Premieren-Kritik

The Wiz im Deutschen Theater: Zauber ist in uns

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Reinwald Kranner als „Wiz“, der Zauberer von Oz.

München - Im Deutschen Theater München feierte das Familienmusical "The Wiz – Der Zauberer von Oz" Premiere: die Kritik.

Der vierbeinige Star des Abends darf nach seinem Auftritt zurück ins Körbchen. Tatsächlich: Da springt ein echter Hund auf der Bühne herum. Macht Männchen, tanzt und wedelt mit dem Schwanz. Begeistertes Klatschen bei den kleinen und großen Premierengästen am Samstag im Deutschen Theater in München. Und Entwarnung für alle Tierfreunde: „Toto“ sorgt nur in der Eröffnungsszene für Freudenquietschen im Publikum. Er muss an diesem Abend nicht mit auf die abenteuerliche Reise seines Frauchens gehen.

Anders als in L. Frank Baums Kinderbuchvorlage „Der Zauberer von Oz“ werden nicht beide, sondern Dorothy (Ariana Schirasi-Fard) allein durch einen Wirbelsturm aus ihrer Heimat Kansas in das märchenhafte Munschkinland gewirbelt.

Und wie! Heftig wird sie von den Sturmböen hin- und hergeschubst, das Haus ihrer Tante Em und ihres Onkels Henry gleich mit. Bei der unsanften Landung im kunterbunten Munschkinland hat die eine Hauswand gleich mal die böse Hexe des Ostens, Evvamene, umgehauen. Treffer! Die Hexe ist tot. Und Dorothy für die quirligen Munschkins eine Heldin.

Die knallige Welt, die Kim Duddy hier inszeniert hat, ist herrlich schräg und erinnert mit ihren komischen Charakteren und den quietschigen Kostümen an die kultige Klimbim-TV-Familie. Köstlich: die gute Hexe des Nordens, Addaperle – Daniela Dett spielt sie als überdrehtes Naivchen mit Popsternchen-Attitüde. Daneben wirkt die in ihrer Rolle perfekt besetzte Ariana Schirasi-Fard noch mehr wie das liebe Mädchen vom Lande, das langsam erwachsen wird – aber nicht weiß, wohin ihre Reise gehen soll. Diese Suche nach sich selbst hat L. Frank Baum in seinem Kinderbuchklassiker schon 1900 fantasievoll beschrieben. Dass das Märchen über das Erwachsenwerden auch über 100 Jahre später noch glänzend funktioniert, beweisen Schirasi-Fard, die selbst mit geradezu kindlicher Freude auf der Bühne steht, und ihre drei Weggefährten. Witzig: Rob Pelzer als Vogelscheuche, die nicht nur mit ihrem holländischen Akzent, sondern auch immer wieder mit kunstvoll vollführten Slapstickeinlagen (denn das Gehen fällt ihr schwer) für Lacher sorgt. Genau wie der Blechmann, den Oliver Liebl mit österreichischem Dialekt und – der Rost! – stakkatohaften Bewegungen zum Leben erweckt. Richard McCowen schließlich brüllt und schnurrt als „feiger Löwe“ so schön wie kein anderer.

Gemeinsam wandern sie zum dandyhaften Zauberer von Oz (Reinwald Kranner), damit er der einfältigen Vogelscheuche ein Hirn, dem Blechmann ein Herz, dem feigen Löwen Mut und Dorothy heim nach Kansas zaubere.

Auf ihrer etwas mehr als zweieinhalb Stunden langen Reise (eine Pause) kommt nicht ein Mal Langeweile auf. Zwar fallen die gefährlichen Szenen mit gar nicht so furchterregenden Kalidahs oder der bösen Hexe des Westens relativ harmlos aus. Dafür erleben wir umso mehr Witz und bestärkende Lieder des durchweg sanglich und tänzerisch überzeugenden Ensembles samt hervorragender Band – und erfahren am Ende noch ein Geheimnis: Hoffe nicht auf Zauberer, denn ein Zauber liegt in jedem von uns selbst. Man muss nur auf ihn vertrauen.

Großer Jubel.

Weitere Vorstellungen

bis 6. Juli;

Telefon 089/ 55 23 44 44.

Katja Kraft

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