Am Montag Opern-Premiere

Taras nächster Triumph winkt

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Tara Erraught ist jetzt wieder im Nationaltheater zu erleben.

München - Tara Erraught hat mal wieder die Hosen an, wenn sie ab Montag erneut in einer Hauptrolle die Bühne des Nationaltheaters entert.

Die erst 27-jährige Mezzosopranistin singt in Mozarts später Oper La clemenza di Tito den Sesto (Inhalt: siehe unten). Generalmusik­direktor Kirill Petrenko wird sich in seiner Chef-Funktion erstmals Mozart widmen. Und die sympathische Irin Erraught ist voller Energie und Tatendrang – so kennt man die Dame.

„Der Sesto ist ein bisschen älter als der Cherubino aus Mozarts Figaro und nicht mehr so naiv. Er kennt die Welt und die Menschen schon etwas besser. Genauso geht es mir auch. Nach dem Cherubino und dem Sifare aus Mitridate fühle ich mich nun in der dritten Mozart-Hosenrolle total wohl. Sie sitzt bequem“, lacht Tara Er­raught, die sich freut, dass sie in dieser Neuproduktion von Freunden umgeben ist.

„Annio ist der beste Freund des Sesto – und im wirklichen Leben ist Angela Brower, die den Annio singt, meine beste Freundin“, strahlt sie. Als Sestos Schwester Servilia debütiert Hanna-Elisabeth Müller. Und den Publio singt Tareq Nazmi. Dieses jugendliche Quartett kennt sich aus dem Opernstudio des Hauses, von wo aus die vier den Sprung ins „große“ Ensemble geschafft haben.

Nach dem kurzfristigen, höchst erfolgreichen Einspringen für Vesselina Kasarova als Romeo in I Capuleti e i Montecchi durfte Erraught nun den Sesto intensiv erarbeiten. „Diesen jungen Mann quälen Probleme, die immer aktuell sind: Er hat den Kopf voll von Vitellia, aber weiß er, was Liebe ist? Er hat nur einen Kopf, nur ein Herz, und er kann nicht loyal sein gegenüber Tito. Der Stress wächst von Schritt zu Schritt.“ Wie sie das angeht? „Ich spiele nicht viel, ich bin einfach nur echt und verstehe, was in Sesto vorgeht.“

Die vier Debütanten bestürmten Regisseur Jan Bosse bei den Proben mit „tausend Fragen und Ideen“, die sich in zwei, drei Jahren Rollenstudium in den Köpfen aufgetürmt hatten. Erraught: „Er ist unglaublich geduldig und wunderbar offen. Genau wie Kirill Petrenko, der alles mit uns in Ruhe erarbeitet.“

Dass sie in München als Sesto in die Fußstapfen von Brigitte Fassbaender tritt, weiß sie. Und war klug genug, sich bei der großen Kollegin Rat zu holen. Schon ihren Hänsel hat sie mit ihr im privaten Studium erarbeitet. Auch beim Octavian (Rosenkavalier) ist die Fassbaender die beste Ratgeberin. „Sie hat große Geduld und verrät mir viele ‚little tricks‘“, schmunzelt Erraught, die im Mai ihren ersten Octavian beim Glyndebourne Festival singt.

Auch wenn die strahlende, lebhafte Irin als Mezzo immer wieder in Hosen und Haut der Opern-Burschen schlüpfen muss – es darf auch ein Rock sein: Schon im März wartet Rossinis Cenerentola (Aschenputtel) im Nationaltheater auf sie. „Zu meinem 14. Geburtstag bekam ich von meiner Mama ein Video dieser Inszenierung von Ponnelle geschenkt. Dass ich die Cenerentola jetzt hier singen darf, macht mich überglücklich: Meine ganze Familie, 14 Personen, reist an. Sogar mein Opa mit 87! Sie alle wissen, wie sehr ich diese Produktion liebe.“

Überhaupt wartet ein international strammes Programm auf Erraught, die als Ensemblemitglied der Staatsoper an 34 Abenden auf der Bühne des Nationaltheaters agiert. Aber 2015 geht es ruhiger zu, ohne große Rollendebüts. „Das ist gut für die Stimme“, weiß der Shootingstar, der sich momentan bei Mozart und Rossini gut aufgehoben fühlt. „Mozart ist Honig für die Stimme.“

Erraught verbringt ihre Zeit gern in München. „Hier bin ich daheim und habe auch einen bayerischen Freund“, erzählt sie fröhlich und schwingt sich aufs Fahrrad, um rechtzeitig zum Produktionsessen beim Intendanten zu sein … G. Luster

Der Inhalt der Oper

Die machthungrige Vitellia (Kristine Opolais) will den neuen römischen Kaiser Titus heiraten. Der allerdings will seine geliebte Berenice ehelichen. Das klingt nach Rache! Und so beauftragt ­Vitellia einen der engsten Freunde Titus’, Sesto (Tara Erraught), den Herrscher zu ermorden. Warum er das tatsächlich ausführen will? Weil er Vitellia mit Haut und Haaren verfallen ist. Sesto organisiert eine Verschwörung. Die scheitert, und Titus kommt dahinter. Kann der mächtige Herrscher verzeihen?

Tickets & mehr

Am Montag ist Premiere von Mozarts La clemenza di Tito im Nationaltheater. Mit dabei sind u. a. Toby Spence (Titus), Angela Brower (Annio), Hanna-Elisabeth Müller (Servilia) und Tareq Nazmi (Publio). Weitere Vorstellungen: 12., 15., 20., 23. und 26. Februar, Karten gibt’s unter Tel. 21 85 - 19 20.

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