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Vorhang auf im Viehhof: So war die Eröffnung des Münchner Volkstheaters

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Von: Katja Kraft, Michael Schleicher

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Blick ins neue Volkstheater
Die ersten Gäste in Münchens neuem Theater: das Premieren-Publikum am Freitagabend. © Oliver Bodmer

Freudentränen beim Intendanten, frenetisches Trampeln im Publikum und ein greller Bühnenthriller: Das neue Münchner Volkstheater öffnet erstmals seine Pforten.

Es duftet nach frischer Wandfarbe, doch da liegt noch anderes, ganz Fantastisches in der Luft: der Wohlgeruch von Euphorie. Die Gäste, die am Freitagabend zum ersten Mal ins neue Münchner Volkstheater gekommen sind, verströmen ihn in allen Gängen. Keiner wollte diese Eröffnung verpassen: vom neuen Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Serge Dorny, über die Theaterspitzen Barbara Mundel (Kammerspiele) und Ingrid Trobitz, stellvertretende Chefin des Residenztheaters, den früheren Resi-Chef Dieter Dorn bis hin zu Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner.

Münchner Volkstheater: Intendant Stückl fehlen die Worte

Letzterer weiß wohl am besten, wie sich in diesen Stunden Volkstheater-Intendant Christian Stückl fühlen muss. Vor einer Woche hat Wagner wie berichtet selbst die Einweihung der Isarphilharmonie gefeiert und eine bewegende Rede gehalten. Nun steht Stückl in seinem neuen Reich auf der Bühne –und es geschieht, was ihm selten passiert: Dem eloquenten Alles-Ermöglicher fehlen die Worte.

Christian Stückl
So sieht Glück aus: Volkstheater-Intendant Christian Stückl bei seiner Ansprache auf Bühne 1. © Oliver Bodmer

Den Freudentränen nahe, muss er sich kurz sammeln, während das Publikum frenetisch (!) Beifall klatscht. Sie wissen ja, dass sie es zu einem überaus großen Teil Stückl zu verdanken haben, dass sie an diesem Abend die Einweihung des neuen Volkstheaters an der Tumblingerstraße 29 feiern können. Oberbürgermeister Dieter Reiter lobt den Intendanten in seiner Rede als den „Motor für das Ganze“ und als die „personifizierte Spielfreude“. Wieder Jubel, Füße-Trampeln – es fehlt nicht viel, da würden sie im Zuschauerraum von den Sitzen springen. So ausgelassen war eine Theatereröffnung selten.

München: Knapp 131 Millionen hat das Volkstheater gekostet

Da spürt man ihn wieder, den besonderen Zusammenhalt, der in diesem Haus herrscht. Ganz offensichtlich ist er auch am neuen Standort ungebrochen. Wie berichtet, war es an der Brienner Straße zu eng geworden. Deshalb – und weil das angemietete Gebäude dringend sanierungsbedürftig war – war der Neubau nicht nur nötig, sondern sinnvoll. Drei Jahre wurde im Schlachthofviertel gebaut, knapp 131 Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Künftig können sie hier drei Spielstätten mit Platz für 600, 200 und 99 Menschen nutzen. „Trotz Corona sind wir im Zeit- und Kostenplan geblieben“, lobt Reiter.

Foyer des Münchner Volkstheaters
Ausverkauft: Die Euphorie der Gäste spürte man schon im gut gefüllten Foyer des neuen Hauses.  © Oliver Bodmer

Auch Stückl bedankt sich, als er zur Sprache zurückgefunden hat, stellvertretend für seine ganze Mannschaft beim Technischen Leiter, Carsten Lück, und beim Architekten Arno Lederer vom Stuttgarter Büro Lederer Ragnarsdóttir Oei. Der tritt dann noch selbst auf die Bühne – das stehe zwar nicht im Protokoll, meint er schmunzelnd, aber genauso wenig habe in der „tausendseitigen“ Ausschreibung für das Theater die Forderung nach „Schönheit“ gestanden. Er und sein Team haben sie trotzdem erfüllt. „Wir haben uns gedacht, wir schenken den Münchnern die Schönheit einfach“, sagt er und erntet – na, klar: heftigen Jubel.

Münchner Volkstheater: Marlowes „Edward II.“ entlarvt Machtpolitik

Dann schließt Bühnentechniker Korbinian zum ersten Mal den roten Samtvorhang – und es dauert ein paar Minuten, bis die Kulisse bereitet ist für die erste Vorstellung im neuen Volkstheater. Christian Stückl inszenierte „Edward II.“ des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe: Die zwei Stunden sind ein greller Thriller, der Machtpolitik entlarvt und mit Institutionen abrechnet, die vorgeben, dem Menschen zu dienen – diesen aber allzu oft brutal das Menschsein austreibt. Das Erste, was die Premierengäste an diesem Freitag auf der Bühne 1 jedoch hören, ist das glückliche Lachen von Jan Meeno Jürgens als Edward. Und dieses glückliche Lachen ist wohl das Schönste, was in einem Theater zum Start erklingen kann.

Lesen Sie hier die Kritik zum Konzert von Granada im Münchner Volkstheater.

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