Im Auftrag Ihrer Majestät

The Queen's Six singen in der Theatinerkirche - Eintritt frei

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Die Queen's Six.

München - Die Queen's Six sind in der Stadt! Und sie können Dan, Tim und ihre vier Mitstreiter am Freitag live und ohne Eintritt erleben. Wir trafen sie vorab in München.

Na, der Queen of England schon mal die Hand geschüttelt? Wir auch nicht, so lang reicht der Arm nicht. Aber immerhin haben wir jetzt gleich zwei Hände geschüttelt, die der Queen wiederum die Hand geschüttelt haben. Royaler Händedruck aus zweiter Hand, sozusagen. Möglich machten dieses Ereignis Daniel Brittain und Timothy Carleston. Die beiden sind beim britischen Königshaus angestellt und veredeln royale Besuche mit ihren Goldkehlen. Das Beste: Sie können Dan, Tim und ihre vier Mitstreiter am Freitag live und ohne Eintritt erleben – um 19 Uhr singen sie in der Theatinerkirche Vokalmusik und Arrangements aus fünf Jahrhunderten von der Renaissance bis ins Heute. Die Queen's Six sind in der Stadt!

Und wie begrüßt man so eine Königin, wenn man ihr die Hand gibt? Mit „Your Majesty“ und dann, wenn das Eis quasi gebrochen ist, mit „Mum“, klären uns Dan und Tim auf. Dazu eine Verbeugung nach good old tradition.

Apropos Tradition: Die sechs Sänger singen nicht nur für den königlichen Hofstaat, sondern leben auch auf Schloss Windsor (siehe Stichwort unten)! In über 600 Jahren alten Gebäuden, in denen seit eh und je Geistliche und Bedienstete logieren. Tür an Tür – nichts für Individualisten, oder?

Timothy Carleston und Daniel Brittain im Gespräch mit tz-Redakteur Matthias Bieber (v.l.).

„Es ist zumindest immer jemand da, wenn man Hilfe benötigt. Man kümmert sich umeinander“, sagen die beiden. „Vielleicht muss man aber auch ein bisschen autistisch veranlagt sein …“, grinst Dan. „Doch jeder kann auch seine Ruhe haben, wenn er will. Aber wir mögen uns und haben eine Menge Spaß zusammen“, sagt Tim – und das glaubt man ihm. Der Deutsch-Engländer Dan hat übrigens sein Abi auf der Europäischen Schule in Neuperlach gemacht und kam über Umwege in den Genuss der, pardon, Boygroup Eliza­beths. Gut, so würde die Queen die sechs nicht unbedingt bezeichnen, lachen die beiden, aber irgendwie ist schon was dran. Dass es diese Anstellung überhaupt gibt, das konnten weder Dan noch seine Eltern zunächst glauben. Und wenn die Jungs heute etwa einen Pizzaboten bestellen oder sich per Taxi heimchauffieren lassen, dann ernten sie gern mal den Spruch des Fahrers: „Sind Sie sicher?“

Über Vertragsdetails der Anstellung dürfen sie nicht sprechen, nur so viel: Man müsse dem anglikanischen Glauben nahestehen, heißt es. Was nicht bedeutet, dass man getauft sein muss. Die Sänger sind schließlich weltliche Angestellte. „Aber wer keinen Bezug zum Glauben hat, der würde sich für so einen Job auch nicht bewerben“, sind sich die Countertenöre der sechs Sänger sicher. Sie sind natürlich nicht allein auf Windsor für die tägliche Gottesdienst-Musik verantwortlich: Insgesamt gibt es zwölf Männerstimmen in der gotischen „Chapel“, und bis zu 24 Knaben zwischen sieben und 13 Jahren. Ein Internat ist angeschlossen.

Die Queen ist amused über ihre „The Queen's Six“ auf Schloss Windsor. Am Freitag um 19 Uhr singen sie in der Theatinerkirche.

Die Queen, berichtet das Duo, ist mindestens zwei Mal pro Jahr offiziell zu Besuch, um ihren Six zu lauschen. An Ostern und am Garter Day, der großen Zeremonie zur Verleihung der Hosenband-Orden. Dann erklingt in der Regel geistliche Musik, vom Schloss zur Kapelle schreitet eine ewig lange Prozession, die Gäste tragen schwere Schichten historischer Edel-Kleider, und am Rand jubeln Tausende Briten und Neugierige Königin und Adel zu.

Wie sieht der Alltag aus? „Wir haben ab und an eine Woche unter dem Jahr frei, ansonsten die großen Ferien, wenn auch keine Schule ist, von Mitte Juli bis September. Unser offizieller Arbeitstag beginnt um 16.30 Uhr mit dem Einsingen, um 17.30 Uhr ist dann Evensong, also die Vesper.“ Diese Gottesdienste sind übrigens für alle da. „Es kann sein, dass nur ein Gast da ist, aber auch, dass die Kirche rappelvoll ist. Woran das liegt, wissen wir selbst nicht so genau“, sagen die Sänger. Sechs Tage lang wird gesungen, der Mittwoch ist frei. Und im Sommerurlaub gehen The Queen's Six gerne auf Tournee.

Oder schwimmen. Vor dem Interview, erzählen uns Dan und Tim, sind sie und zwei Kollegen von Icking bis Schäftlarn geschwommen. Die Kollegen sind mit dem Auto vorgefahren. Und dann ging’s zum Schnitzelessen zum Bruckenfischer.

Königliche Sänger

Wir trafen die beiden Countertenöre der Queen's Six, Timothy Carleston (l.) und Daniel Brittain, zum Interview im Fleming’s am Hauptbahnhof. Timothy ist seit 2009 auf Schloss Windsor als Sänger angestellt und seit drei Jahren bei den Queen's Six. Er hat vier Kinder, zwei leben noch mit ihm auf dem Windsor-Anwesen. Daniel ist seit 2011 beim Chor und seit zwei Jahren bei den königlichen Six.

tz-Stichwort: Windsor Castle

Schloss Windsor ist das größte und älteste durchgängig bewohnte Schloss der Welt. Die Ursprünge liegen in der Zeit Wilhelm des Eroberers im 11. Jahrhundert. Das heutige Schloss wurde im 15. Jahrhundert errichtet, erzählt uns Dan. Der Chor freilich ist schon rund 100 Jahre älter und existiert seit 1348. Zusammen mit dem Buckingham Palace und dem Holyrood Palace (Edinburgh) ist Windsor eine der offiziellen Hauptresidenzen der britischen Royals.

Matthias Bieber

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