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Bayern schimpfa am scheenstn - Richta ergläad, wo erlaubt is und wos beleidigend

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De Bayern schimpfa gscheid, wenns eana basst.

De Bayern san liebevolle Grantler. S greislige Weeda, Ärga in da Arwad oder Gschiss mit de Nachbarn: Es gibt oiwei wos zum Schimpfa!

Minga - Meistns is des Gengiwa gmoant. Awa wo isn do de Grenz? Iwa wos ko ma no lacha – und wos is a Beleidigung? Des erklärt da Hamberger Robert (57), Richta am Landgricht und gschtandna Oberbayer. „Schimpfwort is ned gleich Schimpfwort“, sogt da Hamberger. Es kummt imma drauf oo, wia ma wos sogt und in wäichana Beziehung ma zur andan Person stäht. Bei­schbui: Wer an Bolizisdn ois „Bulle“ beschimpft, begäht a strafbare Beleidigung (Paragraf 185 Strafgesetzbuach).

Bis zu am Johr Haft ko a Gricht in schware Fälle vahänga. Meistns bleibts aba scho bei Gäid- oda Bewährungsstrafn. Am muskulösn Mo gengiwa konn „Bulle“ awa aa anerkennend gmoant sei. Ma ko damid zum Ausdruck bringa: Er is a gschtandns Mannsbuid. „Aufn Zusammenhang kummts oo“, sogt da Hamberger. „Du bist a Hund“ kunnt zum Bei­schbui ois Ausdruck vo Lob vastanden wern: „Respekt, wia du des wieda hiegriagt host!“ „Damid is meist de Gerissenheit oda Bauernschläue gmoant“, sogt da Jurist.

Awa: Der Begriff ko aa beleidigend sei – wenn ma am Sinn noch sogt: „Der hod mi sauber gleffed, der Hund!“ Ausschlaggebend is: De Grundlage von ana Beleidigung is ihr „herabwürdigender Charakter“ oder da Ausdruck von Missachtung. Und wos aa wichtig is: „Der wo schimpft, muass a wissn, wos er gsogt hod, erklärt da Hamberger. Meistens san de Beleidigungen awa sowieso ganz offensichtlich: „Wenn jemand ‚Du Depp‘ sogt, is des unmissvaständlich“, moant da Hamberger. Trotzdem iss waw oft scho aa kompliziert: Bei mehra wia 60 vaschiedne Undda-Dialekte in Bayern gibts durchaus Interpretations-Spielraum, wenns um Schimpfwörta gähd.

Fia de tz schätzt da Richta Hamberger 20 Begriffe rechtlich ei:

1.) Gsichtsgrapfa: A vaächtlicha Begriff fiara greisligs Gsicht – ähnlich wia „Schwammalkopf“. Wer des sogt, muass mit ara Anzeig rechna. „In meiner Laufbahn kon i mi awa an koa derartiges Strafverfahren erinnern“, sogt da Hamberger Robert.

2.) Matz (freche, durchtriebene Frau): Des konn herabwürdigend gmoant sei – wenn jemand vo ihra reingelegt worn is. „So a Matz!“, schimpft ma nacha. Da Hamberger: „Es konn awa aa anerkennend sei.“ Zum Beischbui, wenn ma sogt: „Des hods jetzt guad gmacht, de Matz!“

3.) Preiss (Preuße – jemand, der nicht aus Bayern stammt): Einglich koa Beleidigung, wei se da Begriff ja bloß aufd Herkunft oda de Lebnsumgebung beziagt. Da Hamberger: „Es regt sich ja aa koana auf, wenn uns oana ois Bayer bezeichnet.“ Im Gengteil: Vui san stoiz drauf. Awa obacht: „Saupreiss“ deaf ma ned song! „Dees is von Haus aus a Beleidigung.“

4.) Zipfeklatscha (Depp): Jemand, der zu nix daugt und den man zu nix braucha konn. „A klare Herabwürdigung“, sagt Hamberger. „Do is nix z findn, wos ned beleidigend is.“

5.) Dipferlscheißa (Korinthenkacker): Jemand, der überaggradd is – und do­damit de andern Leid aufd Nervn gäht. Laut am Hamberger ist der Begriff awa meistns „ned strafbar“: Weil er aufs Vahoiddn und ned aufd Person gmünzt is.

6.) Schnoin (Prostituierte): Koa Frag, des is a Beleidigung, weil herabwürdigend. Möglicherweise kunnt ma den Satz „Dee schaugt aus wiara Schnoin“ hi­nemma, wenns aso daherkummt – beischbuisweis, wenn da Minirock von dera Frau vui zkurz worn is. Aa strafbar: „Schnoin-Treiber“ (Zuhälter). Da Hamberger: „Aa des is ned unbedingt a Ausdruck der Hochachtung.“

7.) Foischa Fuchzga: Dees is oana, der an andan bschissn hod. Da Begriff konn Ausdruck persönlichn Eagas sei – is awa „äha a Beleidigung“, sogt da Hamberger Robert.

