Konzert in München

Ambros macht traurig und glücklich zugleich

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Wolfgang Ambros.

München - Gezeichnet vom Leben: Wolfgang Ambros ging es schon mal besser als beim Akustikkonzert im Prinzregententheater. Der Sänger bescherte seinem Publikum einen Abend, der traurig und glücklich zugleich macht.

Gezeichnet vom Leben: Wolfgang Ambros ging es schon mal besser als beim Akustikkonzert im Prinzregententheater. Nach einer Rücken-OP schlurft der Austropop-Gottvater am Stock und strumpfsockert auf die Bühne. „Weit hammas bracht“, raunzt der Wolfgang, fesch san ma beinand. Die Zunge schlurft mit bei seinen Ansagen, war früher auch flinker unterwegs, aber wos wüst machen? Der Schmerzensmann des Wiener Liedguts, 62 mittlerweile, beschert seiner eingeschworenen Münchner Gemeinde im gut besuchten Prinze einen Abend, der traurig und glücklich macht zugleich.

Der Ambros, der da auf dem Hocker neben Günter Dzikowski sitzt, seinem getreuen Tastenfreund seit 1978, ist ein Versehrter. Krebs, Feuerunfall, Scheidungskrieg, zuletzt die Trennung von Lebensgefährtin Anne, Mutter seiner erst vierjährigen Zwillinge – alles erlebt, alles überlebt. Vom „Sinn des Lebens“ berichtet Ambros, mit dem Singen klappt es besser als mit dem Erzählen, und vom nach wie vor wichtigsten Ziel: „A Mensch möcht i bleibn.“ Die Energie der jungen Jahre ist dahin, die Blume aus dem Gemeindebau lang verwelkt, die hohen Töne außer Reichweite. Manchmal möchte man ihm durch seine Ansagen helfen, durch seine Lieder, mit denen man groß geworden ist.

Und doch: Wenn der alte Sünder seine Monumente auspackt, die Wintasun, Schaffnerlos, die Kinettn – dann geht es einem durch und durch, dann ist man glücklich, dass es ihn noch gibt, den Johnny Cash vom Wienerwald, Österreichs Last Man Singing. Am Ende: Standing Ovations für den Mann, der nicht mehr gut stehen kann. Baba und foi ned, Wolferl!

Jörg Heinrich

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