Show in der Olympiahalle

tz-Kritik zum Pur-Konzert: Warmes Wachs fürs Rocker-Herz

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Hartmut Engler von Pur verzauberte die tausenden Fans in der Olympiahalle.

München - Pur kann es immer noch! Die Rocker um Hartmut Engler haben am Sonntagabend die Olympiahalle verzaubert und das serviert, was die Fans erwartet haben.

Die Klaviertasten kleben vor zuckersüßer Liebe. Hartmut Engler (54) blickt mit glänzenden Augen zurück in eine Zeit, in der starke Trümmerfrauen Deutschland wieder aufgebaut haben, während Daniel Wirtz (40) in überzeugender Einfachheit von der alten Dame singt, die die Zeit vergisst Wenn sie diesen Tango hört

Als Engler mit Anni einsteigt, so den Tangosong fortführt und seine Mutter besingt, die heuer 90 Jahre alt geworden ist, zeigen die Bildschirme eindeutig Mutter und Sohn: Nase an Nase. Wenn’s nicht so auf Biegen und Brechen auf Nostalgie, Harmonie und Liebe Liebe Liebe inszeniert wäre, müsste man sich das Näschen womöglich vor Rührung schneuzen.

Engler gegen Flüchtlingshass: "Wir sind stark"

Zweieinhalb Stunden haben Pur am Sonntagabend ihren Melodic-Deutschrock in der fast ausverkauften Olympiahalle gespielt und all das serviert, was die Fans erwartet haben. Die Funkelperlenaugen werden – wie stets bei Pur-Konzerten – von minutenlangen Gesängen der Fans begleitet, bei Achtung schießen die Flammen hoch, zu "Stark" liefert Engler eine bockstarke Ansage, äußert sich zu Terrorangst und Flüchtlingshass: „Da sagen wir: Nicht mit uns! Wir sind stark.“ Engler schafft es, nahezu jeden Song so einzuleiten, dass der Songtitel das letzte Wort in seiner Ansage ist. 

Das nimmt ihm spontan wirkende Interaktion mit seinem Publikum, das den Pur-Rockern durch eine Rundbühne in der Mitte der Olympiahalle ganz nah ist. Anderseits transportieren diese Ansagen eine wunderbare Erwartbarkeit, die nie enttäuscht wird. Zum Akustik-Medley mit Imagine, Wenn du da bist und Indianer stülpt sich Hartmut Engler schließlich einen gigantischen Federschmuck über den Kopf, der bis zu den Fersen reicht.

Pur-Power-Rock wie warmes Wachs

Das an Karl May erinnernde Gebaren auf der Bühne bleibt die einzige ironische Brechung an diesem Abend, an dem immer alles so gemeint ist, wie man es im ersten Moment wahrnimmt. Wie warmes Wachs schließt sich der Power-Rock ums Herz der Fans, die enthusiastisch das 35. Bühnenjubiläum mit ihren sieben Bietigheimer Rockern feiern. Andreas Bourani performt als weiterer Gast seinen WM-Hit Auf uns. Hätte er es dabei belassen, es wäre ein umjubelter Auftritt gewesen. 

So aber schaffte es der 32-Jährige trotz Unterstützung durch den Teleprompter schwere Textdefizite bei Abenteuerland zu zeigen – einem Lied, das außer ihm ganz Deutschland auswendig kann. Der fehlende Flow von Bourani wurde durch die Fans aufgefangen, die in die bekannten Zeilen einstimmten. In erwartbarer Erwartbarkeit wird am Ende noch ein Hitmix aus der Konserve gespielt, während Pur und die Fans mit riesigen Ballons spielen. Beseelt geht’s heim, weil wenigstens einer auf dieser Welt noch meint, was er sagt und singt.

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