Kritik

Der Wanda-Wahnsinn in der Muffathalle

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Begeistert die Fans: Wanda.

München - Das Wiener Pop-Wunder Wanda begeistert seine Fans in der Muffathalle in München. Eine Konzert-Kritik.

So viel Liebe, so viel Amore, so viel Schnaps! Wanda, das Pop-Wunder aus Wien, machte mit seinem Konzert in der Muffathalle München narrisch. Der Heurige im Advent war seit Monaten ausverkauft, der Schwarzmarkt (bis zu 170 Euro) reichte rauf zum Gasteig, als würde die Netrebko singen. Wandamania – für eine Band, die vor einem Jahr, bis zum Debütalbum Amore, noch kein Mensch kannte. Nun sangen 1100 die rauschigen Lieder wie den Superhit Bologna, das Satisfaction von der Donau.

Sänger Marco Michael Wanda, der sich nach einer Wiener Puffmutter benannt hat, hätte fast daheim bleiben können – denn das hipsterlastige Publikum sang völlig selbstständig jede einzelne Zeile mit. Schickt mir die Post schon ins Spital, das lässige Lied übers Sterben – solche Wandamusik schreit nach ohrenbetäubender Begleitung. Mr. Wanda himself schwitzte, rauchte, verlangte nach Schnaps, und lobte: „München, ihr seid so leiwand, ich weiß, wir sind Scheiße.“ War aber nur Schmäh. Die Kapelle war Wanda-ful! Wobei man sagen muss: Etwas Routine im Wildsein schleicht sich langsam doch ein. Die Setlist ist mittlerweile jeden Abend fast gleich. Und seit Bologna und Bussi Baby auch im Bügelradio laufen, ist der pure Wahnsinn, der noch im April durchs Backstage tobte, ein wenig domestiziert.

Das wird spannend, wenn Wanda 2016 am Tollwood spielen, und irgendwann, Gott behüte, im grausigen Zenith – ob die Anarchie auch im großen Rahmen funktioniert? Diesmal in der Muffathalle war noch alles gut. Marco Michael surfte übers Publikum bis hinter zur Bar, küsste dort inniglich einen Fotografen. Und dann ging’s endlich ab übern Brenner: Fahr ma in die Stadt, wo die Cousine lebt. Die ganze Halle, ein Chor: Tante Ceccarelli hat in Bologna Amore gemacht! Mehr Rausch geht nur auf der Wiesn.

Und wenn der Mainstream Wanda irgendwann doch ruiniert, steht der Nachfolger schon parat: Sänger Dagobert, Schweizer aus Berlin, lieferte ein überragendes Vorprogramm. Als Vorbilder nennt er Leonard Cohen und Olaf von den Flippers. Dass seine siffigen Elektroschlager wie Ich will ne Frau, die mich will im Radio durchgenudelt werden, ist vorerst nicht zu befürchten.

Jörg Heinrich

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