Neue Rolle an der Bayerischen Staatsoper

Tenor Vogt im Interview: „Tannhäuser will niemandem wehtun“

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Steht bei jedem Auftritt im Fokus: Tenor Klaus Florian Vogt tritt an der Bayerischen Staatsoper als Tannhäuser auf.

Klaus Florian Vogt spielt den Tannhäuser im neuen Stück an der Bayerischen Staatsoper. Im Interview gibt der Tenor Einblick in seine Arbeit.

München - Klaus Florian Vogt (47) ist der Lohengrin unserer Zeit. Umso spektakulärer am Sonntag dieses Rollendebüt im schweren Heldentenorfach: Der Holsteiner übernimmt die Titelrolle im neuen Tannhäuser an der Bayerischen Staatsoper, Kirill Petrenko dirigiert. Unser Interview:

René Kollo pflegte zu sagen, der erste „Tannhäuser“-Akt sei das Schlimmste für einen Tenor.

Klaus Florian Vogt: Das kann ich ja noch nicht sagen (lacht). Die Venus-Lieder sind schon heftig. Auch das Schlussensemble hat’s wirklich in sich. Ich habe mich abschnittsweise auf die Partie vorbereitet. Das hilft mir mehr in der Feinarbeit. Wenn man versucht, alles technisch genau auf Linie zu singen, wird auch die Langstrecke leichter.

Tannhäuser verlässt Elisabeth, gibt sich Venus hin, kommt zurück, ist immer noch von der Liebesgöttin beseelt und tut das seiner Geliebten kund - ist der Ihnen sympathisch?

Vogt: Ich sehe den nicht so negativ. Tannhäuser will eigentlich niemandem wehtun. Er ist ein wankelmütiger, leicht verführbarer, auch neugieriger Charakter. Tannhäuser ist gedanklich immer irgendwo anders. Er ist ständig auf der Suche und kann nie mit der Gegenwart zufrieden sein.

Wie belastend ist das eigentlich, dass man Rollen in Ihrer Position gar nicht mehr ausprobieren kann? Egal, wo man singt, sofort steht man im Fokus…

Vogt: Das ist ein gewisses Problem. Ich hätte es sicher schön gefunden, solche Partien an einem kleineren Haus auszuprobieren - aber das funktioniert einfach nicht. Also muss man zu der Haltung kommen, dass das Debüt-Haus nicht die entscheidende Rolle spielt.

Sind Sie auch in dieser ­Probenphase mit Ihrem ­Camper wieder hier?

Vogt: Selbstverständlich. Ostern im Schnee, das hatte ich mir allerdings nicht so vorgestellt.

Nehmen Sie sich mit solchen Gepflogenheiten auch bewusst zurück aus der Opernszene?

Vogt: Vielleicht hat das damit etwas zu tun. Ich bin gerne in einer anderen Welt, das trifft sich irgendwie mit dem Tannhäuser. Ich kenne diese Situation schon auch - dass man nach einer Vorstellung im Hotelzimmer ganz allein und fremd ist. Es ist also erleichternd, wenn man sein eigenes Zuhause dabei hat. Schließlich ist es schwer, nach einem Lohengrin und sicher auch nach dem Tannhäuser wieder runterzukommen.

Andererseits suchen Sänger dauernd diesen Adrenalinkick…

Vogt: Klar, den braucht man ja auch. Für diese Art des Leistungsabrufs, wie ich das mal nennen will, ist Adrenalin dringend notwendig. Und wenn eine Vorstellung gut läuft, wenn man ganz drin ist, ist das das Wunderbarste, was einem passieren kann.

Ihre Stimme wäre auch ­ideal fürs französische Fach. Ist dies das alte Problem mit dem Schubladendenken?

Vogt: Gegen den Stempel „Wagner-Tenor“ habe ich gar nichts. Ich bin dieser Musik nun mal verfallen.

th

Termine und Karten im Netz: www.staatsoper.de

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