Glücksspiel-Unternehmen kriegt Druck

Wirbel um zwei Warhol-Werke

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Sollen 100 Millionen Euro bringen: Warhols „Triple Elvis“ (l.) und „Four Marlons".

München - Der umstrittene Verkauf von zwei millionenschweren Warhol-Bildern zur Sanierung der Casino-Gesellschaft Westspiel wird trotz scharfer Proteste aus Kunst und Politik nicht gestoppt.

Das machten Vertreter der landeseigenen NRW.Bank, deren Tochter Westspiel ist, sowie des Finanzministeriums am Donnerstag im Kulturausschuss des nordrhein-westfälischen-Landtags klar. Die rot-grüne Landesregierung setzt trotz der Verluste einiger Spielbanken weiter auf Millionen-Einnahmen der Westspiel-Casinos und will wie geplant eine neue Spielbank in Köln bauen.

Westspiel will die Warhol-Bilder Triple Elvis und Four Marlons am 12. November von Christie’s in New York versteigern lassen. Die beiden Bilder hingen früher im Casino Aachen. Die Gesellschaft erhofft sich daraus einen Erlös von rund 100 Millionen Euro. Maximal 80 Millionen Euro würde Westspiel von dem Auktionserlös bekommen, sagte ein Vertreter des Finanzministeriums. Sollte die Versteigerung mehr Geld einbringen, würde dieses nach Abzug einiger Mittel im Landeshaushalt bleiben.

Andy Warhol kommt also unter den Hammer – da half es auch nichts, dass im Vorfeld erneut die Direktoren der großen Kunstmuseen Nordrhein-Westfalens bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gegen den geplanten Verkauf der Hochkaräter protestiert haben. Im zweiten Brief binnen einer Woche an die Regierungschefin fordern 27 Museumschefs, dass auch Kunstwerke im indirekten Landesbesitz künftig „vor dem Ausverkauf“ geschützt werden müssten.

Die Museumschefs reagierten auf einen Antwortbrief der Ministerpräsidentin, in dem sie erklärt hatte, dass die indirekt dem Land gehörende Westspiel-Gesellschaft als ein rechtlich selbstständiges Unternehmen notwendige Investitionen aus eigener Kraft oder eigenen Vermögenswerten schultern müsse. Die Landesregierung habe aber nicht die Absicht, Kunst aus direktem Besitz des Landes zum Zweck der Haushaltskonsolidierung zu veräußern.

Westspiel hatte erklärt, dass derzeit außer den Bildern von Andy Warhol kein weiterer Verkauf aus der mehr als 230 Objekte umfassenden Casino-Kunstkollektion geplant sei. Keines der Werke sei annähernd so wertvoll wie die beiden Warhol-Bilder. Welche Bilder sonst noch im Besitz des Glücksspiel-Unternehmens sind, lesen Sie im Kasten unten auf dieser Seite.

Inzwischen wurde bekannt, dass einige Werke aus dem Casino Aachen – ein Marilyn-Siebdruck von Warhol sowie ein riesiger Lichtregen des Zero-Künstlers Heinz Mack – zerstört oder entsorgt wurden. Die geplante Demontage der 13 Meter hohen Lichtskulptur mit rund 7000 Leuchten sei ihm 2003 sehr kurzfristig mitgeteilt worden, schrieb Mack am Donnerstag der dpa. „Bei der Demontage entstand quasi Totalschaden, weil alle Lichtelemente in Glasröhren montiert waren.“

Einen neuen Standort für das Kunstwerk habe er so schnell nicht finden können. Dies wäre auch „de facto sinnlos“ gewesen, weil der Lichtregen nach dem Abbau ja zerstört gewesen sei. „Es gab auch kein wirkliches Bemühen seitens des Casinos, eine gemeinsame alternative Lösung zu finden“, erklärte Mack.

Der Lichtregen sei schon im Casino-Foyer nicht mehr in einem einwandfreien Zustand gewesen, da er nicht gewartet worden sei. „Ich hörte auch Klagen, weil sich die Angestellten durch das zum Teil schnell wechselnde Lichtprogramm gestört fühlten.“

Westspiel: die Sammlung

Insgesamt 235 Kunstwerke hat Westspiel zwischen 1976 und 1988 zur Ausstattung seiner Spielbanken in Aachen, Bad Oeynhausen und anderen Städten erworben. Eine Auswahl der Werke fürs Casino Aachen:

Fernando Boteros Stillleben von 1976/77, ein großes bronzenes Stillleben in Form eines Tisches mit Tischdecke und Requisiten – Zehn Grafiken von Salvador Dalí (1976/77) – Seagate (1976) und Kreuz (1978), zwei abstrakte Gemälde von Helen Frankenthaler – Günther Ueckers U (1964), ein Nagelrelief – Andy Warhols Marilyn Monroe (1964), zehn Siebdrucke auf Papier, das 235. von 250 Exemplaren – drei Ölbilder und eine Feuergouache von Otto Piene (1972–1976) – zwei Werke von Robert Indiana: The New Zero (1972), ein Pop-Art-Ölgemälde, und Polygons (1972), zehn Siebdrucke – das abstrakte Bild Bath Apollo Series von Robert Natkin (1976) – der Frauenakt Touche Boucher (1973) von Mel Ramos.

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