Laimer Anger 2). Dort spielt auch die Bayerische Blues Band „Schorsch & de Bagasch“, die einen Süden-Song komponiert hat. Eine Karte kostet 12 Euro, Reservierungen unter Telefon 54 67 41 11.

svs

Einfach nur „Süden“ heißt Anis neuer Krimi, benannt nach seinem Helden Tabor Süden (Verlag: Droemer, 368 Seiten, 19,99 Euro).

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