Ausschnitte zum Lesen

„Mein Leben mit Zeitungen“: Verleger Dirk Ippen zieht in seiner Autobiografie Bilanz

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Merkur-Verleger Dr. Dirk Ippen.

Merkur-Verleger Dr. Dirk Ippen zieht in seiner neuen Autobiografie Bilanz. Hier können sie schon jetzt einige Ausschnitte lesen.

  • Dr. Dirk Ippen ist Verleger der tz und des Münchner Merkur.
  • In seiner Autobiografie „Mein Leben mit Zeitungen“ zieht er Bilanz.

München - Es gibt eine Geschichte, die in aller Kürze eine Menge über Dirk Ippen verrät. Es war Anfang der 80er, Ippen hatte gerade die tz und den Münchner Merkur als Verleger übernommen, da spazierte er spontan ins Büro des Chef­redakteurs. Er bekam noch die letzten Momente ­eines Telefongesprächs mit einem Lokalredakteur mit. „Ach, macht doch, was ihr wollt, ist doch sowieso egal, was eure Bauern da lesen“, schnaubte der Chef­redakteur in den ­Hörer. Ippen hörte es, staunte – kurz darauf war der Chefredakteur seinen Posten los. Ippen schildert die Anekdote in seinem neuen Buch. In jenem Augenblick habe er ­erkannt, dass es der falsche Chefredakteur sei. „Wir trennten uns im Guten.“

Mindestens drei Dinge erkennt man darin an ihm wieder. Erstens: Ippen schaut selbst auf ­einen Plausch bei seinen Mitarbeitern vorbei, statt sie zu sich ins Büro zu zitieren. Zweitens: So nahbar er ist, bei Entscheidungen auch übers Personal kann er knallhart sein. Drittens: Die Lockerheit endet schlag­artig, wenn einer das Lokale geringschätzt, verspottet, als Vieh- und Kaninchenzüchterwelt missinterpretiert. „Anflüge von geistigem Hochmut“ nennt Ippen das, und die sind dem 79-Jährigen fremd.

Kein Widerspruch: Einerseits ist er einer von Deutschlands mächtigsten Zeitungsverlegern. Andererseits steht bei keinem Verleger das Regionale so im Mittelpunkt wie bei ihm. Jetzt hat er seine Autobiografie geschrieben, wir zeigen einige Passagen vorab.

Die Anfänge der tz

Wäre es nach Franz Josef Strauß gegangen, gäbe es die tz heute nicht mehr. „Er riet mir, die verlustreiche Zeitung sofort einzustellen“, schreibt Dirk Ippen in seinem Buch. „Das hätte ihm (Strauß) wohl auch deswegen gefallen, weil wir hier eine im besten Sinne ­liberale und der CSU ­kritisch gegenüberstehende Redaktion hatten“, so der Verleger ­weiter. Es kam, ­natürlich, anders. „Und es war ein Glück für uns, dass wir begabte Journalisten ­hatten, die zudem ­eine betont bayerische Zeitung herausbrachten – aufgeklärt ­bayerisch.“

Der Umgang mit den Mächtigen

Medien ecken immer ­wieder an bei den Herrschenden – gerade in Bayern. ­Ippen rät: Konflikte durchstehen. Er schreibt: „1982, an einem meiner ersten Arbeitstage beim Münchner Merkur, war ich erstaunt, als mich ein ­direkter Anruf des Ministerpräsidenten erreichte. Von einem ,Gespräch‘ konnte ­allerdings bei diesem Telefonat keine Rede sein. Strauß hatte sich über einen Artikel in der Zeitung so maßlos ­geärgert, dass er etwa 20 Minuten lang auf mich niederdonnerte. Für mich war diese Beschimpfung kein Problem, ich wollte nichts vom Ministerpräsidenten, und zum Glück war auch unter Strauß Bayern ein Land mit Pressefreiheit. Da ist es wichtiger, welche Meinung die Presse über die Politik hat, als das, was Politiker über Zeitungsleute denken mögen.“

Seine Redaktionen ermahnt Ippen, Zeitungen ­sollten „Parteinehmer, nicht Parteigänger“ sein. Für den Merkur wie für die tz heißt das auch: eine kritische ­Distanz auch zur dauerregierenden CSU halten.

Der Verleger schreibt

Viele Leser kennen Dirk Ippen nicht nur aus dem ­Impressum, sondern auch als Schreiber. Die Kolumne Wie ich es sehe ist ihm seit 15 ­Jahren ein Herzensanliegen. „Dazu nehme ich als gelernter Nonkonformist überwiegend Standpunkte ein, die gegen den allgemeinen ,Strich‘ gebürstet sind“, so Ippen. „Nach der alten Schwaben-Weisheit: ,Oh glaubet nicht alles, was ihr meinet‘.“ Schreiben hat ihm schon immer Freude gemacht. Aber die ­Kolumne sorgt vor allem für direkten Leser-kontakt. „Meine Familie kennt zur Genüge, dass mein Samstagvormittag oft darin besteht, mit dem Smart­phone Leseräußerungen zu beantworten und mit Lesern zu diskutieren. Durch kritische Leserreaktionen habe ich aber auch gelernt, dass wir uns in unseren Zeitungen kein Blatt vor den Mund halten müssen. Der Leser liebt es, sich über das ,aufzuregen‘, was ihm nicht gefällt.“

Unternehmertum

Das Unternehmersein ist für Ippen wie Berg­wandern. „Da gibt es verschlungene Pfade ­ohne Orientierung. Aus denen muss man sich erst mühsam frei arbeiten in höhere Gefilde mit Überblick.“ Natürlich geht es darum, Gipfel zu stürmen. Aber genauso wichtig ist der Weg zum Gipfel. Oder in den Worten des Verlegers: „Meine ausgesprochene Neigung zur Expansion ist auch eine Art Neugier.“

cd/sts

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