Konzertkritik

Das Urblech des Funk: Maceo Parker in der Muffathalle

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Maceo Parker.

München - „Zwei Prozent Jazz und 98 Prozent funky“ – so beschreibt Maceo Parker seine Musik. Am Freitag war er in der Muffathalle - die Konzertkritik.

Tatsächlich sind seine Konzerte genau genommen mehrstündige Tanzveranstaltungen. Das ist in München so ziemlich alle zwei Jahre zu erleben, denn die Muffathalle unterhält eine besondere Beziehung zum Funk-Altmeister: Er schaut regelmäßig vorbei, auch wenn gerade keine neue Platte zu bewerben ist oder eine Tour ansteht.

Begrüßt wurde die Saxofon-Legende entsprechend herzlich in der randvoll gefüllten Halle. Dort wurde zuvor eifrig spekuliert, wie lange die Show diesmal dauern würde. Eingeweihte wissen: Maceo Parker knackt schon mal die Drei-Stunden-Marke. Unvergessen die Episode, als er vor einigen Jahren nach gut zweieinhalb schweißtreibenden Stunden in Richtung Ausgang raunzte, durch den sich ein paar Besucher verdrücken wollten. So lange er mit seinen damals über 60 Jahren auf der Bühne arbeite, könne er ja wohl erwarten, dass auch sein Publikum vollzählig bleibe.

Funk sei Dank merkt man dem heute 74-Jährigen sein Alter immer noch nicht an. Sein Spiel ist immer noch eine Instanz in Sachen „Präzision“ und Schärfe, sein Attack zu Recht legendär. Als musikalischer Leiter der James-Brown-Band entwickelte er diesen zum Markenzeichen gewordenen perkussiven Stil, den er über die Jahre perfektioniert hat. Dabei betätigt sich der Bandchef weniger als Solist, sondern eher als Schlussstein in einem kunstvoll geschichteten Groove-Gefüge. Da kann der Bass noch so pumpen – richtiger Groove wird’s erst, wenn Maceo Parker ins Horn stößt.

Erschöpft von dannen schleichen musste sich diesmal allerdings niemand. Erstaunlich ruhig ließ es der Meister angehen, nach für ihn vergleichsweise moderaten zweieinviertel Stunden verabschiedete sich die Band nach einem ungewöhnlichen Konzert, das eher 20 Prozent Jazz und 80 Prozent Funk barg. So wurde München Zeuge einer bislang vielleicht wenig wahrgenommenen Seite des Funk-Urgesteins: Sein Talent für ruhigere, soulige Klänge, deren Höhepunkt eine tiefe Verbeugung vor dem verstorbenen Soul-Hohepriester und Weggefährten Ray Charles war. Einziges wirkliches Manko des Abends: Ein seltsam bedeckter und undifferenzierter Hallensound, jedenfalls in der hinteren Hälfte.

Christoph Ulrich

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