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Trauer um Larry King: Die schwere Kunst der leichten Fragen

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Von: Katja Kraft

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25 Jahre lang moderierte Larry King immer zum gleichen Sendetermin „Larry King Live“ – Weltrekord.
25 Jahre lang moderierte Larry King immer zum gleichen Sendetermin „Larry King Live“ – Weltrekord. © ABC

Zuletzt war er mit Covid-19 im Klinikum eingeliefert worden. Nun ist Larry King, der König der Talkshow-Moderatoren, im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Promi-Welt trauert.

Der König ist tot. „Es lebe der König!“, zwitschern seine berühmten Anhänger in den Sozialen Netzwerken. Larry King, 25 Jahre Moderator der CNN-Talkshow „Larry King Live“, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Für Celine Dion, Bill Clinton, Jimmy Kimmel, Elizabeth Taylor und so viele andere Schauspieler, Showleute, höchstrangige Politiker war King wie ein Freund. „Du gabst einem immer das Gefühl, allein mit dir im Raum zu sein“, schreibt Bette Midler am Samstag, als die Todesnachricht umgeht. Das war sein Geheimnis. Und seine größte Schwachstelle.

Hier wollten sie ihn kriegen, die neidischen Kollegen und kritischen Geister, die den 1933 in Brooklyn geborenen Larry King, in dessen Geburtsurkunde Lawrence Harvey Zeiger steht, nie ganz ernst nahmen. Denn eigentlich, Journalisten-Einmaleins, soll man sich ja nicht verbrüdern mit den Interviewpartnern. Kritische Distanz, „knallhart nachgefragt“ lautet die professionelle Devise. Nicht so bei King. Er war durch keine Journalistenschule gegangen, sein Leitfaden in jedem Interview war persönliches Interesse.

Eigentlich hieß er Lawrence Harvey Zeiger - zu kompliziert, fand der Chef

Als Sohn einer jüdisch-orthdoxen Einwandererfamilie in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, schlug er sich nach der High School mit Gelegenheitsjobs durch. Mit 22 zog er nach Florida; arbeitete dort als DJ beim Radio. Hier bekam er seinen Künstlernamen. Lawrence Harvey Zeiger, das war seinem Boss nicht griffig genug. Der Chef sah eine Werbung von „King’s Liquor“ – und benannte ihn kurzerhand in Larry King um. Nomen est Omen: Nach langjähriger Moderation für fürs Fernsehen bei WLBW startete am 3. Juni 1985 auf CNN die Sendung unter seinem neuen Namen – er wurde zum König der Talkshows.

„I don’t pretend to know it all“, formulierte er selbst einmal sein Erfolgsrezept. Er gebe nicht vor, alles zu wissen. Deshalb, so King, befragte er einen US-Präsidenten nicht nach politischen Konflikten wie der Kubakrise – sondern lieber: „What don’t you like about this Job?“ oder „What’s the biggest Mistake you made?“ Solche Fragen, die, die jeden Menschen auf der Straße interessieren würden, das faszinierte ihn.

Dass er nie die Schwächen seines Gegenübers ausnutzte, brachte ihm Vertrauen ein. Deshalb kamen sie alle. Selbst Männer wie Frank Sinatra oder Marlon Brando, die berüchtigt für die Ablehnung jedes Interviews waren. Gleichzeitig sorgte die unaufgeregte Plauderatmosphäre, die er schuf, für Kritik. Ein Gespräch wie unter Freunden mag mit Menschen wie Lady Gaga legitim sein. Aber ist es das auch bei ambivalenten Typen wie Wladimir Putin oder O. J. Simpson? Letzterer durfte am Tag nach seinem umstrittenen Freispruch bei King sprechen. Zugeschaltet per Telefon. Mehr als die mit einem Grinsen formulierte Frage „Wie geht’s?“ konnte King in diesen dreieinhalb Minuten kaum äußern. Simpson sagte, was seiner Ansicht nach noch zu sagen war, um sich dann zu bedanken, dass King so fair sei – und aufzulegen. Aufgrund von unkritischen „Interviews“ wie diesem nannte die „New York Times“-Kolumnistin Maureen Dowd Larry King den „Urlaubsort des amerikanischen Journalismus“.

Legendär: Der Kuss von Marlon Brando (re.) nach dem Interview mit Larry King.
Legendär: Der Kuss von Marlon Brando (re.) nach dem Interview mit Larry King. © CNN

Nun ist er, nachdem er in seinem Leben unter anderem zwei Herzinfarkte, einen vierfachen Bypass, Lungenkrebs und einen Schlaganfall überstanden hatte, verstorben. Zuletzt war King im Dezember wegen Covid-19 ins Klinikum eingeliefert worden.

Er hinterlässt sieben Ex-Frauen, fünf Kinder – und die Erinnerung an Werte, die in unserer manchmal ganz schon lauten, überdrehten Welt an Bedeutung verlieren: Zuhören. Zugewandtheit. Zuverlässigkeit. 25 Jahre lang erschien er immer zur gleichen Sendezeit auf dem Bildschirm. Ein königlicher Rekord.

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