Lessings Plädoyer für Toleranz

Viel Applaus für "Nathan der Weise"

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Das Probenfoto zeigt eine Szene aus dem Stück "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing.

München - Lessings Drama über die Suche nach religiöser Wahrheit könnte kaum aktueller sein - und sorgt für ausverkaufte Vorstellungen am Münchner Volkstheater. Am Samstag feierte Christian Stückls „Nathan der Weise“-Inszenierung erfolgreich Premiere.

Welche Religion ist die wahre - Judentum, Christentum oder der Islam? Die zentrale Frage aus Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ gerät zum Plädoyer für Toleranz - das auch mehr als 230 Jahre nach der Uraufführung des Stückes kaum aktueller sein könnte. Am Samstag feierte die „Nathan“-Inszenierung von Christian Stückl am Münchner Volkstheater Premiere und fand großen Applaus beim Publikum.

„Das Thema liegt gerade in der Luft“, sagte Intendant und Regisseur Stückl der Nachrichtenagentur dpa zur Auswahl des Stückes, das einen Beitrag leistet zu den täglichen Diskussionen um islamistischen Terror und Fremdenfeindlichkeit. Noch nie zuvor habe am Volkstheater ein Stück bereits im Vorfeld der Premiere solch einen Ansturm auf die Tickets ausgelöst.

Mit seinem eindringlichen Drama über die Suche nach religiöser Wahrheit und das Ideal einer humanistischen Gesellschaft schuf Lessing (1729 - 1781) eines der Hauptwerke der Aufklärung. Die Frage des Sultans in Jerusalem, ob nun Christen, Juden oder Muslime den rechten Glauben hätten - „Von diesen drei Religionen kann doch eine nur die wahre sein“ - beantwortet der Jude Nathan mit der berühmten „Ringparabel“.

Ein Vater hat einen Ring mit göttlicher Wirkung an seinen Lieblingssohn zu vererben. Der Vater kann sich jedoch unter seinen drei Söhnen nicht für einen entscheiden und lässt zwei Kopien des Rings vererben. Nun bekommet jeder einen - doch welcher ist der wahre Ring? Unter den Söhnen kommt es zum Streit. Was folgt, ist die Erkenntnis, dass sich die Frage nach religiöser Wahrheit nicht rational klären lässt. Vielmehr kommt es auf den Glauben und die daraus folgenden Handlungen an. Nathan überzeugt den Sultan.

Fazit: Es geht nicht um die Frage nach Unterschieden durch Volkszugehörigkeit oder Religion, sondern um die Gemeinsamkeit: Alle sind Menschen - die sich gegenseitig nicht nur dulden, sondern Freunde werden.

Regisseur Stückl sagte zur Wahrheitssuche: „Natürlich ist die Ringparabel da und die Frage, was die wahre Religion ist. Dabei kennen wir die Wahrheit doch: Jeder, der sagt, er habe sie, ist falsch gewickelt. Man kann höchstens nach der Wahrheit suchen. Wer sagt, dass er sie hat, dem misstraue ich.“

Mit seiner schnörkellosen Drei-Stunden-Inszenierung vor überaus reduziertem Bühnenbild - beschränkt auf wenige Requisiten wie ein Schachbrett und Geldsäcke - rückte Stückl die Botschaft Lessings um so stärker in den Fokus. Das multikulturelle Ensemble um Hauptdarsteller August Zirner als „Nathan“, Pascal Fligg als Sultan und Jakob Geßner als christlicher Tempelherr überzeugte mit einer packenden und durchaus amüsanten Aufführung.

dpa

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