8.) Bladdada Semmegeist (Glatzkopf): Des gfoit oam mit wenig Hoor am Kopf ned wirklich. Is awa a ehrliche Beschreibung vom Haarwuchs – und drum ned strafbar. Den Begriff kon ma ois Auf­ziang obdoa.

9.) Hodalump (Kleinbetrüger): Zweifes­ohne a Schimpfwort! Dodamid bringt ma de einge Missachtung zum Ausdruck.

10.) Mistbritsch n, Luada: Des is a bäse Beleidigung fia Fraun. Zum Beischbui beim Ausparkn: „De Mistbritschn hod ma jetzt mei Auto ogfahrn.“ De Gäidstraf beim Gricht liegt in dene Fäi oft bei knapp oam Monadsghoit.

11.) Fotznspangla (Zahnarzt): Sogt ma äha am Land und deaf ma aa song. A ­Zahnärztin aus Garmisch hod dodamid amoi Eaga griagt. Mitte 2019 war des Broblem awa bloß dees, wia ma den Begriff bairisch richtig schreibt.

12.) Bierdimpfe: „Jemand, der dauernd in da Wirtschaft rumhockt und effda amoi zvui dawischt“, sogt da Hamberger. Potenzielle Beleidigung, ko awa aa lustig gmoant sei.

13.) Hirsch: Des Wort, des konn ma fia vui hernema. Herabwürdigend waar awa da Satz „Du Hirsch, gsäichda!“

14.) Kreizbirnbaamhollaschdaun, jetzt glangts ma!: „Des is eha a Fluach und Ausdruck von Eaga oder Hilflosigkeit ois wiara Beleidigung“, sogt da Hamberger. Ähnlich is bei „Zefix!“ Rechtlich gseng „allgemeines Fluchen, ned personengebunden“.

15.) Schoaßblodan , mistige: „Do gähts scho nei in de richtign Beleidigunga“, sogt da Hamberger. „Da Ausdruck von Missachtung gengiwa ara Frau is in dem Foi bsonders gaach.“

16.) Kasloawe (blasser Mensch, Bleich­gesicht): Koa Beleidigung, einglich bloß „a Zustandsbeschreibung vo da Hautfarb“.

17.) Grischbal (Hungerhaken): An sich aa „koa Beleidigung“, sogt Hamberger. Außer ma daad an Bodybuilder so bezeichnen, damit man aufziagt. „Der konn do drüwa bestimmt net lacha.“

18.) Haumdaucha (Taugenichts): Jemand, der nix bacha griagt. „Potenziell strafbar. Außer, ma kannt beweisn, dass a so is.“

19.)Dschamsdara (Liebhaber): Ned strafbar, hod awa a bisserl a Gschmackl. Heidzdog sogt ma „Lover“.

20.) Der is auf da Brennsuppn daher­gwschumma (Der hat keine Ahnung): Ned strafmassig, wenns stimmt. Sogt ma meistns awa iwa si säiwa und moant ­damid: Ihr kennts mia fei koan Schmarrn vazäin.

So deia ko a Beleidigung wean

A Beleidigung ko fiaran Zoanbinkl recht deia wean. 700 Euro hots an Schuibusfahra aus Finsing kost, weil er an Vadda ois „Saupreiß“ mit am „Mistkarrn“ ghoassn hot. Dea hot mitm Porsche sein Buam vo da Schui obhoin woin und is fian Gusto vom Fahra z nah an den Bus ­hikemma. A Mechanika aus Oitenstodt hot aa fia a Beleidigung sein Gäidbeidl aussahoin miassn: 1200 Euro wega am Eaga mit seim Nachbarn, wo er d Frau a „bschissne Matz“ gnennt hoat.

Wia vui Straf fia Schimpfweata oana zoin muas, des is je noch Foi andas und richt se noch am Einkomma vo dem, dea gschimpft hot. Es gibt oiso koan festglegtn Buaß­gäidkatalog. Trotzdem ko ma mit exemplarische Uateile song, dass de Spanna fia ­Beleidigunga im Straßenvakea zwischn 150 Euro (Zunga aussi­blecka) und 4000 Euro (Middlfinga ­zoang) lieng ko. „Oide Sau“ schlogt mit 2500 ­Euro zu Buche. „Du Wichsa“ kost den zornign Autofahra glei 1000 Euro. Bei „Leck mi doch“ kimmt ma mit 300 Euro ­davo. sjs

da Thieme Andreas

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