Event im Müller'schen Volksbad

Bei seiner Oper gehen nur die Sänger baden

+
Regisseur Wiedermann lädt ins Volksbad

München - "The Turn Of The Screw" wird ab 31. August im Müller'schen Volksbad aufgeführt. Die Sänger gehen bei dieser Oper baden. Die tz sprach mit Regisseur Andreas Wiedermann.

Ein Glück: Das Müller’sche Volksbad wird gerade renoviert, und daher ist es frei für eine neue Unternehmung der Opera Incognita. Darauf ist, nach dem verblüffend gelungenen Mozart’schen Idomeneo vor zwei Jahren, jeder neugierig, der Spaß hat an Andreas Wiedermanns Exkursionen zu ungewohnten Spielräumen für wohlbekannte Opern.

Am 31. August hat zum 100. Geburtstag von Benjamin Britten seine Kammeroper The Turn Of The Screw (Die Drehung der Schraube) Premiere. Sie entstand 1954 und beruht auf einer unheimlichen Erzählung von Henry James von 1898. Wir sprachen mit dem 1978 in Deggendorf geborenen Wiedermann.

„Idomeneo“, in der es von Schiffbrüchigen nur so wimmelt, hat einen starken Bezug zum Wasser. Aber „The Turn of The Screw“? Da gibt es doch nur eine Szene mit einem See?

Andreas Wiedermann: Die See-Szene ist nur ein Punkt für unsere Wahl. Aber es kommen musikästhetische Gründe dazu. In der nicht einfachen Akustik des Volksbads kann man eigentlich nur Barockes und Neues machen. Wir wollten ein Stück des 20. Jahrhunderts, und das in neuen Bildern zeigen. Das spielt ja immer in einem geschlossenen Raum, in einem englischen Landhaus. Wir versetzen es in ein englisches Seebad um 1900, Übrigens wurde das Müller’sche 1901 erbaut – und bringen richtigen Badebetrieb ans Wasser. Auch im Kostüm, mit Hüten, Badeklamotten von 1900, Sockenhaltern …

Wo kommen die Personen dafür her?

Wiedermann: Ernst Bartmann hat den originalen Prolog für vierstimmigen Chor gesetzt, weil wir unseren Chor ja auch beschäftigen wollten. Und in der ersten Szene geht die neue Gouvernante, die selber nicht schwimmen kann, auch gleich mit den Kindern baden.

Das Stück um die beiden letztlich allein gelassenen Waisenkinder ist ja beklemmend, voller Andeutungen …

Wiedermann: … die nie aufgelöst werden. Aber da müssen wir, wie Britten, ganz genau die Spuren verlegen.

Es kommen Geister vor, die nur von den Kindern gesehen werden, sie ins Wasser locken. Am Ende ist der kleine Miles tot. Das Stück hat mit Missbrauch zu tun; es passt genau in unsere aktuelle Situation.

Wiedermann: Ja, mit Missbrauch und Verdrängung. Auch darum haben wir es ausgesucht. Und das Wasser steht bei uns für den Ort der Verführung, als das Libidinöse.

Sie brauchen zwei richtig gut singende Kinder. Woher nimmt man die?

Wiedermann: Das war echt schwer. Wir haben nach dem Jungen ein halbes Jahr gesucht und wollten schon aufgeben. Einen Tölzer Knaben können wir uns nicht leisten, aber schließlich fanden wir einen Zwölfjährigen aus einer Musikerfamilie aus Passau, der auch Cello spielt, was der Arbeit sehr nützt. Und das Mädchen ist 14, hat schon Gesangsunterricht. Die Kinder sind morgens immer als Erste da. Wenn wir kommen, sind die schon im Wasser. Immer mit Thermopren unter den Kleidern, auch der Chor. Sonst wird es bei den langen Proben zu kühl.

Gesungen wird im englischen Original?

Wiedermann: Ja, aber wir schmeißen Übertitel hin.

Interview: Beate Kayser

„The Turn Of The Screw“: am 31. August, am 4., 5., 6., 8., 10. und 11. September. Karten-Tel. 0151 / 158 09 091.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

auch interessant

Meistgelesen

Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
Die Elbphilharmonie ist Hamburgs neue Perle
Die Elbphilharmonie ist Hamburgs neue Perle
Welttournee beginnt: Abflug für LaBrassBanda
Welttournee beginnt: Abflug für LaBrassBanda

Kommentare